Zurück zur Übersicht

 

 


Nationales französisches Schifffahrtsmuseum, Paris

m Rahmen einer maritimen Frankreichstudienreise der Gesellschaft Deutsches Schifffahrtsmuseum hatte ich im April 1999 wieder die Gelegenheit, das Musée de la Marine in Paris kennen zu lernen. Das Museum befindet sich in einem Teil des 1937 für eine Weltausstellung erbauten Rundbaues, der auf einer Anhöhe dem Eifelturm gegenüber liegt. Die Anfänge des Marinemuseums datieren von 1748, sein Begründer war Henri Duhamel du Monceau (1700–1782). Neben diesem Pariser Museum gibt es noch zugehörige 13 Außenstellen in den französischen Hafenstädten, welche die großartige maritime Geschichte der „Grande Nation“ bis hin in die Gegenwart sehr gut präsentieren. Da all die erwähnten Institute nicht nur für Besucher da sind, sondern auch Forschungsarbeiten betreiben, sind sie den Universitäten angeschlossen.

Das prächtige Modell des Dreideckers Océan.Das Pariser Musée de la Marine präsentiert in zwei großen Galerien, von denen jede 180 m lang ist, die ganze Bandbreite der französischen maritimen Geschichte seit dem 17. Jahrhundert, worunter sich Erinnerungsstücke der Könige und Königinnen Frankreichs und von Napoleon befinden. Aufgezeichnet wird auch die Geschichte der Meeresschifffahrt im Mittelmeerraum seit der Antike. Beeindruckend sind die zahlreichen Großmodelle, wobei die Galère Réale und das Prunkboot, das Napoleon zur Mündung der Schelde brachte, besonders signifikant sind. Die Modelle „Royal Louis“ (zirka 1750) und die „Royal“ (1720, etwa 4 m lang), die „Louis XV“ (1720) – solche Modell dienten künftigen Seeoffizieren, aber auch Werftarbeitern und Prinzen zur Ausbildung – sind besonders interessant. Die Demonstrationsmodelle im Maßstab 1:12, 1:18 und 1:32 befinden sich in der oberen Galerie. Das größte Modell, „Océan“, hat eine Dimension von 6,5 m; es ist ein mit 120 Kanonen bestückter Dreidecker aus der ersten Kaiserreichszeit. Bug und Heck des Lustschiffes „Marie Antoinette“, mit dem die Königsfamilie vor der Revolution auf den Kanälen von Versailles segelte, sowie eine Staatsbarke, die sich Napoleon 1811 in Antwerpen bauen ließ, sind ebenfalls beeindruckend. Ferner ist die Modellsammlung des Admirals Paris aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu erwähnen; die Modelle wurden nach den Notizen gebaut, die er auf seinen drei Weltreisen angefertigt hatte.

Das Heck der Louis XV, eines 110-Kanonen-Schiffes; das Modell ist eine Arbeit des jungen Königs Louis XV.Auch Handels- und Kriegsschiffe aus der modernen Epoche sind durch zahlreiche Exponate vertreten. Hierbei ist besonders zu erwähnen der ehemalige Luxusliner „Normandie“ (vor 1939). Auch die moderne französische Marine wird mittels Modellen und Videoshows gut präsentiert. Die Sammlung von Gemälden berühmter Marinemaler wie zum Beispiel Vernet, Jean-Francoise Hue, Ozanne, Marqui de Rosel, Garneray und vieler anderer Künstler sind an den Wänden gut platziert und bilden das maritime Leben ab – eine Augenweide für die Betrachter.

Professioneller Modellbau und Restaurierungsarbeiten werden in den Werkstätten für das Museum betrieben. Außerhalb der öffentlichen Einrichtungen stellt das Museum Forschern für wissenschaftliche Studien eine Bibliothek von 45.000 Bänden und eine Dokumentationsabteilung mit über 200.000 Fotos zur Verfügung.

Im Rahmen der Hansebootmesse (Hamburg), Sektor Art Maritim, war das Musée de la Marine 1987 mit ein paar sehr schönen Exponaten vertreten. Die anderen Artikel stammten aus dem Privatmuseum von Peter Tamm (Hamburg).

Wechselnde Sonderausstellungen finden regelmäßig im Museum statt. Die Museumsleitung liegt jeweils in den Händen von einem Konteradmiral. Gegenüber den heutigen politischen Verhältnissen in Deutschland wird in Frankreich mit Tradition und Geschichtsbewusstsein ganz anders umgegangen, welches ja zur Wahrung und zum Ansehen der Grande Nation France in ganz signifikanter Weise führt. Dieses Faktum bekommt der Museumsbesucher überall zu spüren.

Maritim interessierte Menschen, auch Modellbauer sollten dieses Museum bei einer Parisreise nicht auslassen.