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enden im Münsterland – eigentlich weitab jeder See, und bedeutende Flüsse gibt es auch nicht, so zumindest meine Reste an geographischem Grundwissen aus der Schulzeit, wie kommt da also ein Schifffahrtsmuseum hin? Nun, ein Schifffahrtsweg ist eigentlich schon direkt anbei, nämlich der Dortmund-Ems-Kanal.
1983 wurde das Museum nach 15-jähriger Vorbereitungszeit vom dazugehörigen Kuratorium feierlich seiner Bestimmung übergeben, und seit dieser Zeit erfreut es sich großer Beliebtheit, auch bei den Modellbauern, doch dazu komme ich später noch ausführlicher. Das Museum selber bietet auf zirka 1.000 m² an die 2.000 Exponate aus allen Bereichen der Seefahrt, und natürlich füllen auch viele Modelle die dazugehörigen Räume. Besonderer Wert wurde von der Museumsleitung darauf gelegt, ohne erhobenen Zeigefinger die maritime Welt dem Besucher näher zu bringen und dabei den „Spaß an der Freude“ in den Vordergrund zu stellen, vieles darf angefasst, bespielt und bestiegen werden.
Betritt der Besucher nach Zahlung eines kleinen Obolus das Museum, erwartet ihn ein kleiner Rundgang durch die mit verschiedenen Schwerpunkten ausgestatteten Räume; Themen sind z. B. die Geschichte der Passagierschifffahrt, die „Titanic“-Katastrophe, der Walfang oder auch das Piratenwesen. Einen für den Modellbauer besonderen Leckerbissen hält das Museum in seiner zweiten Hälfte parat, denn dort steht „der Welt größtes und schönstes Modell der ‚Wasa’“, und dieser Eigentitulierung des Museums kann nur ehrfürchtig zugestimmt werden. Im Maßstab 1:15 präsentiert sich dort ein 4,50 m langes Modell, welches in den Jahren 1985–1994 in 3.997 Arbeitsstunden von dem Modellbauer Reinhold Meisner erbaut wurde. Verarbeitet wurden dabei u. a. 12.000 Dübel, 6.000 Nägel und 500 m Beplankungsleisten; 650 handgeschnitzte Figuren sind auf dem Modell untergebracht. Eine wahre Meisterleistung, und diesem Modellbauer muss man einfach Respekt zollen, was aber die Leistungen der übrigen Kollegen keineswegs schmälern soll.
Auf meinem Rundgang fielen mir noch weitere hervorragend gebaute Exponate auf, wie die „Scharnhorst“ und die „Prinz Eugen“ von Hans Klose, ebenfalls wahre Meisterwerke, oder die „Robert E. Lee“ von Helmut Koke aus Leverkusen. Jeder Modellbauer hat seinen Teil dazu beigetragen; mitunter zwar eine etwas verwirrende, da nicht unbedingt chronologische Aneinanderreihung, aber irgendwie erfrischend chaotisch. Da tummelt sich eine komplette Flotte in 1:1.250 neben Walfangknochen, ein wunderschönes Modell der „Preußen“ steht in Nachbarschaft zu einem Diorama von Wilhelmshaven, und über allem thronen Teddybären, die es sich in der Kabine eines alten Seglers namens „Ashanti“ bequem machen. Auf dem Freigelände findet sich auch ein altes Rettungsboot der „Ashanti“, nebst einem ehemaligen Rettungsboot der DGzRS, und die Fachleute mögen es mir verzeihen, wenn ich nicht definieren kann, welches Boot von welchem Typ dies denn ist.
Einmal im Jahr wird das Areal nämlich auch von den Modellbau-Fachleuten „heimgesucht“, dann findet auf dem Gelände des Museums die „Große Flottenparade“ statt, der „Westfalentreff für fahrende Modellschiffe“. Zirka 300 Modellbauer mit bis zu 400 Schiffsmodellen führen dann ihre jeweiligen Schmuckstücke auf dem Dortmund-Ems-Kanal vor, mitunter in unmittelbarer Nachbarschaft zu den großen Vorbildern in 1:1; auch die sonst leider recht verpönten Verbrenner sind hier immer gerne willkommen und keinen Einschränkungen unterworfen.