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Das „Independence Seaport Museum“

... in Philadelphia/USA

 

Auf dem Deck der Olympia.

Eine Dame im Alter von 109 Jahren und noch so „rüstig“? Wo gibt’s denn so was? Nun, in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania/USA. Nach meinem Besuch auf der „Intrepid“ in New York („ModellWerft“ 6/2001) galt mein Interesse einem Schiff aus einer Zeit, als die meisten unserer Großväter noch nicht einmal geboren waren. Die USS „Olympia“ repräsentiert die Anfänge der USA als einer maritimen Supermacht.

Flaggschiff „Olympia“

Nach dem verheerenden Sezessionskrieg (1861–1865) entwickelten sich die amerikanischen Bundesstaaten zu einer aufstrebenden Wirtschaftsnation. Die ungeheure Länge ihrer Küsten und die Durchsetzung US-amerikanischer Interessen in der Karibik und in Mittelamerika verlangten nach einer schlagkräftigen Hochseeflotte. So entstand eine moderne Marine, gut ausgebildet und mit neuester Technik ausgerüstet. Der Kauf von Alaska 1867, die Errichtung der Marinebasis Pearl Harbor auf Hawai und ähnliche Aktionen riefen aber nicht nur Freude und Bewunderung bei anderen Seefahrtnationen hervor. Zum Konflikt mit Spanien kam es, als die USA den Kubanern dabei „helfen“ wollten, die Insel vom „spanischen Joch“ zu befreien. Das Panzerschiff „Maine“ wurde nach Havanna entsandt. Am15. Februar 1898 explodierte es, vermutlich durch unbeständiges Pulver, an seinem Liegeplatz – die genaue Ursache konnte nie zweifelsfrei geklärt werden. Die USA verdächtigten die Spanier der Sabotage und erklärten ihnen im April den Krieg. Dabei ging es auch um Besitzungen in Westindien und auf den Philippinen. Die Flotte Spaniens war zu diesem Zeitpunkt total veraltet und in einem desolaten Zustand. Am 1. Mai 1898 stand das Ostasiengeschwader mit dem Flaggschiff „Olympia“ vor Manila. Im Morgengrauen lief Commodore Dewey mit den Schiffen „Olympia“, „Baltimore“, „Boston“ und „Reileigh“ in geschlossener Kiellinie in die Bucht von Manila ein und eröffnete aus 6.000 m das Feuer. Nach rund zwei Stunden waren alle spanischen Schiffe versenkt, verbrannt oder auf den Strand gesetzt.

 


Ein Jahrhundert „Olympia“

In den Jahren nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg gab es für die „Olympia“ eine Reihe von Aufgaben. Sie operierte in den Gewässern vor Panama, der Dominikanischen Republik und vor der Türkei, um amerikanische Interessen zu wahren und US-Bürger zu schützen. Noch kurz vor 1914 fand sie als Ausbildungseinheit für die „United States Naval Academy“Verwendung. Mit Ausbruch des I. Weltkriegs wurde die „Olympia“ der „United States Patrol Force“ (Geleitschutz) unterstellt und eskortierte alliierte Schiffe über den Nordatlantik bis hinauf nach Murmansk in Russland. Ab Dezember 1918 tat die „Olympia“ Dienst als „Botschafter Amerikas“ im Mittelmeer. Sie war das Flaggschiff der U.S. Naval Forces im östlichen Mittelmeer.
Heute liegt die „Olympia“ friedlich am Delaware River im Hafen von Philadelphia als Hauptattraktion des „Independence Seaport Museum“– ein würdiger Liegeplatz für eine solch „alte Dame“, wurde in der Nähe doch am 4. Juli 1776 die amerikanische Unabhängigkeit (Independence Day) ausgerufen.
Der VTH bietet von der „Olympia“ einen Bauplan im Maßstab 1:100 an (Bestellnummer 3216373).

U-Boot „Becuna“ (SS-319)


SS-319 „Becuna“.
 

 

Direkt neben der „Olympia“ kann ein weiteres Schiff innen wie außen besichtigt werden, das Unterseeboot „Becuna“ des Typs Balao (SS steht für dieselelektrisches Unterseeboot). Von der Balao-Klasse, einer Weiterentwicklung der bekannten Gato-Klasse, wurden 132 Stück gebaut. Sie besaß einen gegenüber dem Typ Gato verstärkten Bootskörper, der den Booten eine Tauchtiefe von 122 m gestattete. Bedingt durch die großen Entfernungen, die amerikanische U-Boote zu ihren Operationsgebieten zurücklegen mussten, war dieser Bootstyp für eine Reichweite von 13.000 sm bei 14 kn aufgetauchter Fahrt ausgelegt.
Am 27 Mai 1944 wurde die „Becuna“ zur Südwest-Pazifik-Flotte unter General Douglas Mac Arthur kommandiert. Unter der Leitung von Commander H. D. Sturr versenkte das U-Boot zwischen den Philippinen, Java und China japanische Schiffe und wurde für seinen gefährlichen Einsatz ausgezeichnet. Zwischen 1949 und1951 gehörte die „Becuna“ zur Atlantikflotte und kam zu zwei Einsätzen bei der sechsten Flotte im Mittelmeer. Danach wurde die „Becuna“ wie viele andere ihrer Schwesterschiffe modernisiert. Zweck dieser als Guppy-1A-Umbau bekannt gewordenen Maßnahme war hauptsächlich die Verbesserung der Stromlinienform, zum einen um die Unterwassergeschwindigkeit zu erhöhen, zum anderen um den verräterischen Geräuschpegel bei Tauchfahrt zu reduzieren. Bei dieser Gelegenheit erhielten die Boote ein Schnorchelsystem, das auch unter Wasser den Einsatz der Dieselmotoren erlaubte. Das Bordgeschütz wurde entfernt, der Turmaufbau abgeändert, und neue, leistungsfähigere Batterien wurden eingebaut. Eine wesentliche Kampfwertsteigerung in punkto Geschwindigkeit und Reichweite war das Ergebnis. Am Ende ihrer Laufbahn diente die „Becuna“ noch als Übungs-U-Boot in New London, Connecticut.

Für Interessierte hier die Anschrift des Museums:
Independence Seaport Museum,
211 South Columbus Boulevard & Walnut Street, Penn’s Landing, Philadelphia, PA 19106-3199, USA

Achim Nied