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Das deutsche Jet-Team im Interview

 

Interview mit Thomas Höchsmann

FMT: „Thomas, du bist mit einem neuen Modell angetreten und hast den großen Aufwand eines Eigenbaus in Kauf genommen, um nach Möglichkeit auch mit Bonuspunkten in den Wettbewerb zu gehen. Wie beurteilst du jetzt den Wettbewerbsverlauf?“

Thomas Höchsmann: „Zum einen wollte ich ohnehin ein Scale-Modell anbieten (Anm. d. Red.: Thomas Höchsmann ist Inhaber der Firma Tomahawk Design) können, zum anderen kam im Januar die Regeländerung mit dem Bonuspunktesystem. Der Wettbewerbsverlauf war natürlich nicht optimal. Die Baudokumentation konnte ich daheim erst machen, als das Modell schon unterwegs war. Ohne Modell ist es schwierig eine gescheite Baudokumentation zu machen, da ich die ausgewählten Fotos nicht noch mal mit dem Modell vergleichen konnte. Daher bin ich eigentlich mit der Baubewertung recht zufrieden. Mit den Flügen kann ich natürlich nicht zufrieden sein, weil die ersten zwei Durchgänge eigentlich für den Mülleimer waren.“

 

FMT: „Die Enttäuschung ist jetzt natürlich groß. Wirst du trotzdem im August um die erneute Qualifikation kämpfen und in zwei Jahren wieder mit an den Start gehen?“

Thomas Höchsmann: „Ja, das stimmt. Nachdem im zweiten Durchgang das Rad abgefallen ist, war ich sehr enttäuscht. Plötzlich schienen die letzten acht Monate vergeblich gewesen zu sein. Im ersten Moment dachte ich, wie blöd muss man eigentlich sein, das alles auf sich zu nehmen und die Familie acht Monate zu vernachlässigen, um dann hier zu sitzen und so Schiffbruch zu erleiden? Aber ein paar Tage später hat sich meine Stimmung wieder gebessert. Ich werde Ende August nach Herrieden gehen und für die Quali 2011 fliegen. Wenn ich mich qualifizieren kann, werde ich 2011 in den USA antreten.“

 

FMT: „Wie bist du ansonsten mit den äußeren Bedingungen hier zurechtgekommen, unabhängig davon, dass du aufgrund der technischen Probleme zwei Flugdurchgänge nicht beenden konntest?“

Thomas Höchsmann: „Als wir am Montag hier ankamen, da war es schon dunkel. Als wir aus dem Bus ausgestiegen sind, habe ich gedacht: wenn es dunkel ist und immer noch so heiß, dann halte ich das hier unmöglich zwölf Tage aus. Das hat sich dann aber von Tag zu Tag gebessert. Und eigentlich bin ich dann ganz gut zurechtgekommen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Region am Toten Meer nicht den optimale Platz ist, um eine Weltmeisterschaft zu machen – was nach meiner Meinung sich auch in der Teilnehmerzahl widerspiegelt. Vielleicht war es die politische Situation, das Wetter, vielleicht auch die Kosten, die viele gescheut haben. Aber ich denke prinzipiell wäre ein etwas milderes Klima schon sinnvoller für die Zukunft.“

 

FMT: „Wie bewertest du den Wettbewerb, angesichts der Tatsache, dass wir nur 25 Teilnehmer hatten? Was denkst du zur Zukunft der Jet-WM?“

Thomas Höchsmann: „Also richtiges Wettbewerbsflair habe ich hier eigentlich nur einmal gespürt und das war im letzten Durchgang, als die letzten fünf Starter geflogen sind. Da hat man das Besondere, das den Wettbewerb eigentlich ausmacht oder ausmachen sollte, ein bisschen gespürt. Sonst war es eher sehr gestreckt auf eine zu lange Zeit. Schade, dass so wenige Teilnehmer dabei waren. Prinzipiell denke ich, dass die 13,5-kg-Klasse mit Sicherheit viel Potential hat. Und wenn dort die Konkurrenz groß genug ist, kann ich mir auch vorstellen, dass das für viele gute Piloten interessant sein wird. Wenn man diese Klasse vielleicht irgendwie puscht, wenn Modelle verschiedener Hersteller verfügbar sind, vielleicht das Bonuspunktesystem noch einmal neu überdenkt, denke ich, wird die kleine Klasse mit Sicherheit Zukunft haben. Und ansonsten würde ich mir für 2011 wünschen, dass die Teilnehmerzahl wieder deutlich über 50 liegt.“

 

FMT: „Du hast gerade die Bonuspunkte angesprochen. Was denkst du zu dieser Regelung? Ist sie aus deiner Sicht sinnvoll und soll sie beibehalten werden?“

Thomas Höchsmann: „Da gibt es sicher Pro und Contra. Allein die Eigenbau-Regelung, wo laut Ausschreibung mindestens 50% selbst gebaut werden müssen: ich kann für mich sagen, dass ich in den letzten acht Monaten täglich in meiner Freizeit am Modell gearbeitet habe. Und ich möchte nicht sagen, dass das bei den anderen nicht so war. Fakt ist, es lässt sich für den Veranstalter oder für die Wettbewerbsleitung nicht richtig nachvollziehen, denn Fotos sind immer nur Momentaufnahmen und die sagen nicht, wie intensiv wirklich am Modell gearbeitet wurde. Und ich denke, bei dem hohen Aufwand wird die Eigenbau-Regelung auch nicht von vielen Teilnehmern in Anspruch genommen. Besser wäre es, die Klassen für die breite Masse attraktiver zu gestalten. Nachwuchs zu bekommen ist eh schwer, denn wie viele Jugendliche oder junge Piloten im Alter von 20 bis 30 tun es sich wirklich an, Nieten zu zählen? Wenn Sie dann aber wirklich den Aufwand auf sich nehmen, ein Scale-Modell zu bauen, und dann noch wissen, es sollte möglichst ein Eigenbau sein, um Bonuspunkte zu erhalten, dann wird es vielleicht noch unattraktiver. Und die Bonuspunkte auf das Baujahr sind nach meiner Meinung falsch. Modelle wie die Hawker Hunter oder die F-86, erhalten momentan aufgrund des frühen Baujahrs viele Bonuspunkte. Sie sind fliegerisch für das Programm aber eigentlich besser geeignet, als so mancher Jet der Neuzeit, der keine Bonuspunkte erhält und für das Programm mit Sicherheit schlechtere Flugeigenschaften aufweist. Diese Regel hat vielleicht ein bisschen das Ziel verfehlt, damit die Modellvielfalt zu steigern.“

 

Teil 4 - Interview mit Matthias Hocke