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Eiszeit und Turbinenhitze

12. Heilbronner RC-Powerboat-Treffen

von Karl-Friedrich. Kaupert

Schon zu Jahresbeginn wurde der Termin für das 12. RC-Powerboat-Treffen in Heilbronn vom MSC-Hansa e.V. bekannt gegeben. Es war das Wochenende vom 12. bis 13. Juli 2008 welches der neue Vorstand des MSC Hansa verkündete. Kurz nach der Terminveröffentlichung im RC-Powerboat-Forum wurde der Wunsch geäußert, ob nicht die Möglichkeit bestehe schon am Mittwoch anzureisen. Martin Damrath, der neue 1. Vorsitzenden des MSC-Hansa e.V., versprach zu prüfen ob dies möglich wäre. Die freudige Nachricht verkündete er dann schon nach einer Woche: Das Heilbronner RC-Powerboat-Treffen 2008 begann somit schon am Mittwochmittag und endete am Sonntag. Also reichlich Zeit zum Fahren.
Rechtzeitig wurde auf der Vereinshomepage des MSC-Hansa (www.msc-hansa.de) und im erwähnten Forum ein Platzreservierungsplan veröffentlicht. So bestand die Möglichkeit für jeden Teilnehmer mit Abgabe der Nennung und Überweisung des entsprechenden Geldbetrages sich eine oder mehrere Parzellen zu reservieren. Für die zu erwartenden Händler war schon von vornherein ein entsprechender ausreichender Platz vorgesehen. Selbstverständlich war auch noch für die Kurzentschlossen genügend Platz vorhanden.
Die viereinhalb Tage luden natürlich schon zu einem kleinen Kurzurlaub mit der ganzen Familie ein. So war es nicht verwunderlich das schon am Mittwoch viele der Teilnehmer mit ihren Zelten bzw. Wohnwagen und -mobilen die Wiese vor dem Clubheim bevölkerten. Über 150 Teilnehmer waren es dieses Jahr, wobei aber letztendlich nur ca. 70 Fahrer sich am Samstag in die Fahrernennliste eintrugen. Die Teilnehmer, sei es passiv oder aktiv kamen aus Österreich, der Schweiz, Frankreich und natürlich auch aus Holland. Sogar zwei Teilnehmer aus England hatten die doch recht lange Anreise auf sich genommen um dieses Treffen live mit zu erleben. Die passiven Teilnehmer kommen mit ihren Booten um sie nur auszustellen, gemütlich mit Gleichgesinnten zu plaudern und das ein oder andere Bierchen bzw. Cocktail an der Zeni-Bar zu trinken, wie natürlich alle anderen Teilnehmer auch. Letztendlich dient ein solches Treffen dazu neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Freundschaften zu pflegen.
Dass das Heilbronner Powerboat-Treffen als Saison-Highlight angesehen werden kann, wird zum einen von der enormen Vielfalt der anzutreffenden Boot belegt und zum anderen, dass dort alle namhaften Powerboathersteller und -händler mit ihren umfangreichen Programm anwesend sind. Somit konnte sich jeder vor Ort mit dem benötigten Equipment versorgen.
Traditionell waren das sonntägliche kostenfreie Frühstücksbuffet und das Wetter. Heilbronn ohne einen entsprechenden Regenschauer gibt es einfach nicht. An dieser Stelle möchte ich der ganzen Küchen- und Zeni-Bar-Crew sowie den Verantwortlichen des MSC-Hansa e.V. für Ihre perfekte und reibungslose Arbeit ein Dankeschön aussprechen.
Zwei Aktionen dürfen nicht unerwähnt bleiben. Am Freitagabend wurde eine Anzahl Getränke kostenfrei abgegeben. Das notwendige Geld hierfür wurde durch ein Losverkauf für die Verlosung eines neuen Zenoah 260 PUM erwirtschaftet. Der Motor wurde von dem Online-Magazin www.modelgasboats.com zu Verfügung gestellt. André Abtmeyer, Mitarbeiter des Online-Magazins, übernahm den Verkauf der Lose sowie die Durchführung der Verlosung und die Übergabe des Motors.
Die zweite Aktion hatte ihre Wurzeln im letztjährigen Treffen. Dort nutzte ein fahrender Eisverkäufer das hochsommerliche Wetter aus um sein Speiseeis zu verkaufen – garniert mit einer heftigen Preiserhöhung. Kostete eine Eiskugel am Samstag noch 60 Cent, so war es am Sonntag schon 1 Euro. Für Thomas Hasenbein und einige weitere aktive Teilnehmer war das des Guten zu viel und es wurde die „Eis-Zeit Heilbronn 2008“ ins Leben gerufen. Dank seines Organisationstalents und seiner Mitstreiter konnte er insgesamt 644 Portionen Eis an Zuschauer und Teilnehmer kostenfrei ausgegeben. Natürlich kam auch der Eisverkäufer vom letzten Jahr wieder und Thomas Hasenbein hat mit sachlichen Argumenten (Beweisfoto und Frei-Eis) ihn unmissverständlich darauf hingewiesen das er an diesem Wochenende auf dem RC-Powerboat-Treffen nur sehr wenig Eis verkaufen würde.

Die zwei Turbinen im Cat von Norbert Blattner...
...und so wirken sie
Die von JetCat angebotenen SPM5 2-Wellen-Turbine
Christian Tonns neustes Hydro ebenfalls mit einer SPM5 ausgestattet.
Thomas Hasenbein bei der Eisausgabe – eine gelungene Aktion gegen Preistreiberei
1:8er Hydro mit 15er Glühzündermotor

Und was gab es zu sehen?

Jeder RC-Powerboat-Begeisterte konnte auf dem 12. Heilbronner Treffen die ganze Vielfalt dieser Sparte sehen. Ob Mono, Katamaran oder Hydroplane– alle waren sie in den unterschiedlichsten Größen zu bestaunen. So war vom kleinen 50 cm Elektro-Boot bis hin zum 2,50 m langen Monoboot mit Cart-Motor alles vertreten. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass immer mehr Wert auf einen perfekten Aufbau gelegt wird. Dies bezieht sich vor allem auf die Lackierungen, die denen Original-Boote entsprechen.
Zweifelsfrei sind die 26-cm3-Zenoah- und Chung-Yang-Benzinmotoren immer noch die am meisten eingesetzten bei den verbrennerangetriebenen RC-Powerboats. Egal ob als Einzel- oder als Doppel-Antrieb oder als mehrfach in Reihe gekoppelte Motoren. Sie sind universal einsetzbare Antriebsmotoren mit ausreichender Leistung, leichten Handling und der notwendigen Robustheit. Andere Motorenmarken wie Mathe mit 35 cm3, Polini mit 50 cm3 oder auch Blata mit seinen 39 cm3 waren nur vereinzelt zu sehen.
Im Gegensatz dazu waren die klassischen Marine-Glühzündermotoren mit einem Hubraum von 15 cm3 wieder stärker vertreten. Sie wurden hauptsächlich in den 1:8er-Hydroplanes eingesetzt. Dieser Rumpftyp ist durch seine schlanke Mittelrumpfkonstruktion und die daraus resultierenden beengten Einbauverhältnissen prädestiniert für diese Glühzündermotoren. Allerdings sind solche speziellen Marine-Glühzündermotoren nicht gerade für einen RC-Powerboat-Einsteiger geeignet. Es bedarf schon einer gewisse Erfahrung um sie so einzustellen das sie unproblematisch laufen.
Highlight des Heilbronner RC-Powerboat-Treffen 2008 waren unbestritten die Turbinenboote. Circa ein Dutzend dieser Boote unterschiedlicher Rumpftypen war anwesend. Zum Einsatz gelangte die SPM-5-Turbine von JetCat. Eine Zweiwellen-Turbine die ganz speziell für den Modellbooteinsatz entwickelt wurde. Christian Tonn und Christoph Metzger waren maßgeblich an der doch recht zügigen Entwicklung beteiligt. Nach eineinhalb Jahren des Testens und Optimierens steht heute eine serienreife Marine-Turbine zu Verfügung. Hier in Heilbronn konnte man die Leistungsfähigkeit und die Zuverlässigkeit dieser SPM5-Turbine live verfolgen. So wurden neben mehreren 1:6er Hydroplans (ebenfalls von Christian Tonn und Christoph Metzger entwickelt), auch in drei Cats wie auch in drei Monobooten eingebaut und vorgeführt. Bei den Turbinen-Hydros könnte man sagen „originalgetreuer geht es nicht“. Sound, Lackierung, Rumpf, und das typische Hydro-Fahrverhalten stimmte einfach mit den original Unlimited-Hydroplanes überein.
Heraus ragte allerdings der 2,33-m-Cat von Norbert Blattner. Hier waren gleich zwei dieser Turbinen eingebaut und seine Fahrvorführung zeigte, wie agil und mit welcher Leistungsentfaltung die Turbinen arbeiteten. Allerdings machten sich die gleichläufigen drehenden Propellern in der Beschleunigungsphase bemerkbar. Das notwendige rechtsdrehende Getriebe war zum Treffen noch nicht rechtzeitig fertig geworden. Mit diesem Getriebe und den richtigen Propellern wird man wohl spätestens nächstes Jahr die wahre Leistungsentfaltung erleben können.
Des Weiteren wurde auch jene Frage „was passiert wenn das Boot sich überschlägt und die Turbine mir Wasser geflutet wird?“ beantwortet. Auf dem diesjährigen Treffen konnte man sehen was mit der Turbine passiert wenn das Boot innerhalb einer Bootslänge von Topspeed auf Null abgebremst wird und dabei noch eine ausreichende Tauchphase zurücklegt. Es schein so zu sein, dass die Turbine auch die Robustheit besitzt, um auch nach einem solchen Überschlag und der damit verbundenen schnellen Abkühlung wieder in Betrieb genommen werden zu können.
Die Leistungsentwicklung bei den E-Antrieben, vor allem in Verbindung mit Brushless-Motoren und den immer leistungsfähigeren LiPo-Akkuzellen, explodiert geradezu. So sind E-Antriebe mit entsprechenden Komponenten den Kolbentriebwerken in ihrer erreichten Leistung überlegen, gleichgültig um welche Rumpfgröße es sich handelt.
Heilbronn ist einfach, ob als Zuschauer oder als Teilnehmer immer eine Reise wert. Nicht zu letzt durch die immer wieder besonderen Highlights und auch die Vielzahl der Boote gepaart mit der gewohnten Souveränität und Übersicht mit der die Verantwortlichen dieses Treffen durchführten ist und bleibt das Heilbronner RC-Powerboat-Treffen ein Saison-Highlight.

Start eines K80-Motors in einem 1:8er Hydro...
...und der Einsatz auf dem Wasser
Präzises Einparken
Eine MHZ-Neuheit: Die Kiton ein P1-Class Offshore Scale Nachbau. Auch hier arbeitete eine Turbine mit Verteilergetriebe im Inneren (Foto: Marcello Guillerno, www.rcpowerboat.de)
Auslaufen auf den Kurs (Foto: Marcello Guillerno, www.rcpowerboat.de)
(Foto: Marcello Guillerno, www.rcpowerboat.de)
(Foto: Marcello Guillerno, www.rcpowerboat.de)