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Wettkampf der Perfektion

Deutsche Meisterschaft der F- und C-Klassen in Hildesheim

von Oliver Bothmann

Citius, altius, fortius – schneller, höher, stärker! Dies ist das klassische Motto der Olympischen Spiele. Doch während in Peking noch die Athleten aus aller Welt um Medaillen kämpften, ging es in Hildesheim vom 22. bis zum 24. August nach dem Motto „genauer, exakter, perfekter“ um den Deutschen Meistertitel in den verschiedenen Schiffsmodellbauklassen.

Wolfgang Horbens bei einem seiner Wertungsläufe mit dem Modell des Feuerlöschbootes FLB 40 in der Klasse F7...
...welches ihm den Deutschen Meistertitel und die Qualifikation zur WM brachte
Genau hingeschaut wurde bei den Baubewertungen in den C- und F-Klassen
Boxenstopp beim FLB 40 von Wolfgang Horbens

In den C-Klassen für Standmodelle und den F-Klassen für Funktionsmodelle war Genauigkeit angesagt. Die Schiedsrichter achteten auf jedes Detail bei der Baubewertung und bei den Modellen mit einer Fahrwertung galt es natürlich den Parcours genauso exakt zu durchfahren.
Insgesamt traten in den 17 Klassen 85 Erwachsene und 12 Jugendliche mit zusammen 150 Modellen zum Wettkampf an. Eine recht stattliche Zahl, die auch durch die gute Organisation zu erklären war. Und das war nicht selbstverständlich, denn eigentlich sollte die DM in Nürnberg stattfinden. Nachdem sich aber dort Schwierigkeiten bei der Durchführung ergaben, waren die beiden Vereine HMSB Hannover-Misburg e.V. und der Verein Hildesheimer Schiffsmodellbauer VHS in die Bresche gesprungen. Hans-Jürgen Borchers hatte schon mehrfach die Organisation der Anmeldung etc. bei großen Wettbewerben durchgeführt und sich daher dieses Parts angenommen. Die Mitglieder beider Vereine halfen schließlich mit, um das große Ganze zu einem Erfolg werden zu lassen.

Großer Mann mit kleinem Schiff: Bernhard Osthoff mit seiner SMS König in der Klasse F4c beim Dockmanöver
Auf geht’s auf den Kurs: Dampfer Schwan von Eberhard Türck unterwegs (Klasse F2a)
HMS Zulu von Daniel Gayko flott unterwegs auf dem Kurs
USS Saucy von Lutz Meißner beim Dockmanöver
Hans-Jürgen Borchers war nicht nur einer der Organisatoren, sondern hat auch noch mit seinem Modell am Wettbewerb der Klasse F4b teilgenommen – und gewonnen

Ein weiterer Grund für die recht große Teilnehmerzahl war in den Aussichten zu finden, die bei einer guten Platzierung lockten. Im nächsten Jahr wird vom 31. Juli bis zum 8. August die Weltmeisterschaft des Schiffsmodellbaus in Pirna beim MSV Sächsische Schweiz e.V. stattfinden. Die ersten fünf einer jeden Klasse der DM qualifizieren sich für diese WM und können dort dann Deutschland und den Dachverband Nauticus e.V. vertreten – sicherlich ein guter Grund, ehrgeizig zu sein. Die Ausrichtung in Deutschland ermöglicht es vielen Modellbauern erst, überhaupt an eine Teilnahme an der WM zu denken. Denn im Gegensatz zu den meisten Sportlern müssen sie Anreise, Unterkunft und Verpflegung während der Teilnahme an einer Meisterschaft selbst tragen – Sponsoren finden sich dafür kaum.
So war es nicht verwunderlich, dass es heiße, aber dabei immer faire Wettkämpfe gab und die Ergebnisse zum Teil extrem eng waren. Insbesondere die Klasse F4b, in der mit Baukastenmodellen gegeneinander in Bau- und Fahrwertung angetreten wird, hatte eine extrem dichte Spitze zu vermelden: Den Deutschen Meister trennten dabei vom Fünftplatzierten nach Baubewertung und drei Fahrläufen (von denen nur die besten beiden gewertet werden) gerade einmal ein Punkt. Der sechste mit einem Abstand von gerade einmal 0,33 Punkten darf dagegen nicht mit zur WM. Besonders in dieser Klasse war es spannend zu beobachten, welche hervorragend gebauten Modelle zu sehen sind, die zum Teil auch aus ungewöhnlichen Bausätzen aus dem Ausland entstanden sind. Als Zuschauer ist man da manchmal froh, nicht die Bauqualität bewerten zu müssen.
Wobei auch das Schiedsrichten viel Spaß machen muss, denn die Schiedsrichter waren allzeit guter Dinge und Hans-Jürgen Borchers tat sich sogar eine Dreifachbelastung an: Als Organisator, Teilnehmer und Schiedsrichter war er die ganze Zeit über gut beschäftigt – und wurde Deutscher Meister in F4B. Kein Wunder also, dass gerade er die Zusammenarbeit aller, ob Organisatoren, Schiedsrichter oder Teilnehmer lobte: „Alles funktioniert perfekt, die Absprachen klappen, Kanaldoppelbelegungen gibt es nicht. Und dank der guten EDV-Arbeit durch Erich Fehse können wir die Ergebnisse topaktuell den Teilnehmern anbieten.“
Die Deutsche Meisterschaft in Hildesheim war auf jeden Fall eine gelungene Veranstaltung und wir können gespannt sein, wie die deutschen Teilnehmer auf der WM im nächsten Jahr abschneiden – und sollten immer an das zweite olympische Motto denken: „Dabei sein ist alles!“

 

Bei dem recht windigen Wetter in Hildesheim hatten vor allem windanfällige Modelle einige Probleme, wie hier der Krabbenkutter TÖN 96 von Florian Lemke in der Klasse F4b Junioren
Der Schlepper Maquereau, das neue Modell von Roland Dressel, bei der Fahrwertung der Dampfschiffe
Manchmal kam es trotz niedriger Temperaturen im Freibad Müggelsee zu Begegnungen von Schwimmern und Modellen. Hier mit der Atair von Klaus Kolb
Details wie am Standmodell: das Modell der Nastoychivy im Maßstab 1:200 von Peter Sager Deutscher Meister in der Klasse F4c (unter anderem)
Vera und Karl-Heinz Bode vom Müggelsee haben ein Herz für Schiffsmodellbauer

Ein Herz für Schiffsmodellbauer

Ein Punkt, den man bei der DM immer wieder hörte, war die Begeisterung der Modellbauer für den Einsatz der Besitzer des Geländes auf dem die Meisterschaft stattfand. Vera und Karl-Heinz Bode mit ihrer Familie und Helfern waren immer ansprechbar für Wünsche der Modellbauer.
Der Kontakt zwischen den Hildesheimer Schiffsmodellbauern und den Bodes besteht schon lange und einige Veranstaltungen wurden auf dem wunderschön angelegten Gelände durchgeführt. Schließlich sagt Karl-Heinz Bode von sich: „Ich bin von dem Hobby begeistert – habe aber leider keine Zeit, selbst so etwas zu bauen.“ Auf jeden Fall sind auch außerhalb von Veranstaltungen auf dem Campingplatz für Durchgangscamper Schiffsmodellbauer willkommen und können – natürlich nach Absprache mit Herrn Bode und seinem Team – Schiffsmodelle auf dem See fahren lassen.
Das Wetter war während der DM reichlich wechselhaft und zweimal mussten die Läufe sogar unterbrochen werden. Doch was wäre gewesen, wenn die Sonne vom Himmel gebrannt hätte und die Badegäste nur so auf die Anlage geströmt wären? „Das hätten wir auch unter einen Hut gebracht. Zur Not wäre ein Teil des Sees für die Badegäste abgesperrt worden, so dass die Modellbauer nicht gestört worden wären.“ so Karl-Heinz Bode. So viel Entgegenkommen gibt es für Schiffsmodellbauer nur selten.
Weitere Infos über das Gelände in Hildesheim unter www.mueggelseehi.de

 

Ein Brite startet für Deutschland

Die Praxis im Sport gute Athleten aus dem Ausland zu verpflichten scheint auch im Schiffsmodellbau Einzug zu halten – aber im Ernst: Glücklicherweise starten Schiffsmodellbauer für das Land in dem sie wohnen und nicht aus dem sie stammen. So kommt es, dass Colin East, in Großbritannien geboren, Deutschland schon auf zahlreichen Meisterschaften vertreten hat. Und dabei ist es mehr einem Zufall zu verdanken, dass er überhaupt zum Schiffsmodellbau gekommen ist, denn eigentlich war er Modellflieger. Aber da er während seiner 18 Jahre beim britischen Militär – zehn davon in Deutschland stationiert – oft versetzt wurde, ging bei den Umzügen an seinen Flugmodellen ständig etwas zu Bruch. Schiffsmodelle erwiesen sich da als widerstandsfähiger und so wechselte er auf das Wasser.Weil er sich von Zeit zu Zeit bei Wettbewerben über die Schiedsrichter ärgerte, tat er, was das Sinnvollste ist: er legte selbst die Schiedsrichterprüfung ab und ist nun nicht mehr nur als Teilnehmer vertreten. In Hildesheim tat er (außer bei seinen eigenen Läufen in F4b) an der zweiten Startstelle Dienst und schiedsrichtete unermüdlich.In Deutschland „hängengeblieben“ ist er dann aus einem guten Grund: seiner Frau. Und deshalb wird er auch zukünftig Deutschland auf Meisterschaften vertreten. Beim nächsten Mal auf der WM in Pirna mit seinem neuen Modell des Tankers Lis Terkol, über das Sie in Kürze einen Beitrag in der MODELLWERFT lesen werden.

 

Colin East (weißes Shirt) startet mit seinem neuen Modell des Tankers Lis Terkol in der Klasse F4b und hat sich bei der DM mit seinem zweiten Platz für die Weltmeisterschaft qualifiziert

Hier finden Sie die kompletten Ergebnisse der Deutschen Meisterschaft im Schiffsmodellbau 2008 in Hildesheim