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4. Lunzer Modellsporttage

von Robert Kröss

„War das Wetter in Lunz schön?“ – „Ja, auch.“ So oder ähnlich könnte ein typsicher Dialog über die „Lunzer Modellsporttage“ lauten, die am 29. und 30.08.2008 mittlerweile zum vierten Mal in der Gemeinde Lunz am See in Niederösterreich stattgefunden haben. Wie auch die Jahre davor, veranstalten wir (die Interessensgemeinschaft www.rc-boote.at) das Treffen immer am letzten Wochenende vor Schulbeginn.
Die Marktgemeine Lunz liegt inmitten des Ybbstals auf 600 m Seehöhe und ist vor allem im Winter dafür bekannt, manchmal Kältepol Österreichs zu sein. Aufgrund der wunderschönen Berge, die den See einsäumen, bleibt auch im Sommer gerne die eine oder andere Wolke hängen.
Die „Lunzer Modellsporttage“ wurden als Bootsveranstaltung konzipiert, wobei wir den Begriff „Boot“ oder „Schiff“ von Anfang an sehr weit gefasst haben (und deshalb im Titel der Veranstaltung außen vor gelassen haben): Alles was am, im, unter oder über dem Wasser fährt, fliegt und schwimmt ist willkommen. Sprich: Vom Segelboot über Rennboote zu den Funktionsmodellen, U-Boote, Wasserflugzeuge, Hovercrafts u.s.w. sind alle Modelle willkommen. Und wenn ein Kapitän seinen Helikopter oder seinen Truck mitgebracht hat, darf dieser natürlich auch ausgestellt und – wie bei allen Veranstaltungen dieser Art üblich – nach Anmeldung des Senders auch in Betrieb genommen werden.
Diese Offenheit hat von Anfang an dafür gesorgt, dass sich ein breites Spektrum von Interessierten eingefunden hat – sowohl auf der Fahrer-, als auch auf der Besucherseite. In diesem Jahr wurden 79 gemeldete Fahrer registriert; zeitweise mussten über 100 Sendeanlagen bei der Frequenzkontrolle administriert werden, wobei man sagen muss, dass heuer der erste größere Schwung von 2,4 GhZ-Anlagen vorzufinden war – und viele Kapitäne angekündigt haben, sich für nächstes Jahr auch eine dieser neuen Anlagen zuzulegen. Die Handling-Vorteile dieser Anlagen finden sich auf beiden Seiten: Der Veranstalter muss weniger Sender verwalten und für den Fahrer gehört das lästige Anmelden des Senders inklusive der Wartezeiten, wenn der eigene Kanal belegt ist, endgültig der Vergangenheit an.
Der erste Tag (Freitag) war von wenig Sonne und viel Wind gezeichnet – ein Paradies für Segler, dafür mussten sich die Wasserflieger zurückhalten – und für die Rennboote waren die Verhältnisse für Rauhwasserrümpfe ideal; Katamarane kamen dann am zweiten Tag (Samstag) auf ihre Kosten. Auch zeigte sich am zweiten Tag ab der Mittagszeit die Sonne und schlagartig wurde es noch richtig heiß.

Heiß wurde es auch, als Christian Graf vom Powerbootclub Ebensee am Samstag mit seinem Katamaran (2×2280 Lehner) mit annähernd 140 km/h über das Wasser raste. Die Geschwindigkeit merkt man vor allem daran, dass der See – der mit ca. 600 m Breite hier doch einige Reserven bietet – kaum ausreicht, um den Katamaran voll auszufahren – das gegenüberliegende Ufer kommt verdammt schnell nahe. Leider waren auch immer wieder neugierige Menschen am Wasser, die das Geschehen aus – vom örtlichen Bootsverleih entliehenen – Elektrobooten beobachteten und dabei oft gefährlich nahe an das Fahrgeschehen herangekommen sind. Nur durch gutes Zureden via Megafon konnten sie davon überzeugt werden, sich wieder Richtung Mitte des Sees zu begeben – bis die nächste Welle von Schaulustigen da war. Nächstes Jahr werden wir hier wohl besser sichtbare Bojen setzen müssen.
Und wenn wir schon beim Klagen sind: Es ist für uns unverständlich, warum sämtliche von uns angeschriebenen und teilweise auch persönlich angesprochenen Modellbauhändler unser Angebot der kostenlosen Teilnahme ausgeschlagen haben (falls überhaupt eine Reaktion gekommen ist). Alleine was dieses Wochenende wieder an abgefackelten Reglern, verlorenen Wellen und Schiffschrauben zu sehen war, würde einen netten Umsatz für einen oder sogar mehrere Händler abgeben. Nicht zu vergessen, dass die eigentliche Zielgruppe der Modellbauer vor Ort in großer Zahl versammelt ist (wer kauft nicht gerne auf Vorrat, wenn die Gelegenheit und der Preis passt) – ganz zu schweigen von den ca. 500 Gästen, die sich das Geschehen aus der Nähe angesehen haben. Wir wurden mehrfach auf das Fehlen von Händlern angesprochen, mussten aber die Leute auf die bevorstehenden Messen verweisen. Vielleicht wird sich da ja nächstes Jahr etwas ändern? Jedenfalls haben im Rahmen des von uns organisierten Modellbau-Flohmarktes viele Modelle den Besitzer gewechselt.
Dieses Jahr sind wir erstmals davon abgewichen, zu versuchen den Tag in fixe Timeslots je Modellgattung zu unterteilen – sondern versuchten prinzipiell freies Fahren für alle zu ermöglichen – allerdings mit dem Setzen von Programmschwerpunkten (z.B. U-Boot-Vorführung oder Rennboot-Ausfahrt). Leider hat uns das wechselhafte Wetter einen Strich durch unsere eigentliche Planung gemacht (so macht z.B. eine Feuerlöschübung bei leichtem Nieselregen keinen Sinn). Also ging das Ganze dann irgendwie ohne großen Plan über die Bühne; wenn Schwerpunkte auf dem Programm standen, wurde dieser kurzfristig lautstark per Megafon im Seebad angekündigt.
Die Resonanz auf diese Veranstaltung war in den letzten Jahren enorm – was vermutlich daran liegt, dass wir eine gute Mischung aus „Veranstaltung für Fahrer“ und „Veranstaltung für Besucher“ gefunden haben – es ist dauernd etwas auf dem See oder in der Luft los, man sieht sich und trifft sich – und durch (für uns sehr zeitaufwendige) Maßnahmen wie z.B. die Organisation einer Tombola gibt es auch für Gelegenheitsbesucher Dinge, die zur Veranstaltung locken.
An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Sponsoren bedanken, die uns in den letzten Jahren tatkräftig mit Sachspenden für unsere Tombola unterstützt haben. Ohne dieser Unterstützung wäre die Ausrichtung einer derartigen Veranstaltung für eine Interessensgemeinschaft absolut unmöglich, da doch beachtliche Fixkosten z.B. für die Miete des Seebades inkl. Seebühne, Miete für Bänke oder unser Elektro-Bergeboot anfallen. Der Reinerlös der Veranstaltung wird übrigens seit dem ersten Jahr der Gemeinde Lunz im Rahmen einer feierlichen Übergabe am Ende der Veranstaltung für einen guten Zweck zur Verfügung gestellt.
Besonderer Dank gilt auch unserem diesjährigem Taucher, Reinhard Kopka, der mit einer Bergungsrate von 100% ein kleines Wunder vollbracht hat – unter den geborgenen Gegenständen fanden sich z.B. ein GPS-Gerät, ein liegengebliebenes U-Boot und ein Helikopter.
Abschließend freut es uns zu sagen, dass die Gattung „Modellbauer“ bei den Einheimischen mittlerweile sehr gerne gesehen wird – wir sind offenbar ein angenehmes Publikum (so wird z.B. das Seebad nach Benutzung aufgeräumt verlassen, was nach den Aussagen der Betreiber nicht der Standard sei) und der Verzehr in der lokalen Gastronomie bzw. die zusätzlichen Nächtigungen in Pensionen und Hotels sorgen für einen netten Umsatz am Ende der Badesaison. Somit partizipieren indirekt viele an dem Event, was – kombiniert mit den persönlichen Eigenschaften der Modellbauer – dafür sorgt, dass wir auch im Folgejahr wieder gerne willkommen sind.
Nächstes Jahr – am 28. und 29.08.2009 – werden die fünften Lunzer Modellsporttage stattfinden. Wir hoffen auf rege Teilnahme – vielleicht wird sich aufgrund dieses Artikels der eine oder andere nächstes Jahr bei uns einfinden. Details & Voranmeldung werden rechtzeitig auf www.rc-boote.at veröffentlicht.