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Ein Wochenende am Schäferhauser See

Ein besonderes Modell ist zweifellos der neue AHTS mit X-Bow von Ulstein
Der X-Bow-Bug des AHTS ist oberhalb der Wasserlinie nach hinten geneigt und hat keinen Wulst. Die Modellversuche haben gezeigt, dass er einen geringeren Widerstand aufweist als ein konventioneller Wulstbug

von Manfred Hanke

Es war ein Wochenende im September, als, nach sorgfältiger Planung und Vorbereitung, der SMC Wendlingen zum ersten Wendlinger Schleppertreffen einlud. Dieses Treffen fand an einem Samstag statt und am darauf folgenden Sonntag hatte sich die mini-sail e.V zu ihrem traditionellen Herbsttreffen angemeldet. Nach einer langen Schönwetterperiode hatte der Wettergott an diesem Samstag ein Einsehen mit der ausgetrockneten Natur und gab dem Boden reichlich Wasser, auf dass die Bauern glücklich werden. Darunter litten natürlich andere Minderheiten. So zum Beispiel die Schiffsmodellbauer, die gerne auf ihrem Gewässer fahren. Nichts desto trotz kamen fünf wetterfeste Kapitäne aus der Umgebung, um etwas Schlepperballett zu fahren und einen schönen Tag zu verleben. Hauptzweck der Veranstaltung war neben einer Jungfernfahrt auch ein Wettpullen, um den jeweiligen Pfahlzug der Schlepper zu messen. Ein besonderes Modell war zweifellos ein neuer AHTS mit X-Bow-Bugform von Ulstein, der sich zwar noch im Bau befindet, aber ein sehr schönes Modell mit viel potential ist. Für das Wettpullen wurde von einem Vereinskameraden eine elektronische Waage modifiziert und mit einer Schleppleine versehen. Die Waage wurde in einem in den Steg eingelassenen Rohr fixiert und wartete auf die Zugleistungen.
Jeder Mitbewerber bekam eine entsprechende Urkunde, in der die Pfahlzugleistung seines Schiffes dokumentiert wurde und der Sieger wurde zum „Wendlinger Tow-Master“ für das Jahr 2008 erklärt. Schleppleistungen von 2-3 kg waren die normalen Werte (wer schon mal einen 2 kg schweren Fisch an einer Angelleine hochgehoben hat, weiß wie schwer der wird). Dann kam jedoch ein Schlepper auf Jungfernfahrt an die Reihe, der mit über vier Kilo Zugkraft die Spitze markierte. Im Anschluss machte einer der größten Schlepper unseres Vereines, eine Smit Nederland im Maßstab 1:20, an der Tow-Waage fest. Die Schleppleine um den Poller gelegt, straff gespannt, um dann die Hebel auf den Tisch zu legen. Die Waage zeigte 6,3 kg, als sich der Schlepppoller, der mit zwei 3 mm Schrauben im Deck verankert war, mit einem lauten Krachen löste und über des Deck polternd ins Wasser stürzte. Egal, der war sowieso schon nass vom Regen… Also, neuer Versuch: diesmal die Schleppleine durch zwei Schanzkleidklüsen gelegt, wieder straff gespannt und abermals volle Pulle (Regler auf maximalen Wert). Die für 24 V ausgelegten Motoren saugten das Wasser schon bei 12 V durch die Kortdüsen und fingen an den See zu belüften. Die Waage zeigte stolze 7,3 kg. Das war für diesen Samstag der Bestwert und wurde entsprechen gefeiert. Im Anschluss an das Kräftemessen wurde der bis dato noch jungfräuliche Schlepper auf seinen Namen Eisvogel und ein zweites Schiff, der Stückgutfrachter TransCanada, der als Fahrgebiet die großen Seen in Nordamerika hatte, feierlich getauft. Die Namensfindung des Eisvogels war erst auf der Probefahrt um unseren See entstanden, als sich der Eigner in unserem Bergungsboot um den See schleppen lies und er über mehrere hundert Meter von einem Eisvogel, der sich bei uns trotz des Schiffsverkehrs sehr wohl zu fühlen schien, begleitet wurde. Neptun wurde um eine unfallfreie und sichere Fahrt auf allen Meeren gebeten. So wurde aus einer etwas feuchten Samstags-Veranstaltung trotzdem noch ein schönes Ereignis. Wir werden versuchen, diese Veranstaltung fest im Jahresveranstaltungskalender zu etablieren!
Der Sonntagmorgen begann bereits gegen sechs Uhr in der Früh mit einem besorgten Blick zum Himmel, doch schien dem Wettergott unser Schleppertreffen gefallen zu haben, so dass er uns für den Sonntag großteils blauen Himmel und schönen Wind mit zwei bis drei Bft. bescherte.
Von Sir Francis Beaufort wurde eine zwölfstufige Windstärkenskala entwickelt. Häufig tauchen aber verschiedene Werte für die Windstärken auf, z. B. Kilometer pro Stunde, Meter pro Sekunde oder Knoten (Seemeilen pro Stunde). Dazu gibt es eine Umrechnungstabelle, die nicht nur für Segler interessant ist.
In Wetterkarten werden Windstärken in Form von Fiedern dargestellt. Dabei bedeutet:
Kurzer (halber) Strich: 5 Knoten oder 1 Windstärke (Bft.)
Langer (ganzer) Strich: 10 Knoten oder 2 Windstärken (Bft.)
Ausgefüllter Wimpel: 50 Knoten oder 10 Windstärken (Bft.)
Im Jahr 1949 wurde die Beaufort Windstärkenskala bis Windstärke 17 erweitert. Diese ist heute aber nicht mehr gültig.
Also geradezu ideale Wetterbedingungen für die klassischen Segelschiffe der mini-sail e.V., die sich schon traditionell einmal im Frühling und einmal im Herbst zu einem Segeltag, Erfahrungs-Austausch und geselligem Zusammensein treffen. Wir, der SMC Wendligen, bieten der mini-sail e.V. unter Peter Schuster als Ausrichter unseren See und unser Vereinsheim als Treffpunkt an, der auch gerne genutzt wird.
Und so fanden sich ab ca. 9 Uhr die ersten Segler und Mitseglerinnen auf dem Vereinsgelände ein, um sich einen schönen Sonntag zu machen. Allerlei Bootstypen, von der Barkentine über diverse Kieljachten, einer Chinesischen Dschunke bis zu dem Modell einer einmastigen, ferngesteuerten Langkieljacht mit GFK-Rumpf, allerdings in der Größe eines Babyschuhs, fanden sich ein. Es war ein buntes Treiben auf dem Wasser. Wir hatten zwei Bergungsschlepper als Modelle und ein manntragendes Bergungsboot für Notfälle bereitgestellt, wobei nur die Bergungsschlepper benötigt wurden. Am Ufer wurde von den Kapitänen beim Segeln über alle möglichen und unmöglichen Problemlösungen diskutiert, ein Kollege hatte ca. 10 verschiedene Kiel-Gewichte zum austarieren dabei. Seine kompletten Werke an selbst geschlagenem Tauwerg und sonstige Kleinteile und technischen Hilfsmittel wurden bestaunt und bewertet. Nebenbei hatte eine Nichtseglerin, diesmal unsere Heidi, einen bärenstarken Kaffee gebrüht (wozu denn mehr Wasser nehmen, als in einen Fingerhut passt?), der zusammen mit vom Vorstand geschmierten Butterbrezeln und Gulaschsuppe dankbar in den Segelpausen verzehrt wurde. Der Wind war schon herbstlich kühl, aber die Nachmittagssonne wärmte auch noch ordentlich und so kamen alle auf Ihre Kosten.
Bis nach siebzehn Uhr waren die Segler aktiv oder klönten im Vereinsheim. Bis sie nach und nach ihre Autos beluden und sich, nach einer herzlichen Verabschiedung, schon für ein Treffen am Schäferhauser See im Frühling 2009 verabredeten.

Die Waage wurde in einem in den Steg eingelassenen Rohr fixiert und wartete auf die Zugleistungen
Ein Schlepper auf Jungfernfahrt zeigte beeindruckende Leistungen
Einer der größten Schlepper unseres Vereines, eine Smit Nederland im Maßstab 1:20, machte an der Tow-waage fest und erreichte den größten Pfahlzug des Wochenendes
Am Sonntag herrschten geradezu ideale Wetterbedingungen für die klassischen Segelschiffe der mini-sail e.V., die sich schon traditionell einmal im Frühling und einmal im Herbst zu einem Segeltag treffen
Allerlei Boote, sogar eine Chinesische Dschunke, tauchten auf dem See auf
Die Eisfalke wird für den Einsatz an der Tow-Waage vorbereitet
Während des gemütlichen Beisammenseins wurde über alle möglichen und unmöglichen Problemlösungen diskutiert
Weil jeder mit anpackte kamen alle auf ihre Kosten
An den Ausstellungsplätzen kam man schnell ins Gespräch
Der Wettergott schien gefallen an unserem Treffen gefunden zu haben und so beglückte er uns am Sonntag mit perfektem Segelwetter
Das Wochenende am Schäferhauser See war voller Sehenswürdigkeiten