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Rückblick Schaufahren und U-Boot-Treffen des SMCO 2008

von Gerhard Winistörfer
Fotos: Nadia Michel


Zum zweiten Mal veranstaltete der Schiffsmodellbauclub Olten im Seebad in Sempach am 20. und 21. September ein Schaufahren und parallel dazu das zweite schweizerische Modell-U-Boot-Treffen. Leider war Neptun nicht so guter Laune und bescherte an beiden Tagen zwar trockenes, aber kaltes Wetter. Ein zügiger Ostwind sorgte zudem am Samstag dafür, dass die kühlen Temperaturen nochmals um einiges tiefer empfunden wurden. Das war aber glücklicherweise kein Grund für die Modellbauer, den Weg nach Sempach nicht anzutreten. So konnte auch dieses Jahr wieder eine respektable Anzahl Modellbauer aus der Westschweiz, dem Tessin und Süddeutschland begrüßt werden. Besucher kamen zwar auch einige, diese blieben jedoch wegen der kalten Witterung nicht sehr lange.
Mit über 200 Modellbooten und cirka 30 U-Booten war es wohl eines der größeren, in der Schweiz durchgeführten Schaufahren. Alle anwesenden Modellbauer mit ihren Booten hier vorzustellen, würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Nachfolgend seien daher nur einige Leckerbissen erwähnt, für die allein sich der Ausflug nach Sempach schon gelohnt hatte. Modellbauer, die ich aus Platzgründen hier nicht erwähnen kann, mögen mir dies verzeihen.
Herausgestochen war eine Gruppe Modellbauer, die sich Shipyard MRRB (http.//home.intergga.ch/mrrb/) nennt. Diese vorwiegend auf Schlepper und Frachtschiffe spezialisierte, vier Mann starke Gruppe aus Basel stellte auf rund 35 Laufmetern Tisch sauber und perfekt gebaute Modelle mit einer Länge von bis zu 2,5 m aus. Daneben waren tolle Filmaufnahmen vom fahrenden Modell aus zu sehen und für jedes Boot lag ein Baubericht zur Einsicht der Besucher auf. Eigentlich war die von ihnen aufgestellte Zeltstadt eine Ausstellung in der Ausstellung. Bei geschmackvoll dekorierten Tischen, Musik, Film und Heizstrahlern vergaß mancher Modellbauer die kühlen Temperaturen.
Als weiterer Leckerbissen zeigte ein Mitglied der IG Spezialschiffe, der von unzähligen Fachbeiträgen bekannte Hermann Zimmermann, zusammen mit Kollegen sein maritimes Schaffen. Seine zwölf Modelle gaben dem Besucher und interessierten Modellbauer gute Einblicke in die Welt der Arbeitsschiffe. Mit seinem unglaublichen Fachwissen ist er wohl einer der begnadetsten Modellbauer in der deutschsprachigen Region und trotz seiner 80 Jahre so aktiv wie eh und je.

Graupner hatte einen großen Stand aufgebaut, bei welchem ein großer Teil der Modellpalette an Schiffen und Wasserflugzeugen dieser Firma bestaunt werden konnte. Besonders beeindruckt war der Schreibende von der Bauqualität der Fertigmodelle, die Graupner seit neuestem anbietet. Die Alexander von Humbolt oder die Emden lassen sich besser fast gar nicht bauen. Diese Modelle sind äußerst filigran gebaut. Dank der vielen Äzteile sind auch feinste Gravuren, Nieten, Fenster, usw. abgebildet. Graupner ließ es aber nicht nur beim Ausstellen der Modelle bewenden, sondern führte sie unter fachkundiger Kommentierung im Wasser vor. Mit der Fertigmodellreihe hat Graupner wohl den Zeitgeist „plug & play“ (Einstecken und spielen) getroffen. Bleibt nun zu hoffen, dass diese Modelle ab und zu an den Gewässern angetroffen werden.
Neben Graupner waren zwei weitere Händler anwesend, die das Modellschifftreffen mit ihren Angeboten aufwerteten. Der interessierte Besucher konnte sich so Informationen holen oder gar mit Modellen eindecken.
Für die Freunde der U-Boote sorgte der See für klare Sicht und dank des offenen Gewässers für ein recht realistisches Fahrbild. Wer sich nicht in den See wagte oder sein Boot nur mal schnell ausprobieren wollte, für den stand ein 180 cm langes Aquarium für Testtauchgänge zur Verfügung. Glücklicherweise ging während des ganzen Schaufahrens kein Boot (ungewollt) unter und der sicherheitshalber auf Pikett gestellte Taucher kam nicht zum Einsatz.
Die Dampfliebhaber konnten bei Kramer’s Steam Model Shop (www.kramer-steam.ch) einige Dampfmaschinen aus dem Hause Anton begutachten. Daneben bereicherte auch wieder die mit absoluter Perfektion gebaute Dolly von Heinz Bigler die Ausstellung. Die Dampfmodellbauer hatten es diesmal besonders gut. Hatten sie doch die Möglichkeit, ihre Hände an den warmen Dampfkesseln aufzuwärmen. Die tiefen Temperaturen sorgten zudem für schöne Rauchwolken.
Viel Aufmerksamkeit ernteten beim Publikum die elektrisch angetriebenen Wasserflugzeuge. Peter Mast zeigte dem staunenden Publikum, dass man mit Wasserflugzeugen sogar Akrobatik machen kann.
Dank dem auffrischenden Ostwind mit einer Stärke von ca. 3-4 Beaufort herrschten am Samstag ideale Bedingungen zum Segeln, was auch ausgiebig genutzt wurde. Wegen der vielen unterschiedlichen Bootstypen war jedoch eine Regatta nicht sinnvoll, die Unterschiede wären zu groß gewesen. So fuhr jeder Skipper seinen eigenen Kurs.
Trotz Kälte herrschte reger Fahrbetrieb auf dem Wasser. Sea-Jet-Rennen, Segelboote, Dampfschiffe, Demonstrationen mit Arbeitsschiffen und Seenotrettung wechselten sich ab. Eine nicht alltägliche Demonstration der Antriebskraft von Arbeitsschiffen lieferte Dieter Ziegenbalg. Mit seiner rund 80 kg schweren Maersk Assister im Massstab 1:50 zog er mühelos ein Pedalo. Dank des riesigen Fahrgewässers waren ständig zwischen zehn und zwanzig Boote im Wasser, ohne sich in die Quere zu kommen. So kam dann auch jeder Modellbauer zu genügend Fahrspaß.
Sehr zur Verwunderung des Veranstalters fand auch – trotz kalter Temperaturen – ein richtiges Nachtfahren statt. Offenbar lassen sich die Schiffsmodellbauer – gleich wie die Seeleute – von etwas kühlerem Wetter nicht beeindrucken. Im besonderen Interesse standen diesmal die U-Boote, welche entweder mit Unterwasserbeleuchtung oder mit Morsezeichen auf sich aufmerksam machten.
Dass das Kinderbasteln oder Airbrushen von Tatoos auf nackter Haut diesmal nicht so gefragt waren, lag wohl an den etwas kühlen Temperaturen. Eine attraktive Tombola sorgte für reges Interesse bei Jung und Alt und wer fror oder Hunger hatte, konnte sich im angrenzenden Restaurant reichhaltig verpflegen.
Ein herzlicher Dank geht an alle Modellbauer aus Nah und Fern, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben. Besonderen Dank gebührt der Firma Graupner für die Demonstration ihrer Modelle, der Firma robbe für viele tolle Tombolapreise und den beiden örtlichen Modellbauhändlern.
Dass der Anlass auch die örtliche Presse interessierte, freute den Veranstalter besonders. So hofft der Schiffsmodellbauclub Olten, den einen oder anderen Besucher für das Hobby Schiffsmodellbau begeistert zu haben. Weitere Infos und Fotos zum Schaufahren auf www.smco.ch.