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Paddler Day

Jörg, Daniel und der Autor vor den eigenen Modellen

von Hans-Jürgen Freund

Als Schiffsmodellbauer mit einem Faible für Raddampfer bin ich nun schon seit einigen Jahren in der Szene unterwegs. Auch habe ich bereits verschiedene Artikel über Raddampfer im Vorbild und im Modell verfasst. Seit 2005 bin ich bei den „Paddleducks“ dabei; das ist eine Webseite mit dem Hauptaugenmerk auf Raddampfer, als Modell wie auch als Vorbild. Der Webmaster ist Eddy Matthews, Mitglied im Darlington and District Model Boat Club. Er hat in dieser Doppelfunktion im Jahr 2007 ein Raddampfer-Treffen ins Leben gerufen, an dem ich mit meinem Modell Mull of Kintyre teilnahm. 2008 sollte es zum zweiten Mal stattfinden. Für mich war klar, dass ich wieder dabei sein wollte, doch diesmal nicht allein. Also fragte ich meinen Modellbaukollegen Daniel vom Schiffmodellclub Rheintal, ob er nicht Lust hätte, mitzukommen. Daniel besitzt ein Modell des Radschleppers Badenia IX; er sagte spontan zu. Als Nächstes fragte ich dann noch meinen langjährigen Freund Jörg, ob er nicht auch mitkommen wolle. Er musste erst noch ein Modell bauen, was aber kein Problem für ihn war. Er braucht meist nur 2 m2 ABS-Platten und eine Tube Kleber, und vier Wochen später ist wieder ein Modell fertig.

Die Firth of Forth-Fähre Sir William Wallace
Der Raddampfer Talisman, mit 2,13 m Länge das größte Modell der Veranstaltung
Die eigenen Modelle sind zusammen unterwegs
Mein Heckraddampfer Valley Belle
Daniels Badenia IX
Die Jeanie Deans, das schönste Modell der Veranstaltung.

Als klar war, dass wir zu dritt auf Große Fahrt gehen würden, mussten wir uns ein geeignetes Fahrzeug suchen. Ein Pkw kam nicht in Frage, da die Badenia 2 m lang ist. Zudem sollten möglichst viele Modelle Platz finden. Nach einigem Überlegen kam ich zu dem Entschluss, mir einen Transporter zuzulegen. Als Fan von alten Dampfschiffen wollte ich aber kein modernes Fahrzeug haben, es musste was Besonderes her. Meine Wahl fiel auf einen Ford Transit MK1, Baujahr Mai 1968, ein Ex-Feuerwehrfahrzeug mit 1,7-l-Motor, 65 PS und gerade mal 16.000 km auf dem Tacho. Nach einem achtwöchigen Reparatur- und Instandsetzungs-Marathon erfolgte am 15.9.2008 die Abnahme beim Strassenverkehrsamt; das ist sozusagen der Schweizer TÜV.
Zwei Tage später verluden ich dann meine Modelle: die Glasgow, die Mull of Kintyre, die Blümlisalp und den Heckraddampfer Valley Belle sowie zwei Schubleichter. Am folgenden Donnerstag holte ich Daniel mit seiner Badenia ab und dann fuhren wir gleich weiter nach Darmstadt zu Jörg. Von dort ging es am frühen Morgen weiter nach Amsterdam, von wo aus wir mit der DFDS-Seaways-Fähre Princess of Norway nach England in See stachen. Nach einer sehr ruhigen Überfahrt kamen wir um 9 Uhr morgens ausgeschlafen und frisch gestärkt in Newcastle an. Eddy wusste nur, dass ich diesmal noch zwei Begleiter dabeihaben würde. Wir hatten uns für den Nachmittag beim Schifffahrtsmuseum in Hartlepool verabredet; dort liegt die ehemalige Humber-Fähre Wingfield Castle, ein Raddampfer als Museumsschiff.
Eddy staunte nicht schlecht, als er uns mit unserem Feuerwehrwagen kommen sah. Nach einem Tee an Bord des Museumsschiffs machten Jörg und ich unsere Modelle startklar und fuhren bei der Wingfield Castle ein paar Runden; es war das erste Mal, dass eines meiner Modelle Salzwasser unter dem Kiel hatte. Der Versuch, mit meiner Glasgow die Wingfield Castle abzuschleppen, scheiterte leider kläglich.
Am Sonntag waren wir dann schon sehr zeitig auf dem Veranstaltungsgelände. Wir schlugen dort unser Zelt auf und bereiteten den Einsatz unserer Modelle vor. Als alles aufgebaut war, stellten wir erfreut fest, dass außer einem Spanndraht an der Valley Bell und einem umgefallenen Matrosen auf Jörgs Schubschiff keine Transportschäden zu beklagen waren. Damit hatten sich meine Transporthalterungen zur größten Zufriedenheit bewährt.
Normalerweise findet man bei den Schaufahren in Deutschland oder der Schweiz nur wenige Raddampfer. Hier waren auf einmal fast 40 Raddampfermodelle zu sehen, davon aber nur vier Glasgow-Modelle von Graupner; alle anderen waren Einzelstücke. Der veranstaltende Klub verfügt über eine ausgezeichnete Infrastruktur, das Gewässer ist ein ehemaliger Trinkwasserspeicher von 85×88 m, zwischen 1,5 und 2 m tief und durch einen umlaufenden Wall gut gegen Wind geschützt ist. Das ist gerade für Raddampfermodelle wichtig, da diese Modelle oft sehr windempfindlich sind. Es gibt dann noch das Klubhaus, einen Backsteinbau mit Platz für ca. 20 bis 25 Personen, einer kleinen Küche sowie ausreichend Stauraum. Das Fahrgewässer liegt im Middleton St. George Waterpark, der aus zwei Wasserspeichern besteht. Bei der Einfahrt gibt es noch eine kleine Festhalle, die mit ihrer Küche und allen anderen notwendigen Einrichtungen so eine Veranstaltung wesentlich erleichtert. In dieser Halle war dann auch ein kleiner Flohmarkt mit diversen Schiffsmodellen und Zubehör untergebracht.
Das Raddampfer-Treffen war als reines Freundschaftstreffen geplant, also nicht als Wettkampf; es waren ein paar Bojen ausgelegt, damit wir Kapitäne was zum Spielen hatten. Am Beckenrand hatten Eddy und seine Vereinskameraden einige Meter Anlegeplätze für die großen Modelle angebracht. Für uns vom Kontinent etwas gewöhnungsbedürftig war das Nummernsystem, mit dem die Engländer bei den Frequenzen arbeiten; da sie aber vorbereitet waren, hatten sie eine Frequenztafel, mit der wir unsere Kanäle herausfinden konnten. Es gab eine Sender-Abgabestelle im Klubhaus, damit ein geregelter Fahrbetrieb möglichst störungsfrei stattfinden konnte.
Der einzige Wettbewerb war die Wahl zum schönsten Modell der Veranstaltung. Jeder Teilnehmer bekam einen Stimmzettel, mit dem er seinen Favoriten bestimmen konnte. Die Wahl fiel auf das Modell der Jeanie Deans von Sandy Thomson vom Tynemouth Model Boat Club. Es gab auch noch einen Preis für das schönste Echtdampfmodell; dieser Preis ging an Peter Massey mit seinem Modell Cliff Bickerstaff.
Nach einem langen und ereignisreichen Tag hieß es dann, alles wieder einzuladen und ordentlich zu sichern, damit es auch heil zuhause ankäme. Ich möchte mich bei Eddy und all seinen Vereinskameraden für die ausgezeichnete Organisation dieses Treffens bedanken. Des Weiteren ein Dankeschön an Daniel und Jörg, denn ohne sie hätte das alles nur halb so viel Spaß gemacht. Ich habe zwar noch nicht angefangen zu packen, aber der Termin für 2009 steht schon fest: Am 20. September 2009 werden wir wieder kommen.

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