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Die richtigen Flaggen selbst gemacht

Donnerstag, 06.05.2021 von Martin Haberland Die richtigen Flaggen selbst gemacht

Die Flaggen, die den meisten Modellbaukästen beiliegen, bestehen in der Regel aus doppelseitig bedrucktem Kunstfaserstoff. Der Druck ist generell sehr gut, nur die Flexibilität der Flaggen lässt oft zu wünschen übrig. Als würde stets ein kräftiger Wind wehen, stehen sie horizontal vom Flaggstock ab, am Hackbord wie am Masttopp. Man kann zwar versuchen, die Flagge etwas in Wellenform zu biegen, aber ein wirklich zufriedenstellendes Ergebnis bringt das nicht.

Nachforschungen

Um dies zu ändern, stellte ich einige Recherchen an und machte eigene Versuche. So zeichnete ich auch mit Aquarellfarben auf Seidenpapier, was ein gar nicht so schlechtes, meiner Meinung nach jedoch nicht optimales Ergebnis brachte. Schließlich kam ich auf die Idee, Flaggen zu fotokopieren. Freilich muss man sich schon etwas mit Flaggenkunde befassen, damit man nicht die historisch gesehen falsche Flagge an seinem Modell einsetzt. Man kann zum Beispiel nicht die „Stars and Stripes“ der Vereinigten Staaten von heute am Heck der Fregatte USS Constellation von 1799 präsentieren, denn das „Sternenbanner“ sah damals etwas anders aus. Die Anzahl und auch die Anordnung der Sterne auf blauem Grund änderten sich mit der Zeit. Es traten immer mehr Staaten den USA bei, bis das blaue Rechteck mit den weißen Sternen das Aussehen annahm, das wir heute kennen. Sinngemäß gilt dies auch für die Nationalflaggen vieler anderer Länder. Hier ist also sorgfältiges Recherchieren gefragt. Man kann Geschichtsbücher und Wappenkundebücher zurate ziehen und sich mit der Zeit, zu der das Vorbild des Schiffsmodells gehört, näher befassen. Man sollte allerdings nicht jeder Quelle blindlings vertrauen, da auch in Fachbüchern Fehler stecken können. Beim intensiven Nachforschen bin ich schon mehrfach auf widersprüchliche Angaben gestoßen. Es sollten schon mehrere Quellen ein und dasselbe Ergebnis liefern. Das Internet ist dabei eine sehr gute Hilfe, doch mit den Informationen, die man darin findet, muss man noch vorsichtiger umgehen.

Hat man die passende Vorlage gefunden, kann man sich auf Gemälden auch die Größe der verschiedenen Flaggen, Wimpel, Standarten und Flammen ansehen. Teilweise waren die Heckflaggen sehr groß und ausladend. In einem Beispiel habe ich die Seekriegsflagge von Großbritannien, die „White Ensign“, gestaltet.

Herstellung

Ich kopiere beide Seiten auf normales 80-g/m²-Kopierpapier. Bei der zweiten Kopie muss die Flagge aber gedreht werden, um eine linke und eine rechte Seite zu erhalten. Danach werden die Flaggenseiten ausgeschnitten. Am besten geht das mit einem Papierschneidegerät, da mit der Papierschere keine so langen, geraden Schnitte zu realisieren sind. Auf der Seite, die am Flaggstock befestigt wird, lasse ich noch etwa zwei Zentimeter mehr stehen, um die Flagge am Flaggstock anbringen zu können. Die beiden ausgeschnittenen Flaggenseiten werden mit Papierkleber genau aufeinander geklebt. Kleine Unebenheiten können noch mit der Schere egalisiert werden. Dann wird die Flagge dort, wo der Papierkleber noch nicht richtig durchgehärtet ist, in die gewünschte Form gebracht. Sehr gut geht das, indem man die Ecken der Flagge über einen runden Gegenstand, wie beispielsweise ein Rundholz, rollt. Aufgrund des Klebers zwischen den Papierseiten bleibt die Form dennoch stabil.

Windstille

Bei der britischen Seekriegsflagge habe ich mich für die Situation einer Flaute entschieden und die Flagge an einigen Stellen mit Papierkleber zusammengeklebt, sodass sie jetzt ganz natürlich herunterhängt. Die amerikanische Flagge weht noch so starr und steif, wie sie aus dem Baukasten kam. Ihr steht noch eine realistischere Behandlung bevor.

Die erhaltene Fregatte USS Constitution von 1797 bei einer Ausfahrt mit der ursprünglichen US-Flagge von Francis Hopkinson mit 13 Sternen. Ein Stern steht für einen der 13 ursprünglichen Bundesstaaten der USA

Das US-Sternenbanner am Modell der Fregatte USS Constellation, die Flagge spiegelt den Stand Mitte des 19. Jahrhunderts mit 32 Sternen wieder

So starr und steif wie diese White Ensign – die britische Seekriegsflagge – sehen die meisten Flaggen aus, die den Baukästen beiliegen

Mit Klammern fixiert man die geklebte Flagge – hier die White Ensign bestehend aus zwei Farbkopien – am Flaggstock

Das Schiff mit dieser White Ensign ist sichtbar in einer Flaute unterwegs

Die White Ensign ist auch in der modernen Royal Navy in Gebrauch – hier zu sehen beim modernen Lenkwaffenzerstörer HMS Daring vor Gibraltar (Foto: British Ministry of Defence)

Die USS Constitution kann heute als Museumsschiff im Hafen von Boston besichtigt werden, hier weht die moderne US-Flagge mit 50 Sternen an ihrem Heck

 

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