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Die unterschätzte Gefahr : Der LiPo-Brand

Mittwoch, 25.01.2017 von Stefan Kerwer Die unterschätzte Gefahr : Der LiPo-Brand

Es dürfte der Alptraum eines jeden Modellbauers sein: Ein Brand in der Modellbauwerkstatt. Der Alptraum verschärft sich noch, kommt im Anschluss raus, dass ein bekannter und oft diskutierter Gegenstand innerhalb der Werkstatt diesen ausgelöst hat.

Die Rede ist vom Lithium-Ionen-Akku, kurz LiPo. Unser Autor Stefan Kerwer musste diesen Alptraum leider erleben. Er schildert im folgenden Bericht offen und schonungslos, wie es dazu kommen konnte und welche Lehren er daraus gezogen hat.

Alter Bekannter

Das Thema LiPo-Akkus und die Gefahren, welche davon ausgehen können, sind uns allen wohl bekannt. Ich hatte dies immer etwas vernachlässigt, da die meisten „Unfälle“ mit LiPo-Akkus bei Abstürtzen, Einschlägen oder anderen Ereignissen mit direkter Gewalteinwirkung passiert sind. Leider wurde ich im Spätjahr 2015 eines Besseren belehrt.

Der Ablauf

Zur Vorbereitung einer Veranstaltung in Stockstadt (Rhein) lud ich meine LiPo-Akkus unter meiner Aufsicht mit einem speziellen Ladegerät in Verbindung mit einem Balancer auf. Die Akkus lagerte ich beim Laden auf einer feuerfesten Unterlage. Gerade beim letzten Akku kam es zu dem, was ich keinem anderen Kollegen wünsche. Ich ging kurz zum Abendessen aus dem Hobbykeller und dachte: „Es kann ja nichts passieren, der Akku hängt ja am Balancer und schaltet dann ab. Außerdem bin ich ja in der Nähe“.

Was dann geschah, konnte man hinterher nicht mehr zu 100% ermitteln. Vermutlich ging der Akku wegen eines Defektes hoch oder das Ladegerät hatte einen Fehler und verursachte dadurch einen Kurzschluss. Eine detallierte Brandbeschreibung kann ich keine geben, dafür ging es einfach zu schnell. Durch den ausgelösten Brandmelder und das rasche Eingreifen der Feuerwehr konnte der Brandherd schnell eingedämmt und so Schlimmeres verhindert werden. Der Brandherd war am Ende dann "nur" ca. 50 x 50 cm groß.

Die Auswirkungen

Der Zustand nach dem Feuerwehr-Einsatz

Bei dem Feuer verbrannten, neben den beteiliugten Akkus und dem Ladegrät, auch ein komplett umgebautes RC-Bruder-Modell einer CAT-Raupe, welches auf dem Schreibtisch stand, da ich zuvor noch daran gearbeitet hatte.

Das Feuer ließ wahrlich nichts von der Bruder CAT-Raupe übrig.

Die durch den Brand verursachte Hitze zerstörte alle technischen Geräte rings um den Brandherd und der daraus hervorgegangene Ruß zog durch den ganzen Keller. Er hüllte alle Modelle in einen schwarzen Schleier, obwohl diese alle verpackt waren!

Nach dem Einsatz der Feuerwehr und der Schadensaufnahme ging es ans Sichten der Modelle und an das Ausräumen. Einige Modelle konnte ich leider nicht mehr retten, da die Verrußung doch recht stark war und ein Säubern hier nicht mehr rentabel gewesen wäre. Das erste Säubern erledigte ich mit Hilfe eines Kompressors im Hof. Den Rest reinigte ich dann mit einem Bremsenreiniger-Spray aus dem Baumarkt. Diesen Tipp erhielt durch ein Forum. Die Elektronik der Modelle die nicht gekapselt waren, war hingegen nicht mehr zu retten und musste gegen neue getauscht werden.

Der Neuanfang

Nachdem mein Keller dann durch eine Sanierungsfirma wieder hergestellt wurde, konnte ich nun anfangen meine neue Werkstatt einzurichten.

Jetzt kann ich mich wieder voll meinem Hobby mit neuem Elan widmen, was für mich eine Zeit lang auf der Kippe stand, da mir nach dem Vorfall die Lust am Hobby etwas vergangen war. Durch den Zuspruch meine Familie und Freude fand ich allerdings neuen Mut. An dieser Stelle ein dickes Danke!

Im Vordergrund steht nun die Wiederherstellung meines Mercedes Greenliner Modelles der Bundeswehr, dessen Vorgängermodell auch leider größtenteils zerstört wurde.

Die Lehren

Als LiPo-Akkus vor einigen Jahren den Siegeszug auf dem Akku-Markt antraten, waren sie in Sachen Kapazität, Baugröße und Spannungsabgabe eine Revolution. Doch all dieser Fortschritt kam nicht ohne Risiken. Diese sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen! LiPos bieten fantastische Performance, sind aber extrem anfällig für Über- und Unterspannung, Schläge, extreme Temperaturen und schlechte Ladegeräte. Für die Zukunft werde ich nun meine Akkus in einer feuerfesten, ehemaligen Munitionskiste laden. Diese habe ich mit Sand gefüllten Plastikbeuteln ausgekleidet. Sollte nun nochmal ein Akku hochgehen, so öffnet der Brand die Beutel und der auslaufende Sand erstickt den Brand relativ schnell.

 

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