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Ein Wendeherz und andere Verbesserungen

Donnerstag, 01.07.2021 von Heinz Rossmann Ein Wendeherz und andere Verbesserungen

Am Beispiel der Quantum D210×320

Es ist etwas enttäuschend, dass diese Quantum-Maschine – im Gegensatz zu viel kleineren anderen Maschinen – kein Wendeherz zum Linkslauf der Leitspindel besitzt. Ich habe diese Maschine bereits vor vielen Jahren gekauft, bin ansonsten sehr zufrieden damit und wollte eine Abhilfe bezüglich dieses Umstandes schaffen.

Um den Linkslauf der Leitspindel zu realisieren, muss zunächst ein Zahnrad Z40 in einer M10-Gewindebohrung unter der Hauptspindel eingeschraubt werden. Diese greift dann in ein anderes Zahnrad, ebenfalls Z40, welches im ständigen Eingriff mit der Hauptspindel ist, auch wenn der automatische Vorschub nicht zugeschaltet ist. Eine ähnliche Vorgehensweise hat Jürgen Eichardt im Heft 5/2011 der MASCHINEN IM MODELLBAU an einer Wabeco-Maschine beschrieben.

Ich entfernte beide Zahnräder wieder. Die Räderschere wurde am oberen Ende abgesägt, plangefräst und mit zwei senkrechten Bohrungen M6×20 versehen. Nun fräste ich auf meiner Fräsmaschine „Bernardo“ (baugleich mit Optimum BF20 Vario) die benötigte Verlängerung aus Messing in der Stärke mit etwas Aufmaß, bohrte senkrecht zwei 6-mm-Bohrungen und schraubte beide Teile zusammen. Dann spannte ich die so um 50 mm verlängerte Schere auf den Frästisch, richtete die Langnut zur Aufnahme der Nutensteine mit der Messuhr aus und fräste zunächst das Aufmaß bündig bis zur Stärke der Originalräderschere aus Gusseisen ab. Anchließens setzte ich die Langnut nach. Diese Verlängerung war notwendig, um das Zahnrad Z40 aufzunehmen.

Am Spindelstock zwischen Hauptspindel und Räderschere sollte das „Wendeherz“-Zahnrad Z40 seinen Platz haben. Dazu fräste ich eine Aufnahme aus Dural bestehend aus zwei Teilen: Ein beweglicher „Schlitten“ welcher in einer Gewindebohrung M6 das kugelgelagerte „Wendeherz“-Zahnrad trägt und in einer Schwalbenschwanzführung im festen Teil gleitet. Letzteres ist mit zwei Gewindebohrungen M6 und zwei Schrauben am Spindelstock befestigt. Der bewegliche Teil wird mit einer langen Rändelschraube bei Bedarf geklemmt. Wird nun der „Schlitten“ mit dem Zahnrad Z40 zwischen die beiden Zahnräder Z40 er Hauptspindel und Räderschere in Eingriff gebracht, läuft die Leitspindel links. Natürlich ist für die Aufnahme des „Wendeherz“-Zahnrades keine Schwalbenschwanzführung erforderlich, es ginge auch einfacher. Meine Konstruktion funktioniert problemlos seit vielen Jahren.

 

Vorschub <0,12 mm/U

Der Original-Vorschub dieser und auch anderer Drehmaschinen von 0,12 mm/U ist viel zu groß. Wünschenswert wäre ein automatischer Vorschub von ca. 0,05 mm/U. Eine Anfrage beim Hersteller war erfolglos. Man teilte mir mit „… um einen Vorschub von ca. 0,05 mm zu realisieren müssten Zahnräder mit einem Durchmesser von ca. 160 mm an Position „C“ und „F“ … welche nicht in die Maschine passen.

So kramte ich teilweise längst Vergessenes aus meiner Berufsschulzeit vor über 50 Jahren in Kronstadt hervor – und siehe da, es funktionierte!

Wechselräder-Anordnung für einen Vorschub 0,05 mm:  

Ich musste nur die beiden Zahnräder Z20 (aus Kunststoff, Stückpreis 3,60 €) dazukaufen, da die anderen Wechselräder ja vorhanden waren.

Wenn man will, kann man den Vorschub noch verringern, indem man leitspindelseitig anstelle des 90er-Rades ein 100er nimmt. Dann erhält man einen Vorschub von 0,044 – aber das wäre schon Spielerei.

Für einen Vorschub von 0,06 müsste man nur ein Zahnrad Z25 zwischenschalten:

So kann man bei geringem Aufwand einen Feinvorschub realisieren.

 

Drehzahlwechsel

Um den Riemen umzulegen, muss zunächst die Abdeckung, welche mit zwei M10-Muttern befestigt ist, entfernt werden. Ich habe die Abdeckung mit zwei Scharnieren ausgestattet, somit entfällt das lästige Auf- und Abschrauben der Muttern.

Dann muss eine M10-Mutter mit einem Steckschlüssel gelockert werden, erst dann kann die Riemen-Spannrolle betätigt beziehungsweise der Riemen umgelegt werden. Den M10-Gewindebolzen habe ich ersetzt und ein „Fantasiegewinde“ ø10 und Steigung 2,5 mm geschnitten. Die Mutter dazu habe ich aus Dural gefertigt und mit einem Griff ausgestattet. Nun kann man mit einem Handgriff (dank der großen Steigung von 2,5 mm) die Spannrolle lockern/klemmen und den Riemen ohne Werkzeug umlegen.

 

Verlängerung der Planschlitten-Spindel

Besonders bei Arbeiten mit dem Vertikal-Frässupport kam es vor, dass der Planschlitten plötzlich „ins Leere“ glitt. Deshalb verlängerte ich die Spindel um ca. 70 mm, nun kann man problemlos mit dem Planschlitten „weiterfahren“, bis er fast an den Späneschutz stößt.

Sollte ein Leser Detailfragen haben, so steh ich gerne über die Redaktion zur Verfügung.

Abschließen geht mein Dank an Eberhard Brüshaber, der mich zu diesem Artikel ermunterte und den ich vor Jahren durch einen Beitrag in dieser Zeitschrift kennenlernte.

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