Zum Shop

Kleine Tankstelle, ganz groß

Mittwoch, 30.06.2021 von Achim Schmidt Kleine Tankstelle, ganz groß

Vintage-Modell im Tamiya-Maßstab

Nachdem ich nun in letzter Zeit einige Modelle als Old- bzw. Youngtimer gebaut habe, hatte ich zuletzt die Idee auch das ein oder andere Gebäude aus dieser Epoche zu erstellen. Da ich ein leidenschaftlicher Fan und Sammler alter Tanksäulen und Petromobilia bin, kam daher der Gedanke, eine Tankstelle im Stil der 50er/60er Jahre mit Automatensäulen und kleinem Gebäude zu bauen. Die Vorlage(n) habe ich ja immerhin bei mir zuhause stehen.

Diese kleinen Tankstellen waren in den 50er bis weit in die 70er Jahre auch in Deutschland mit den unterschiedlichsten Bauformen stark verbreitet. Auch in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gab es solch eine Tankstelle.

Leider wurde der Betrieb für diese kleinen Anlagen infolge von rigiden technischen Auflagen sowie durch den Preisdruck der großen Mineralölkonzerne immer unrentabler, wodurch diese nach und nach geschlossen wurden. Der Bestand der Tankstellen hat sich in Deutschland seit 1970 von 46.000 auf bis heute nur noch ca. 14.500 Einheiten reduziert.

Um einigermaßen rentabel zu sein, sollte der Pächter bei nur noch 2 Cent Gewinn pro Liter mindestens 200.000 Liter Treibstoff verkaufen, weswegen die Tankstellen heutzutage immer größer werden und mit allerlei Nebengewerben versucht wird, Geld zu verdienen. Tankstellen ähneln mittlerweile daher eher Supermärkten, bei denen der Treibstoffverkauf lediglich noch ein notwendiges Anhängsel darstellt. Leider führte diese Entwicklung auch zu einer Vereinheitlichung der Gebäude und Anlagen, weswegen ich die heutigen Tankstellen zumindest optisch für wenig ansprechend halte. Soviel zur Historie.

Meine grundsätzlichen Vorgaben für den Bau dieser Tankstelle waren:

  • leicht zu transportieren (geringe Abmessungen bzw. zerlegbar, sowie geringes Gewicht)
  • geringer Preis
  • mit geringen Hilfsmitteln/Werkzeug zu realisieren.

 

Grundstruktur

Als Basis für die Tankstelle wählte ich einen BruderBausatz (BRUDER 62020 Baumaschinenhalle mit Bagger), den ich im Internet günstig erworben habe.

Diesen habe ich abweichend von der Anleitung zunächst durch einfaches Umstecken in die später gewünschte Anordnung gebracht. Vorteil bei dieser Art des Steckbausatzes ist, dass dieser jederzeit mit baugleichen Teilen erweitert werden kann. Zudem konnte ich den mitgelieferten Bauarbeiter recht problemlos zum Tankwart umschulen.

Danach wurde der Spalt zwischen den beiden zentralen Bauelementen mit einem Streifen aus Polystyrol geschlossen.

Jetzt wird im Gesamtbild klar, dass die Türe in dem hässlichen Braunton so nicht bleiben kann. d.h. die Segmente wieder abbauen, Türrahmen raus nehmen und in einem passenderen schönen Rot lackieren. Dasselbe galt für die Fenster, die ich in weiß umlackiert habe.

Da auch der Dachfirst wenig realistisch aussieht, habe ich diesen ebenfalls wieder auseinander gebaut und in ein neutrales weiß verwandelt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Tankstelle während des Baus sehr häufig auseinander gebaut wurde, um besser an die einzelnen Komponenten zu kommen. Dies ist zwar aufwendig, ist aber letztlich ein großer Vorteil, da im nach hinein Änderungen vorgenommen werden konnten, die ansonsten nicht, oder nur unter erheblichem Schwierigkeiten möglich gewesen wären.

Damit die unschönen Löcher (Adapteröffnungen für die verschiedenen Steckplätze) und Rillen auf der Grundplatte verdeckt werden, habe ich eine große „Betonplatte“ und vier Seitenteile aus mehreren 0,5-mm-Polystyrolplatten geschnitten. Diese wurden vor dem Ankleben mit doppelseitigem Klebeband in verschiedenen Braun und Grautönen unregelmäßig lackiert.

Anschließend wurden die Teerstreifen, die die Trennungsfugen zwischen den einzelnen Betonplatten darstellen sollen, mit einem Pinsel in braunschwarzer Acrylfarbe aufgemalt. Danach habe ich noch mit Ölfarben verschiedene Flecken aufgebracht, um Benzin und Ölverschmutzungen darzustellen.

 

Sockel

Die Sockel für die Tanksäulen, das Ölkabinett und die große Texaco-Säule sind aus Laminatresten entstanden, die ich als Gratismuster aus einem Baumarkt mitgenommen hatte. Diese habe ich mit der Stichsäge ausgeschnitten und danach mit dem Bandschleifer in eine saubere Form gebracht. Im Anschluss wurden diese grundiert und mit einer selbst angemischten Farbe aus Tamiya grün und Vallejo deep green, analog zum Texaco-grün mit der Airbrushpistole lackiert. Es wurden danach noch Bohrungen gesetzt, durch die später mit Senkkopfschrauben die Tanksäulen angeschraubt werden können.

 

Tanksäulen

Die Tanksäulen wurden allesamt mit einem 3D-Drucker erstellt. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an meinen Schwiegervater, der die von mir ausgesuchten Druckvorlagen mit seinem Drucker ausgedruckt hat. Die Dateien fanden sich auf der Plattform „Thingiverse“.

Nach dem Druck habe ich diese zunächst mit erheblichem Aufwand von ihren Stützkonstruktionen befreit. Nun wurde alles verspachtelt, verschliffen und grundiert.

Im Anschluss habe ich alles in Texaco-Farben lackiert. Die Anbauteile wurden mit dem Pinsel bemalt. Anschließend wurden die Logos, die einfach aus bedrucktem Papier bestehen, mit der Schere ausgeschnitten und mit einem Pritt-Klebestift aufgebracht.

Im darauffolgenden Schritt wurde noch ein Fuß aus 1,5-mm-Polystyrol angeklebt und schwarz bemalt. In den Boden der Säulen habe ich noch jeweils ein M4er Gewinde geschnitten, um diese später auf der Sockelplatte mit Senkkopfschrauben zu befestigen.

Zuletzt erfolgte noch eine Alterung/Verschmutzung, auf die ich im weiteren Verlauf des Bauberichtes noch näher eingehen werde.

 

Ölkabinett

Das Ölkabinett, das einem Original aus den 60er Jahren nachempfunden wurde, ist ein kompletter Eigenbau aus Polystyrolplatten und Messingrohren. Dazu wurden zunächst alle Platten aus Poly für den Grundkörper ausgeschnitten. Danach wurden alle Teile außer der Innenplatte, wo später die Zapfhähne drauf sitzen, mit Polystyrolkleber verklebt. Der Grund hierfür ist, dass eine Lackierung der Innenteile nach dem Zusammenbau nicht mehr möglich wäre.

In die Fußplatte habe ich ein M3er-Gewinde geschnitten, damit das Ölkabinett später mit einer Senkkopfschraube auf der Sockelplatte befestigt werden kann.

Für die Zapfhähne wurden zunächst Rohre aus 5-mm-Messing abgelängt, deren Innendurchmesser 3 mm beträgt. Zur besseren Optik wurden diese am Bandschleifer mit einer 45-Grad-Fase versehen, damit später ein stufenloser Übergang zu den 3-mm-Innenrohren entsteht. Im Anschluss wurden dickwandige 3-mm-Messingrohre (1-mm-Bohrung) mit einem Crème-Brûlée-Brenner ausgeglüht und passend gebogen. Für den Zapfhahnkopf bzw. für die Düse hab ich jeweils ein kurzes Stück 3-mm-Messingrohr spitz angeschliffen und an den vorher gebogenen Zapfhahn angelötet.

Danach habe ich in die 5-mm-Grundrohre in der Hälfte im 90-Grad-Winkel eine 3-mm-Hohlkehle gefeilt, in die dann im Anschluss ein kurzes Stück vom oben aufgeführtem 3-mm-Rohr eingelötet wurde. In die 1-mm-Bohrung dieser Stücke wurde dann ein gebogener 1-mm-Messingdraht als Pumpenhebel eingeklebt. Das Griffstück des Pumpenhebels ist ein kurzes Stück 1,5-mm-Rohr, das einfach über den Hebel gestülpt und ebenfalls verlötet wurde.

Die komplettierten Zapfhähne wurden nun in die vorher aufgebohrte Innenplatte aus Polystyrol geklebt. Für die Ölflaschenauflagen/halter habe ich zwei 5-mm-Unterlegscheiben auf die Innenplatte geklebt. Die Innenplatte mit den Zapfhähnen wurde nun grundiert und in „Alufarbe“ lackiert. Der gesamte Korpus aus Polystyrol wurde ebenfalls grundiert und in „silbermetallic“ lackiert. Die komplette Innenplatte mit den Zapfhähnen konnte nun in den Korpus geklebt werden. Zuletzt wurden noch verschiedene Alterungsmaßnahmen vorgenommen und die Logos aufgeklebt.

 

Reifenfüllgerät (Airmeter)

Das Reifenfüllgerät ist teilweise aus meiner Erinnerung entstanden. Zum deutschen Original aus den 60er Jahren konnte ich leider keine entsprechenden Bilder finden. So habe ich mich beim Bau des Gehäuses teilweise an den in den USA weit verbreiteten „Airmetern“ orientiert. Das Füllgerät ist wiederum ein kompletter Eigenbau aus Polystyrolplatten und Messingrohren verschiedener Durchmesser.

Dazu wurden zunächst die Platten aus Poly für das Anzeigehäuse ausgeschnitten. Danach habe ich alle Teile mit Polystyrolkleber verklebt und schön rund geschliffen. Anschließend wurde die Bodenplatte des Gehäuses auf den Rohrdurchmesser von 8 mm aufgebohrt. Der Fuß besteht aus einer 2 mm dicken Polystyrolplatte, die auf den großen Rohrdurchmesser aufgebohrt wurde.

Da die verwendeten Rohre einen zu großen Übergangsdurchmesser zueinander hatten, habe ich den vorhandenen Spalt mit Messingstreifen gefüllt und anschließend alles sauber verlötet. Im Anschluss habe ich zur Erzielung einer besseren Optik mit Bohrmaschine und Schleifpapier eine saubere 45-Grad Fase angeschliffen. Nun wurden alle Teile zusammengesteckt und verklebt.

Natürlich dürfen ein passender Schlauch und auch eine Füllpistole nicht fehlen. Die Pistole habe ich aus 1mm Messingdraht und 1,5-mm-Rohr gefertigt. Für den Schlauch habe ich einfach dünne Litze verwendet.

Im Anschluss habe ich das Füllgerät grundiert, lackiert und mit einer Anzeige versehen, die ich anlag zu den anderen Bauteilen einfach auf Papier ausgedruckt und ausgeschnitten habe. Zur Befestigung auf der Sockelplatte habe ich mir aus Holz einen Stift angefertigt, der genau in die Rohröffnung des Fußes passt. Dieser wurde nun dort eingeklebt. So konnte ich das Füllgerät einfach in das vorher gebohrte Loch in der Sockelplatte einstecken.

 

Pepsi-Cola-Automat

Der Cola-Automat besteht komplett aus Polystyrol. Hier wurde analog zum Ölkabinett vorgegangen und die ausgeschnittenen Platten mit Polystyrolkleber zusammengesetzt. Als nächstes habe ich den Automat grundiert und in einem von mir selbst zusammengemischten hellem Blauton aus verschiedenen Tamiya Farbtönen lackiert. Für die komplette Front wurde ein von mir auf das passende Maß skalierte Foto eines Pepsiautomaten ausgedruckt und mit einem Klebestift auf das Gehäuse aufgeklebt.

 

Texaco-Werbesäule

Die Werbesäule besteht aus Polystyrol und Holz. Die Logoscheibe habe ich mit einem Kreisschneider aus Polystyrol ausgeschnitten. Ringsum wurden nun originalgetreue Bohrungen in den Rand der Scheibe eingebracht. Hiernach habe ich einen dünnen Ring aus 0,5-mm-Poly rund um die Scheibe geklebt.

Die Trägerteile sowie der Fuß und die Stützen wurden aus Holz ausgesägt. Nachdem diese verstiftet und mit Holzleim zusammengeklebt waren, habe ich stirnseitig in die Logoscheibe zwei 1,0-mm-Bohrungen angefertigt in die ich Messingdraht als Verbindungsstifte zur Trägerkonstruktion geklebt habe. Somit konnte nun die Logoscheibe durch einfaches einstecken mit dem Träger verbunden werden.

Die Logoscheibe und den Träger habe ich zunächst grundiert. Im Anschluss wurde der Träger in glänzend weiß und die Logoscheibe komplett mattschwarz lackiert. Im nächsten Arbeitsschritt wurde das vorher aus Papier ausgedruckte Texaco-Logo mit einem Prittstift auf die Logoscheibe geklebt. Zuletzt wurde noch ein Gewinde in den Fuß gebohrt, damit dieser mit seiner grün lackierten Sockelplatte verbunden werden konnte.

 

Dachschild Texaco

Das Dachschild ist wiederum aus Polystyrol und Messingdraht entstanden. Für den Grundkörper wurden eine 1,5-mm-Platte und vier kleine Haltestreifen aus Polystyrol ausgeschnitten. Den Halterahmen habe ich dann aus 1,3-mm-Messingdrahtstücken gebogen.

Alle Teile wurden anschließend gründlich gereinigt, grundiert und weiß lackiert. Als nächstes wurde ein dünner grüner Rahmen auflackiert. Den passenden Aufkleber (Einzelbuchstaben) habe ich mir von einem Freund mit einem Plotter ausschneiden lassen. Dieser wurde dann anschließend auf die weiß lackierte Polyplatte aufgeklebt. Zur Befestigung mussten nun noch vier Löcher in das Dach gebohrt werden, in die jetzt die Messinghalter gesteckt werden können. Zuletzt habe ich den Halter in jeder Bohrung, sowie den Grundkörper am Rahmen, jeweils mit einem Tropfen Sekundenkleber befestigt. Eine Alterung mit Öl und anschließender Fixierung mit mattem Klarlack habe ich nach Fertigstellung aller Teile durchgeführt.

 

Ölfässer

Die Ölfässer sind als Bausatz ebenfalls im 3D-Drucker entstanden. Die Vorlagen stammen von Thingiverse und wurden von mir zum passenden Maßstab skaliert und wiederum von meinem Schwiegervater ausgedruckt. Diese wurden dann mit Sekundenkleber zusammengesetzt, verspachtelt, grundiert und lackiert. Anschließend wurden noch alle Teile gealtert.

 

Ölkanne groß und klein, Trichter, Feuerlöscher

Diese Teile wurden als Zinkdruckgussfertigteile im Internet im Maßstab 1:16 erworben, da es diese nicht im passenden Tamiya-Maßstab gab. Dies fällt aber überhaupt nicht auf, da es diese Teile auch in der Realität in verschiedenen Größen gibt. Die Teile habe ich lediglich zusammengebaut, von Ihren Angüssen befreit und mit Vallejo-Acrylfarben bemalt.

 

Wassereimer/Putzlappen und Abzieher

Der Wassereimer ist 1:14-Zubehör, der ohne weitere Bearbeitung im Internet gekauft wurde. Der Putzlappen ist ein Stück aus einem alten weißen Hemd mit sehr dünnem, feinem Stoff, den ich ein wenig mit Ölfarbe behandelt habe. Den Abzieher habe ich aus 2-mm-Messingdraht und 0,5-mm-Messingblech ausgeschnitten und zusammengelötet. Anschließend wurden die Teile grundiert und lackiert.

 

Aufsteller

Der Aufsteller ist ebenfalls ein kompletter Eigenbau auf Grundlage von verschiedenen Bildern aus dem Internet. Es wurden Polystyrolplatten in 1,5-mm-Stärke ausgeschnitten und zusammengeklebt. Anschließend wurde alles grundiert und mit der Airbrush lackiert.

Zuletzt wurde mit einem handelsüblichen Farbdrucker ein von mir vorher entworfener Schriftzug in weißer Schriftfarbe auf schwarzem Untergrund ausgedruckt, passend zurechtgeschnitten und mit einem Prittstift auf den Aufsteller geklebt.

 

Reifenrack

Das Reifenrack habe ich aus 1,5-mm-Messingdraht gebogen und die Einzelteile zusammengelötet. Danach wurde aus Polystyrol eine Werbetafel ausgeschnitten, die ich im Anschluss mit Sekundenkleber an die obere Stange geklebt habe. Danach wurde alles in Acrylfarbe „Metall“ mit der Spühdose lackiert. Zuletzt hab ich noch einen Werbeaufkleber genau wie bei dem Aufsteller ausgedruckt und mit einen Klebestift auf die Tafel aufgebracht. Die dafür verwendeten Reifen von Italeri sind die gleichen, die ich schon beim VW-Bus (siehe TRUCKmodell 1/2019) verwendet habe

 

Beleuchtung

Nach langer Suche im Internet fand ich endlich ein paar passende Außenleuchten, in der Form, wie sie in der damaligen Zeit sehr häufig auch für Tankstellen verwendet wurden. Fündig wurde ich im Eisenbahnzubehör im LGB-Maßstab (1:22,5 Piko Hauslampe Spur G). Leider sind diese Lampen mit den für uns unüblichen Birnen mit 18-Volt-Betriebsspannung ausgerüstet. Als Übergangslösung hab ich diese zunächst mit einer 9-V-Blockbatterie betrieben, welche leider nur ein schwaches Kerzenlicht erzeugt hat. Im Internet fand ich dann eine Schraubbirne E5,5 mit 3,5-4,5 Volt Spannung, die ich unter Verwendung eines eingelöteten Widerstandes nun mit einem Standard 7,2-Volt-Akkupack betreiben kann. Das Lampengehäuse habe ich dann in grün lackiert und an die Stirnwand des Daches geschraubt. Zur Kabeldurchführung musste ich leider das gesamte Dach (welches ich schon lackiert hatte) wieder zerlegen und die jeweiligen Stirnseiten der Dachteile durchbohren. Somit konnte ich nun das Kabel durch das Dach ins Tankstellenhäuschen legen, wo auch der Akku sowie der Ein/Aus-Schalter seinen Platz finden sollten.

 

Aufkleber, alte Werbung

Zur Verschönerung der Tankstelle habe ich mir verschiedene Werbeplakate der 60er und 70er Jahre aus dem Internet heruntergeladen, in entsprechender Größe auf normales Papier ausgedruckt, ausgeschnitten und anschließend mit einem Klebestift aufgeklebt.

 

Motorrad BMW K 75/5

Zufällig bin ich während des Baus auf dem Dachboden meiner Eltern auf eine Tüte voll mit Spielzeug aus meiner Kindheit gestoßen. Leider war das meiste in einem erbärmlichen Zustand. Meine Aufmerksamkeit erregte hierbei ein BMW-Modell, welches ich Mitte der 70er Jahre bekommen hatte. Eine BMW K75/5, die mittlerweile in einem sehr schlechten Zustand war. Das Motorrad war komplett zerlegt, einige Teile fehlten oder waren abgebrochen. Der Lack und der Chrom fehlten teilweise oder waren zerkratzt. Außerdem stimmte die Farbgebung verschiedener Teile überhaupt nicht.

Nachdem ich die Abmessungen mit einem Messschieber grob taxiert hatte, ergab meine anschließende Recherche und Berechnung, dass der Maßstab ungefähr 1:14 ergab und damit optimal zur Dekoration der Tankstelle passen würde. So war der Entschluss schnell gefasst, das Motorrad möglichst flott wieder instand zu setzen und originalgetreu zu lackieren. Ich will in diesem Bericht jedoch nicht näher darauf eingehen, sondern nur das Endergebnis präsentieren. Meiner Meinung nach hat sich der Aufwand gelohnt.

 

Alterung

Da das Ganze meiner Meinung nach zu neu und auch zu sehr nach Spielzeug aussah, hab ich mich für eine entsprechende Alterung entschieden.

Die dabei verwendeten Farben sind

Acrylfarbe

  • Vallejo sepia shade, black shade, schwarzbraune Tarnung (um Rost darzustellen), weiß sowie verschieden Basisfarben zum Trockenmalen
  • Tamiya Buff für allgemeine Staubeffekte

Ölfarbe

  • Lukas Umbra gebrannt, Umbra natur, grüne Erde
  • Schminke Titanweiß

Terpentinersatz

Bei der Alterung habe ich mit dem Dach begonnen. Dazu wurden die Ölfarben „Umbra gebrannt“ und „Umbra natur“ zusammen mit geruchsfreiem Terpentinersatz zu einer stark verdünnten „Schmutzbrühe“ vermischt und großzügig mit einem schmalen Pinsel in alle Vertiefungen eingebracht. Durch die Kapillarwirkung läuft die Brühe wunderbar an allen Rändern, Übergängen und Vertiefungen entlang. Der Vorgang kann nach der Trocknung beliebig oft wiederholt werden. Zu viel oder an falsche Stellen gelaufenes Öl kann auch noch lange nach der Trocknung einfach mit einem minimal mit Waschbenzin getränkten Lappen ganz leicht entfernt werden. Nachdem alles trocken war, habe ich die Farbe mit matten Vallejo-Klarlack aus der Dose fixiert.

Bei den Fässern, dem Ölkabinett und den Zapfsäulen wurden einzelne Lackabplatzer und grober dunkelbrauner Rost zunächst mit Vallejo 822 unregelmäßig aufgemalt. Zum Darstellen der Öl- und Rostläufer wurden zunächst mit einem feinen Pinsel einzelne Punkte mit unverdünnter Ölfarbe (Umbra natur) aufgemalt. Diese habe ich anschließend mit einem breiten Flachpinsel senkrecht nach unten gezogen. Danach erfolgte noch ein Washing mit den gleichen, stark verdünnten Ölfarben um allgemeine Witterungseinflüsse darzustellen. Auf die gleiche Weise wurden auch die Eckpfeiler aus Backstein sowie die Dachrinnen behandelt.

An einigen Stellen (z.B. dem Sockel) habe ich mittels Airbrush noch eine leichte Verstaubung mit Tamiya „Buff“ aufgenebelt. Auf ausgewählte Teile wurde ebenfalls mittels Airbrush und „Vallejo sepia shade“ und  „Vallejo black shade“ eine dezente allgemeine Verschmutzung aufgebracht.

Zu guter Letzt wurde noch bei einigen Teilen ein Trockenmalen (Drybrushing) durchgeführt. Der Sinn des Trockenmalens besteht darin, den Effekt von Licht und Schatten an einem Modell wiederzugeben. Dieser Effekt entsteht bei unseren Modellen aufgrund des Maßstabes (scale effect) leider nur unzureichend auf natürliche Weise, sodass man mit Trockenmalen nachhelfen muss. Das heißt, ich helle alle hervorstehenden Teile und Kanten auf, so wie es bei den realen Vorbildern der Lichteinfall tun würde.  Dazu gehe ich folgendermaßen vor: Ich mische zunächst den jeweiligen Grundfarbton des Bauteiles mit weiß oder einem anderen hellen Farbton ab. Die so aufgehellte Farbe nehme ich nun mit einem Flachpinsel auf und streiche diese sorgfältig auf einem Stück Papier aus, bis sich nur noch eine minimale Menge am Pinsel befindet. Mit dem so ausgewischten Pinsel, an dem sich nur noch wenige Farbpigmente befinden, wische ich nun diagonal über die entsprechende Kante. Fertig

Man könnte noch deutlich mehr detaillierte Alterungsspuren erzeugen, allerdings würde dies aufgrund der Vielzahl der zu behandelten Teile den Zeitaufwand nochmals deutlich erhöhen.

 

Transport

Es hat sich als äußerst praktisch erwiesen, dass sich die Tankstelle durch die auf der Rückseite befindlichen Schiebetüren öffnen lässt. Dadurch können fast alle Komponenten im „Officebereich“ zum Transport sicher verstaut werden.

 

Fazit

Als einfaches Projekt für zwischendurch geplant, hat sich beim Bau jedoch wieder einmal gezeigt, das aufgrund der erzielten guten Zwischenergebnisse wieder einmal das eine zum anderen kommt. So hat sich der vorher avisierte Arbeitsaufwand von ca. zehn Stunden um mindestens das 10fache erhöht. Ich musste mich daher zwingen aufzuhören, um ein Endergebnis präsentieren zu können.

Aber es hat jede Menge Spaß gemacht (Auf der Rückseite könnte man übrigens noch wunderbar einen Schuppen mit Werkstatt adaptieren … wer weiß)

 


Dateien aus Thingiverse

  • Tanksäule Antique 1:64 Scale Gas Pump, thing:2008036
  • Zweitaktsäule Visible Gas Pump, thing:3032061
  • Großes Fass Oil drum 200L (scale 1:14), thing:2092925

Die kleinen Fässer wurden einfach runterskaliert.

Die Tanksäulen wurden entsprechend hochskaliert.


Zurück zur Übersicht