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Krumme Sachen - Biegevorrichtung aus der Restekiste

Donnerstag, 22.04.2021 von Jörg Seinige Krumme Sachen - Biegevorrichtung aus der Restekiste

Ein guter Freund und Modellbauer, der sich nebenberuflich mit der Herstellung von Flugzeugmodell-Bausätzen beschäftigt, bat mich um Hilfe bei der Herstellung von Fahrwerksdrähten. Es gibt viele Universalbiegevorrichtungen, die anwendungsbedingt nicht gerade günstig in der Anschaffung sind.

In unserem Fall genügte eine einfache Vorrichtung zum Biegen von 4-mm-Federstahldraht. Wichtig waren dabei ein Längen- und ein Winkelanschlag, um identische Teile fertigen zu können.

Die Konstruktion erfolgte wie bei meinen meisten Projekten im Kopf. Vor dem abendlichen zu Bett gehen werden Papier und Stift auf dem Nachttisch deponiert und nicht selten werden sie in der Nacht benutzt. Alles Material konnte aus dem Bestand der Restekiste genommen werden und so ging es an die genaue Planung.

Mithilfe meines CAD-Programms, wurde die Biegevorrichtung auf das Papier gebracht und die Einzelteile dann herauskopiert. Bild 1 zeigt die verwendeten Materialien. Auf den Bildern 2.0-2.5 sind die bearbeiteten Teile zu sehen.

Zuerst entstand die Grundplatte, gefertigt aus einem Stück Flachstahl 10×40×500 mm. Alle Bohrungen wurden zentriert und nach Zeichnung eingebracht.

Die vier Gewinde M5 zur Befestigung der festen Backe wurden auch mithilfe der Maschine geschnitten. Für die große Bohrung Ø28 mm mit dem Absatz Ø32×2,5 mm habe ich nach dem Vorbohren, den Ausdrehkopf verwendet (Bild 3.0).

Es folgte die feste Backe aus einem Stück kalt gezogenem Flachstahl 6×10×70 mm, in den nur vier Befestigungsbohrungen Ø5 mm einzubringen waren (Bild 4.0).

Die Fertigung der Klemmbacke beschränkte sich auf das Ablängen und eine Bohrung mit dem Ø12H7. Als Material wurde Flachstahl 6×20×65 mm verwendet.

Die Schwenkbacke entstand aus einer Passfeder 8×8×40 mm. Es wurden zwei Bohrungen für Passstifte mit einem Durchmesser von 3 mm eingebracht und gerieben. Durch diese Stifte wird die Schwenkbacke am Schwenkbolzen gehalten und kann bei Bedarf getauscht werden.

Der Schwenkbolzen ist ein Drehteil mit Bund und einem Gewinde M20x1,5. Kopfseitig wurden zwei Bohrungen Ø3H7 für die Stifte der Schwenkbacke hergestellt. In der Mitte und auf einem Teilkreis sind zwei weite Bohrungen Ø6H7 eingebracht (Bild 5.0). In die Mittenbohrung wird ein Zylinderstift geschlagen, dieser dient als Biegepunkt und legt gleichzeitig den Biegeradius fest. In der zweiten 6-mm-Bohrung wird ebenfalls ein Zylinderstift platziert, er kommt jedoch nur zum Spannen des Schwenkbolzens im Schraubstock zum Einsatz, wenn der Achtkant SW14 gefräst wird (Bild 5.1).

Der Exzenterbolzen für die Klemmbacke wird in einer Spannung vorgedreht. Anschließend werden die Ø20 und Ø16 fertig bearbeitet (Bild 6.0). Nun kann das Teil umgespannt werden. Um den Exzenter von 2 mm herzustellen, wird unter eine Spannbacke des Dreibackenfutters ein 2-mm-Blech gelegt (Bild 6.1). Jetzt kann der vorgedrehte Teil des Bolzens auf das Fertigmaß von Ø12 mm bearbeitet werden (Bild 6.2). Der Bolzen wird abgestochen, erneut gespannt und plan gedreht (Bild 6.3). Nun fehlt nur noch die Gewindebohrung M6 für den Klemmhebel (Bild 6.4).

Die Anfertigung der unterschiedlichen Scheiben erfolgt von der Stange, dabei werden jeweils die erste Planfläche, die Bohrung, der Außendurchmesser und die Fasen fertig bearbeitet. Nach dem Abstechen spannt man die Scheiben erneut im Futter, um die zweite Seite plan zu drehen (Bild 7.0). Den Planschlag korrigiere ich mithilfe eines Kugellagers auf einer kurzen Achse, welches im Werkzeughalter gespannt wird (Bild 7.1). Nun kann das Kugellager vorsichtig gegen die Planfläche der rotierenden Scheibe gefahren werden, bis diese gleichmäßig läuft (Bild 7.2). Anschließend wird auf die benötigte Scheibenbreite geplant und gefast.

Die Montage der Teile erfolgte zunächst unlackiert, um die Passgenauigkeit zu prüfen.

Die benötigten Einzelteile sind auf Bild 8.0 zu sehen und die fertig montierte Vorrichtung auf Bild 8.1. Als Hebel für den Schwenkbolzen wurde ein Ringschlüssel SW14 verwendet, so kann die Stellung des Hebels leicht den Anforderungen angepasst werden. Nun konnte die Funktion überprüft, alles wieder zerlegt und lackiert werden (Bild 8.2).

Zum Arbeiten wird die Biegevorrichtung in einen Schraubstock gespannt. Als Längenanschlag dient ein kleiner Aluwinkel, der mit einer Zwinge an der Grundplatte befestigt wird. Als Anschlag für den Biegewinkel dient die Backe des Schraubstocks, in den die Vorrichtung gespannt wird. Das Ergebnis eines Biegeversuchs ist auf dem Bild zu sehen.

 

Resümee

Es müssen nicht immer teure Anschaffungen sein, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Wenn eine ausreichend gefüllte Restekiste vorhanden ist, sind kleine „Helferlein“ auch schnell selbst gebaut. Der Bau der Vorrichtung hat mir Freude bereitet und die damit gebogenen Teile konnten schnell den Weg in die Modellbaukästen finden.

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