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Schlepphaken in Funktion

Mittwoch, 26.08.2020 von Christian Kamp Schlepphaken in Funktion

Schlepphaken sind auf fast allen Schleppern zu finden. Ich möchte hier gern die Möglichkeit einiger auslösbaren Haken im Maßstab 1:50 beschreiben. Sicher lässt sich die Technik auch in andere Maßstäbe adaptieren, bei geringfügiger Anpassung meiner Umsetzung. Je größer der Maßstab, umso mehr ist möglich.

Aber warum funktionstüchtig? Reicht doch, wenn der Haken starr am Modell hängt, oder? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn der Haken nicht auslösbar ist, d. h. er sich nicht öffnen lässt, es bei einem eventuellen Kentern oder ruckartigem Abdriften des zu schleppenden Objekts, es den Schlepper mit in die Tiefe reißen kann. Ich denke, bei Gewichten um 200/300 g „an der Leine“, wird nichts passieren. Ein 6- bis-9-Kilo-Schlepper müsste meist noch über genug Auftrieb verfügen, um das abzufangen. Aber ich schleppe schon mal Modelle/Objekte, die an die 500 Kilo haben. Erstens sollte der Haken dafür stark genug ausgelegt sein und zweitens, wenn die Last mal sinken sollte, geht der Schlepper auch noch verloren. Das ist uns leider schon einmal passiert. Ein 160-cm-Schlepper war vor unserm Schlauchboot eingespannt. Etwas mehr Wind und einige kurze Wellen kamen von achtern, das Schlauchbot wurde recht schnell abgetrieben und weg war das Modell in nur 30 Sekunden. Deswegen würde ich gern zeigen, wie einfach es ist, einen Schlepphaken funktionstüchtig zu bauen und ihn per Fernbedienung auslösen zu können.

Warum nicht einfach aus Kunststoff bauen, warum aus Messing? Ich hab immer die Angst, dass Kunststoff, wenn es im Sommer zu warm wird, sich verzieht und dann der Haken nicht mehr funktioniert, wenn er benötigt wird. Ich hab meine hier gezeigten Vorschläge aus Messing gebaut, um auch sehr hohe Lasten sicher ziehen zu können.

Was braucht man dafür an Maschinen, um so einen Haken zu bauen? Eigentlich keine. Ich baue alles per Hand. Eine feine Säge für Metall, mehrere feine Metallfeilen und einige gute Bohrer reichen da schon aus. Nur zum Löten wird schon ein kleiner Gasbrenner benötigt.

Version 1

Die Variante Eins ist frei ohne Plan entstanden, nur nach Bildern aus dem Internet. Verbaut wurde hier ein 10-mm-MS-Rohr, ein 4×3-mm-U-Profil aus Messing, etwas 2-mm-Messingblech, einige Unterlegscheiben und Schrauben mit M2-Gewinde. Alles recht einfach im Fachhandel oder über Ebay zu bekommen.

Die Form des Hakens und der Sitz der Aufhängung sind wichtig! Er sollte, wenn die Halteklaue entriegelt wird, nur durch sein Eigengewicht aufschwingen. Nur so ist sichergestellt, dass, wenn unter Zuglast entriegelt wird, der Haken auch die Schleppleine richtig frei gibt. Einige Versuche im Vorfeld mit etwas Kunststoff, um den richtigen Winkel und den Aufhängepunkt zu finden, helfen beim Bau. Es gibt auch einige gute Modellbauzeichnungen zum Thema Schlepphaken. Die Halteklaue sollte in eine Art Verrieglung am Schlepphaken einrasten und eine Selbstauslösung  verhindern. Das ist alles nun doch sehr theoretisch, aber einige Versuche im Vorfeld mit Pappe oder etwas Kunststoff helfen beim Bau und dienen später dann auch als Schablone. Wer keine Fräse oder Ähnliches zur Hand hat, so wie ich, der schneidet sich alle Teile mit der feinen Eisensäge auf ungefähres Maß. Aufgezeichnet werden die benötigten Formen mit einem wasserfesten Marker. Dann wird mit verschiedenen feinen Schlüsselfeilen alles ausgefeilt. Keine Angst beim Feilen. Messing ist nicht sehr weich und lässt sich sehr fein abfeilen. Immer schön vorsichtig und öfter mal mit den anderen Teilen probehalber zusammensetzen, um den Sitz und das Spiel der Konstruktion zu testen. Wie auf meinen Bildern zu sehen, wird der Haken nur dadurch gehalten, dass die Halteklaue in ihn greift. Da die Teile aber auch bei Zug zusammenhalten sollen, drückt eine kleine Feder die Klinke gegen den Haken. An ihr ist ein 1-mm-Stahlseil befestigt, das unter Deck auf ein Servo läuft. Wird das Servo nun betätigt, schwingt die Klinke aus dem Haken, dieser klappt auf und die Trosse ist frei. Ganz simpel und ohne viel Aufwand. Das Servo hat nur ca. 1 kg Zugkraft. Das reicht selbst bei 500 Kilo am Haken zum Lösen. Was nun etwas schwieriger ist, ist das der Haken drehbar am Fundament gelagert wird. Dadurch ändert sich die Seillänge leicht. Das Servo muss also einen längeren Weg zum Auslösen fahren. Das muss vorher bedacht und eingestellt werden. Wem das hier zu frei gebaut ist und wer lieber einen nach Plan gebauten Haken am Modell verwirklichen möchte, für den sind Variante 2 oder 3 etwas. Jetzt wird es etwas aufwändiger beim Bau.

 

Der Haken der Version Eins in zerlegtem Zustand

Version Eins im verriegelten Zustand…

…sowie im entriegelten Zustand

Version 2

Variante Zwei ist nach Bildern und Plänen der Reederei entstanden. Der Schlepphaken wird nicht, wie bei Version Eins per Klinke ausgelöst, sondern mittels eines Bolzen, der gegen den Haken drückt. Wird der Bolzen zurückgezogen, klappt auch hier der Haken durch sein Eigengewicht und die Aufhängung von selbst auf. Wird hier allerdings der Bolzen wieder zurückgeschoben, schließt sich den Haken auch wieder selbständig. Hierfür muss aber ein Servo mit fast 7 kg Zugkraft benutzt werden, denn die Feder drückt den Bolzen gegen den Haken. Um diese nun zu spannen, so dass der Bolzen zurückgleitet, wird schon sehr viel Kraft benötigt. Wäre die Feder schwächer, würde der Haken beim Schlepp von alleine, nur durch die Zugkraft der Leine auslösen. Es gäbe die Möglichkeit, hier mit einem Bowdenzug aus dem Flugmodellsport zu bauen. Er kann Zug und Druck erzeugen. Dann könnte auch mit weniger Stellkraft gearbeitet werden. Leider habe ich keinen so dünnen Bowdenzug für meine Zwecke gefunden. Auch hier wird wieder, wie oben erwähnt, mit der Säge und Feile gearbeitet. Hier ist der U-Winkel 5×5 mm, um den Bolzen von 2,5 mm innen aufzunehmen.

Das Vorbild der Version 2

Hier ist gut der Bolzen zu sehen, der den Haken der Version Zwei hält

Version 3

Variante Drei ist etwas für die Scalemodellfans. Der Schlepphaken ist nach Plänen des Herstellers entstanden und musste nur minimal abweichend zum Original aufgebaut werden. Leider habe ich keine so kleine Feder gefunden, die zwischen die Bleche passte und dann auch noch die Klinke zurück drücken konnte. Die Seiten des Hakens sind aus 0,3-mm-Messingblech. Die Bolzen sind teilweise nur 0,6 bis 0,8 mm und die Schrauben haben M1,6. Im Inneren ist eine Klinke verbaut, die, wie bei Version Eins, den Haken hält. Ich hab den Plan des Herstellers als Schablone beim Bau benutzt. Das erspart viel experimentieren. Auch hier wird mittels eines Seils, das unter Deck auf ein Servo geht, die Klinke bewegt. Die Besonderheit ist, dass der Haken horizontal und vertikal bewegt werden kann. Das fordert dem Servoweg schon einiges ab. Aber auch hier reicht 1 kg Zugkraft, um den Haken frei zu geben, aus.

Wer nun meint, dass dies alles viel zu aufwendig ist, sollte einmal mit dieser Art von Haken einen Job fahren. Nach Beendigung Desselben nur mit einem Finder per Fernsteuerung die Trosse freigeben zu können, und entspannt zum Anleger zurück zu dampfen, ist immer wieder ein Spaß.

Der Haken der Version Drei am Schleppbock

Der Mampaey DCX18-100 am Modell

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