Zum Shop

FMT Blog

Montag, 11.09.2017 von Michael Rützel 23. Semiscaletreffen in Mettingen

Auch in diesem Jahr traf sich die Semiscaleszene zum nunmehr 23. Mal auf dem fantastischen Modellflugplatz in Mettingen-Nierenburg. Am 6. und 7. Mai zog es 74 Toppiloten aus der Szene mit insgesamt knapp 100 Modellen ins Tecklenburger Land.

Die Bandbreite die gezeigten Modelle war dabei wie immer enorm, kein Flugtagthema lässt so vielfältige Fluggeräte zu wie der Bereich Semiscale, vom RC-Fallschirmspringer über Warbirds bis hin zu Großseglern und Turbinenhelikoptern war alles vertreten was der Flugzeugbau in den letzten 100 Jahren als Vorbild für einen Modellnachbau hervorgebracht hat.  

Mit seiner 180 x 35 m großen Bahn bietet der 1963 gegründete Modellflugverein auch für größere und schwerere Modelle beste Voraussetzungen, auch die perfekte Infrastruktur des Flugplatzes mit seinem großzügigen Clubhaus sorgte an diesem Wochenende für zufriedene Piloten und Zuschauer. Traditionsgemäß nutzen auch viele modellflugfremde Besucher diese Veranstaltung für einen schönen Ausflug und wurde auch in diesem Jahr bei perfektem Wetter nicht enttäuscht. Alle Modelle vorzustellen ist natürlich unmöglich, einige besondere möchte ich Ihnen aber etwas näher präsentieren, in der Bildergalerie finden Sie viele weitere Bilder.

 

Handley Page HP 42

Eines der Highlights in diesem Jahr war sicherlich die Handley Page HP-42 von Peter Wolf. Dieser Nachbau eines englischen Passagierdoppeldeckers aus den Jahre 1930 beindruckte schon alleine durch seine Größe mit einer Spannweite von 4,95 m und einem Abfluggewicht von 57 kg. Die 600 stündige Konstruktionsphase und die anschließende 5000 stündige Bauzeit zogen sich über 5 Jahre. 2014 machte das Modell dann seine ersten Flüge und wurde vom DMFV geprüft und zugelassen. Angetrieben wird das nicht alltägliche Modell von 4 Sternmotoren mit jeweils 7 Zylinden und 77 ccm Hubraum. Jeder dieser Viertakt-Methanolmotoren aus dem Hause Evolution hat knapp 5 PS Leistung die er auf eine 18x12er Menz 4 Blatt Holzluftschraube überträgt. Der Aufbau des Modells erfolgt in Gemischtbauweise, größtenteils jedoch klassisch in 4 mm Pappelsperrholz, der Passierbereich des Rumpfes sowie die vorderen Bereiche der Motorgondeln sind in GFK aufgebaut. Bespannt sind die Tragflächen und Leitwerke mit Oratex Folie, die obere Tragfläche mit luftfahrzugelassener Oratex 900. Als RC-System wird eine Multiplex Profi TX sowie Servos von Multiplex und Savöx eingesetzt.

Das Flugbild des detailliert ausgeführten Modells, von Peter vorbildgetreu geflogen, ist sehr beeindruckend, woran natürlich auch der fantastische Sound der vier Sternmotoren einen großen Anteil hat.

  

 

Piper TG-8

Noch seltener als Modellnachbau zu sehen ist ein Muster, dass den meisten von uns noch nicht einmal bekannt sein dürfte. Torsten Hill aus Wuppertal baute die 2,8 m spannende Piper TG-8 nach, einem amerikanischen Segelflugzeug das in den 1940er Jahren zur Schulung von Lastenseglerpiloten aus einer Piper J-3 Cub entwickelt wurde. Die USAAF und die US-Navy bestellten insgesamt 253 Stück dieses 3-sitzigen Schulungsflugzeuges von denen es leider kein einziges flugfähiges Exemplar mehr gibt. Der Prototyp des Originals wurde seinerzeit aus einer normalen Piper Cub gebaut, Torsten beschritt den gleichen Weg und modifizierte in 3 Monaten eine normale Tony Clark Piper J-3 im Maßstab 1:3,8. Der hintere Rumpf, die Leitwerke und die Tragflächen blieben dabei unverändert, der vordere Rumpf und das Fahrwerk wurde jedoch neu konstruiert und an das interessante Vorbild angepasst. Das Modell hat ein Abfluggewicht von 8 kg und wird, wie das Original per F-Schlepp in die Luft befördert. Dass die Aerodynamik nicht mit einem modernen Segelflugzeug mithalten kann ist natürlich klar, das Flugbild dieses außergewöhnlichen Modells jedoch ist einmalig.

 

Embraer T-27 Tucano

Nicht weniger beeindruckend, aber einen anderen Weg beschritt Philipp Wartmann mit seiner Embraer T-27 Tucano. Das Modell stammt von Composite ARF und hat ebenfalls eine Spannweite von 2,8 m. Dieser Nachbau eines brasilianischen Jettrainers und leichten Angriffsflugzeuges wird wie das Original von einer Propellerturbine angetrieben. Das Vorbild nutzt eine Pratt & Whitney Canada PT6A-25C mit 750 WPS, das Modell mit einem Maßstab von 1:4 bedient sich einer Jetcat SPT10 RX. Dieser Zwei-Wellen Turboprop mit 10Kw Leistung reicht aus das Modell auf eine beeindruckende Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h zu treiben, was nicht nur verdammt schnell aussieht, und natürlich auch ist, es hört sich dabei auch noch fantastisch und sehr originalgetreu an. Wobei der einstellbarer Ramoser 24``3-Blatt Propeller sicherlich seinen Teil hinzu tut. 23,8 kg schwer und im Design der Brasilianische Luftwaffenkunstflugstaffel - Esquadrilha da Fumaça ist das Modell ansonsten auch mit den feinsten Komponenten aus dem Hause Powerbox, Jeti und Behotec ausgestattet. Am Boden schon eine Augenweide zeigt sie in der Luft ihr wahres Potential.

 

Messerschmitt Me 163 und Heinkel He 162

Wenn in der Modellflugszene von Warbirds geredet wird fällt unweigerlich der Name Legendary Fighters die mit ihren Formationsflügen und Shows weltweit auftreten und bekannt sind. Die meisten der Legendary Fighter Piloten fliegen propellergetriebene Warbird, Armin Morgenweck und sein Kollege Sebastian Drees zeigen jedoch auch gerne ihre Jets aus den Anfängen der propellerlosen Jagdflugzeuge. In Mettingen hatten sie ihre beiden Heinkel He 162 Salamander und eine Messerschmitt Me 163 Kraftei dabei und flogen sie im, wie immer legendären Display der Legendary Fighters.

Die im Original von einem Walter Raketentriebwerk angetriebene Me 163 hat als Modell eine Spannweite von 2,36 m bei einem Abfluggewicht von 15,5 kg. Die eingebaute Frank FT 180 Raptor sorgt mit ihren 18 kp Schub für einen Speed von 310 km/h. Bei dem 1:4 Modell handelt es sich um einen Prototypen von Alfred Brenzig der Firma Storchenschmiede. Eine Besonderheit sind die seitlich am Rumpf ausfahrbaren Bremsklappen die die Landung des Kraftei wesentlich entspannter machen.

Im Gegensatz zum Kraftei wurde das Original der Heinkel Salamander mit einem der frühen Strahltriebwerke, dem BMW-003 ausgestattet, im Modell arbeitet ebenfalls ein Strahltriebwerk, hier ein Frank TJ 74S. Die beiden Modelle sind eine Voll-GFK Konstruktion von Peter Maissinger, haben 2 m Spannweite bei einer Rumpflänge von 2,5 m und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h. Inklusive 4 Liter Kerosin haben sie ein Abfluggewicht von 21 kg und haben nach Aussage der Piloten sehr gute Flugeigenschaften. 

Zurück zur Übersicht