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FMT Blog

Donnerstag, 30.04.2020 von Thomas Stier, Autoren-Beiträge zur Corona-Krise Modellflug kann Abstand!

Die Folgen der Pandemie spüren alle Gesellschaftsschichten in Deutschland. Neben den direkten Auswirkungen auf das Gesundheitssystem sind die Wirtschaft und auch unser Privatleben stark betroffen. Aufgrund der positiven Entwicklung der Neuinfektionen haben inzwischen Betriebe die Arbeit wieder aufgenommen und erste Geschäfte sind wieder geöffnet, aber außer Geisterspielen und Geisterrennen im Profisport sind fast alle Sport- und Vereinsaktivitäten weiterhin nicht möglich. Natürlich, denn das Zusammenkommen, das Gemeinsame ist das Wesen der Aktivität im Verein und das ist genau, was in Zeiten von Corona nicht gewollt und nicht erlaubt ist. So ist auch unser letzter Hallenflugtermin Ende März ausgefallen, da alle öffentlichen Einrichtungen und damit auch die Turnhalle geschlossen wurden. Und eine Woche später war auch unser Fluggelände in Aspach nach der Verordnung über infektionsschützende Maßnahmen in Baden-Württemberg geschlossen.

Unsere Pläne für Arbeitsdienst, Flugsicherheitsschulung, Training für die Jugendmeisterschaften – alles Makulatur. Bei bestem Wetter blieben die Flugzeuge im Keller, und manche Mitglieder haben berichtet, dass sie in ihrer Verzweiflung angefangen haben, spazieren zu gehen oder Fahrrad zu fahren!
Nach Ostern hörten wir, dass vereinzelt Modellfluggelände wieder geöffnet werden durften, wenn den Ordnungsämtern ein schlüssiges Konzept vorgelegt wurde. Unsere Modellfluggelände sind in der Regel weiträumig, unser Hobby findet zumindest in der warmen Jahreshälfte im Freien statt, und so glaubten wir, mit einem durchdachten Plan müsste es möglich sein, die Behörde davon zu überzeugen, dass wir unser Hobby sicher und im Einklang mit der Rechtslage ausüben können.
Zur Klärung, ob wir das Fluggelände rechtlich überhaupt öffnen durften, kontaktierte unser Vorstand zunächst das Ordnungsamt. Die Corona-Verordnung sieht vor, dass Sportstätten als private, abgegrenzte Bereich gesperrt sind. Unser Fluggelände ist aber nicht eingezäunt, sondern allseits offen und gilt daher als öffentlicher Raum. Damit war grundsätzlich eine Öffnung möglich und die erste Hürde genommen.
Da im öffentliche Raum maximal zwei Personen zusammenkommen durften und alle anderen einen Abstand von 1,5 m einhalten mussten, war klar, dass die Anzahl der auf dem Gelände anwesenden Piloten limitiert werden musste. Für den Anfang beschränkten wir die Anzahl auf maximal vier Personen. Damit Klarheit herrschte, wer wann auf dem Flugplatz sein konnte und unnötige Anfahrten vermieden werden konnten, nutzen wir einen Internet-Kalender (Doodle.com). Jeder Tag wurde in 90-Minuten-Blöcke unterteilt, für die sich maximal vier Mitglieder eintragen konnten. Gleichzeitig wurde per Rundmail an alle Mitglieder kommuniziert, wie die Abstandsregeln auf dem Fluggelände einzuhalten waren: Parken mit mindestens einem leeren Parkplatz zwischen den Fahrzeugen, kein „geselliges Beisammensein“, Betreten unserer Hütte immer nur durch eine Person, um das Flugbuch zu führen oder Akkus zu laden. Beim Betreten und Verlassend der Hütte war das Desinfektionsmittel zu nutzen, das an der Tür bereitgestellt war. Alle Piloten sollten nach Ablauf ihres 90-Minuten-Blocks zügig zusammenpacken und das Gelände verlassen.
Dieses Konzept wurde von unserem Vorstand ausformuliert und dem Ordnungsamt übermittelt. Dieses stimmte der Öffnung unter den beschriebenen Bedingungen zu und informierte auch das zuständige Polizeirevier darüber, dass unser Flugbetrieb wieder erlaubt ist. Somit haben wir am 17.04.2020 unseren Flugbetrieb wieder aufgenommen. Ideal? Sicher nicht, aber allemal besser als spazieren gehen. Die Disziplin ist vorbildlich, alle Piloten tragen sich in den Doodle-Kalender ein, halten sich an Zeitblöcke und Abstandsregeln.
Auch unsere Jugendarbeit können wir nun fortsetzen. Donnerstag ist wie bisher für den Nachwuchs vorgesehen, nur dass wir jetzt immer nur in kleinen Gruppen fliegen und alle 90 Minuten wechseln müssen. Mit kabellosem Lehrer/Schüler-System kann weiter mit Anfängern geübt werden, während trotzdem die Abstände immer eingehalten werden. Aber natürlich fliegen wir mit den Jugendlichen auch an anderen Zeiten – so zum Beispiel am 26.04.2020: Das war der 10. Geburtstag von Lusie, und sie hat an diesem Tag den DMFV-Modellpilot in Bronze gemacht. Trotz Corona.
Und wie sind nun unsere Erfahrungen nach zwei Wochen Corona-Flugbetrieb? Für die meisten von uns eine tolle Sache! Für die Flieger von großen Modellen sind die 90-Minuten-Blöcke zu kurz, da lohnen sich Antransport und Aufbau kaum. Wir haben deshalb die Zeiteinheit probeweise auf zwei Stunden verlängert. Damit können weniger Piloten pro Tag fliegen, haben aber etwas mehr Zeit. Da Vereine um uns herum weiterhin geschlossene Plätze haben, erlauben wir jetzt auch Gastpiloten, aber zunächst nur auf Einladung.
Wir lernen jede Woche dazu, hören uns das Feedback der Mitglieder an und versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Derzeit planen wir schon das Sommer-Ferienprogramm für die Kinder aus Aspach. Die Gemeinde hat angefragt, ob wir das dieses Jahr für möglich halten und wir haben spontan „Ja!“ gesagt. Wir glauben fest daran, dass wir Anfang August unser Ferienprogramm machen können. Vielleicht vorsichtiger als sonst, vielleicht ein bisschen anders, aber irgendwie wird es möglich werden. Natürlich mit einem ausgearbeiteten Konzept, dass die Sicherheit von Kindern und Betreuern sicherstellt. An dieser Kommunikation erkennt man auch einen wichtigen Aspekt für die Öffnung des Fluggeländes: Unser Vorstand pflegt ein gutes Verhältnis zur Gemeindeverwaltung, wir sind bekannt und werden unter anderem für unsere Jugendarbeit, unseren alljährlichen Flugtag und unser Ferienprogramm geschätzt. Das gute Verhältnis sorgt natürlich auch für ein offenes Ohr, wenn wir mit einem Anliegen vorstellig werden.
Wir gehen auch immer noch davon aus, dass unser Flugtag am 19. und 20. September in Aspach stattfinden wird. Das hängt natürlich von der weiteren Entwicklung der Pandemie und der Rechtslage im September ab, aber wir sind einfach optimistisch. Das Oktoberfest in München ist abgesagt, aber es könnte sein, dass ein kleines schwäbisches Dorf im September ein Flugfest feiert. Corona zum Trotz!

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