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FMT Blog

Dienstag, 14.02.2017 von Reinhard Schott, DAeC-Prüfer Porträt: Zulassungspflichtige F-104 von Airworld

Es war auf dem Flugplatz Manching bei einem "Familientag", ich glaube 2006, als eine Rotte F-104 Starfighter der italienischen Luftwaffe zum Schauflug startete. Flugbild, Fluggeräusch und die Art des gezeigten Programms begeisterten alle Zuschauer und der Sprecher ließ sich zu dem Ausruf „das erotischste Kampfflugzeug der Welt!“ hinreißen. Das war ein ganz besonderes und wahrscheinlich nicht zu wiederholendes Erlebnis und hat wahrhaftig Gänsehaut erzeugt. Ein vergleichbares Ereignis begab sich im August 2016 am Flugplatz Auerbach/Vogtland, als Thomas Roth mit seiner F-104 von Airworld zum ersten Prüfungsflug abhob.

Doch der Reihe nach
Noch im Winter rief Thomas bei mir an und berichtete von seinem neuen Projekt. Eine F-104 sollte es werden, aus einem Bausatz von Airworld, im Maßstab 1:4. Das bedeutet ca. 4,2 m Rumpflänge und nicht ganz 1,7 m Spannweite, ohne Tiptanks – immerhin. Ohne jetzt den vielstrapazierten Vergleich mit der Hummel zu bemühen: Das aerodynamische Konzept der Maschine ist zumindest beachtlich. Die Abmessungen des Modells entsprechen, unter Berücksichtigung des Maßstabes, ziemlich gut denen des Originals, bis hin zum Pendel-Höhenruder und dem Flügelprofil, das extrem dünn ist und einen Nasenradius hat, der dieses Wort genaugenommen gar nicht verdient.

Sicherheit an erster Stelle
Thomas, der bereits mehrere Modelle beim DAeC zur Zulassung gebracht hat, ist ein Modellbauer und Pilot, der keine Kompromisse macht und bei dem die Sicherheit immer an erster Stelle steht. Als treibende Kraft setzt er stets auf Frank-Turbinen, im Fall des Starfighters auf die FT 250. Mit Kerosin versorgt wird das gute Stück aus einem insgesamt 6,5 l fassenden Tanksystem.
Auf allen wichtigen Funktionen arbeiten Hitec-Servos vom Typ HSB 9380 TH und verrichten dort ihren Dienst bislang absolut spielfrei. Pro Ruderklappe arbeitet ein Servo, nur auf dem Pendel-Höhenruder zwei. Diese haben ihren Platz im Fuß des Seitenleitwerkes und sind über eine Wippe und eine Steuerstange mit dem Ruder verbunden. Auch das funktioniert spielfrei, eine überlebenswichtige Voraussetzung, um so ein Modell sicher zu fliegen.


Das Fahrwerk der Maschine ist sehr an das Original angelehnt, der pneumatische Ein- und Ausfahrvorgang begeistert den Betrachter. Den Prüfer wiederum freut es, dass ein Reserveluftkreis eingebaut ist, der bei eventuellem Versagen des Hauptkreises das Fahrwerk sicher ausfährt. Lackiert ist das Modell nach dem Vorbild einer Einsatzmaschine der Bundesluftwaffe mit Liebe zum Detail und den vielen Scale-Wartungshinweisen und -Beschriftungen, die es zu etwas Speziellem machen.

32 kg Abflugmasse
Knappe 32 kg max. Abflugmasse zeigte dann das Display der geeichten Waage und die errechnete Belastung der Tragflächen im positiven Lastfall betrug somit ca. 230 kg. Diese auf der zur Verfügung stehenden Fläche unterzubringen, ist gar nicht so einfach. Wie stets bei Muster- oder Einzelstückprüfungen sind die Abnahmeflüge der Höhepunkt. Thomas, der mit seinem Fliegerkameraden Heiko auf den speziell für Abnahmeflüge über 25 kg zugelassenen Flugplatz nach Auerbach gekommen ist, strahlt eine unerschütterliche Ruhe aus.


Die Abnahmeflüge
Nach dem positiv verlaufenen Abarbeiten aller Vorprüfungen rollt die F-104 zum Startpunkt. Das Triebwerk fährt zügig hoch und beschleunigt die Maschine rasch auf die erforderliche Abhebegeschwindigkeit. Problemlos zieht der Pilot sie hoch und liefert nach einigen Eingewöhnungsrunden das vorher festgelegte Flugprogramm ab. Die Maschine liegt satt in der Luft und folgt unmittelbar den Ausschlägen der kleinen Ruderklappen. Das ganz besondere Flugbild des Starfighters mit seinem langen Rumpf, den Stummelflügeln und der negativen V-Form ist beeindruckend und der kraftvolle Sound des Triebwerkes unterstreicht das noch. Den Abschluss bildet dann die vorbildgetreue Landung mit hohem Anstellwinkel – und da ist es ganz stark wieder, dieses Gänsehaut-Gefühl…

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