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FMT Blog

Montag, 24.10.2016 von Michael Rützel Reisebericht: Duxford Flying Legends

Jeder, der sich für die Luftfahrt interessiert hat, sicherlich schon einmal was von Duxford gehört, Fans von Warbirds sowieso. Doch was ist das eigentlich, dieses sagenumwobene Duxford, was läuft da und wie kommt man da hin? Eine Bildergalerie zu unserer Duxford-Reise gibt's hier.

Wenn Flugzeugfreaks von Duxford sprechen, meinen sie in der Regel das IWM, das Imperial War Museum in der englischen Ortschaft Duxford, 20 km südlich der weltberühmten Universitätsstadt Cambridge in Ostengland. Das IWM-Duxford befindet sich auf einem ehemaligen Militärflugplatz und ist ein Teil des Londoner Imperial War Museums.
Die Außenstelle Duxford hat sich dabei auf Flugzeuge spezialisiert. Neben den meist britischen Exponaten beheimatet das IWM auch das American Air Museum. In dem vom Architekt Norman Foster entworfenen Hangar befindet sich die größte Sammlung amerikanischer Militärflugzeuge außerhalb der USA, unter anderem ist hier eine B-52 und eine SR-71 ausgestellt. 1968 wurde auf dem Flugplatz in Duxford der Harry-Salzman-Film Battle over Britain gedreht. Leider sprengte man für den Film einen der vier historischen Hangars.
Die in Duxford gezeigten Ausstellungsexponate suchen weltweit ihresgleichen, zumindest in Europa gibt es nichts Vergleichbares, insbesondere, weil ein Großteil der historischen Flugzeuge flugfähig ist und regelmäßig in der Luft gezeigt wird. So z.B. bei der jährlichen Flying Legends Airshow, die 2017 am 8. und 9. Juli stattfindet. Ich möchte mit diesem Bericht ein paar konkrete Tipps geben, um die Faszination Duxford einmal selbst zu erleben. Aber seid gewarnt, es könnte sein, dass sich daraus für Sie ein fester Termin für die folgenden Jahre ergibt.

Reisevorbereitung
Großbritannien gehört zwar im Moment noch zur EU, mit Euro bezahlen geht jedoch auf der Insel nicht. Das bedeutet, dass man sein Geld in Britische Pfund umtauschen muss. Der ungefähre Umrechnungskurs: 1 Euro entspricht 0,87 Britische Pfund bzw. 1 Britisches Pfund entspricht 1,15 Euro.
Natürlich kann man sein Geld am Flughafen in England umtauschen, das ist bequem am Automaten oder an einem Wechselschalter möglich. Da diese Methode vom Kurs her eher ungünstig ist, empfehle ich: Wechselt vorher in Deutschland bei Ihrer Hausbank. Selbstverständlich ist es möglich, fast alles in England mit der Kreditkarte zu zahlen, auch wenn es nur zwei Brötchen beim Bäcker sind, bedenkt aber auch hier, dass häufig Gebühren hinzukommen können.
Es macht durchaus Sinn, die Tickets für die Flying Legends Airshow vorher per Internet zu buchen und zu bezahlen. Das kostenlose Parkticket müsst Ihr definitiv vorab per Internet buchen, ein Parkticket vor Ort zu erwerben ist leider nicht möglich!

Anreise per Auto
Die Anreise nach Duxford ist recht einfach, man muss sich nur entscheiden, wie man anreist, mit dem eigenen Auto oder per Flugzeug. Bei der Anreise per Auto ist es auf alle Fälle nötig, eine Kanalüberquerung per Fähre oder durch den Eurotunnel einzuplanen. Für Anreisen aus Süddeutschland kann es sinnvoll sein, die Calais-Dover Verbindung zu nutzen, wenn Ihr aus dem Norden anreist, empfehle ich die Fährverbindung zwischen Hoek van Holland und Harwich. Diese Verbindung hat mehrere Vorteile gegenüber der kurzen Ärmelkanalquerung Calais-Dover: Die Fähre fährt nachts, das heißt, man kommt schon einmal entspannt in England an. Außerdem liegt Harwich etwas näher am Ziel und Ihr müsst mit dem Auto nicht durch den Großraum London mit seinem starken Verkehr. Von Harwich sind es dann nur noch ca. 70 Meilen (113 km), die man in ca. 1,5 Std problemlos schaffen kann. Die Entfernung Dover – Duxford beträgt ca. 120 Meilen (knapp 200 km) und führt teilweise über mautpflichtige Straßen.

Anreise per Flugzeug
Ich bevorzuge eine Anreise per Flugzeug in Kombination mit einem Mietwagen. Die Vorteile hier sind die wesentlich kürzere Anreisezeit und die geringere Fahrtstrecke auf den englischen Straßen mit dem Linksverkehr. Der Linksverkehr ist für uns sicherlich etwas ungewöhnlich, auch die Tatsache, dass es in England wesentlich mehr Kreisverkehre gibt als in Deutschland, man gewöhnt sich jedoch recht schnell daran. Mit einem Rechtslenker-Mietwagen ist das Fahren in England übrigens einfacher als mit einem deutschen Fahrzeug mit dem Lenkrad auf der linken Seite.
Der Zielflughafen für einen Trip nach Duxford ist der ca. 55 km nördlich vom Londoner Stadtzentrum entfernte Flughafen London Stansted Airport. Dieser liegt nur 20 Meilen vom IWM Duxford entfernt und wird von vielen deutschen Städten aus angeflogen, z.B. von Germanwings. Wir fliegen z.B. von Köln oder Düsseldorf aus in ca. 55 min. nach Stansted, von Stuttgart aus fliegt man ca. 90 Minuten und von München oder Berlin ca. 1:50 min.

Mietwagen
Leider ist das Netz der britischen öffentlichen Verkehrsmittel für unsere Zwecke nicht besonders geeignet, Ihr bräuchtet z.B. vom Flughafen Stansted bis zum IWM mit Bussen und Bahnen ca. zwei Stunden. Ein Mietwagen macht daher Sinn. Es empfiehlt sich auch hier, diesen bereits in Deutschland zu buchen, alle großen Mietwagenverleiher haben in Stansted eine Station. Diese liegt allerdings etwas außerhalb des Flughafens in der „Car Rental Village“, welches Ihr mit dem kostenlosen Shuttlebus bequem erreicht Folgt hierzu einfach am Flughafen den Hinweisschildern „Car Rental Village“.

Übernachten
Die Übernachtungen in England sind meist nicht sehr preiswert, wobei ja hier jeder etwas anderes unter „preiswert“ versteht. Für „normale“ Ansprüche ausreichend sind meist die Hotels der Days-Inn-Kette, wie z.B. das Days Inn London Stansted, welches nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernt liegt. Oder auch das Stevenage North Days Inn Hotel in Stevenage, etwa 29 Meilen von Duxford entfernt. Ich empfehle dieses Hotel, wenn Ihr meinen Reisevorschlag annehmen und am Sonntag zur Shuttleworth Collection möchtet, da dieses Hotel zwischen Duxford und Old Warden liegt.
Beide Hotels liegen, wie die meisten der Days Inn Hotels, in den so genannten „Services“, das sind zentrale Servicestationen, die in der Nähe der Autobahnen liegen. Hier gibt es meist mehrere Hotels, Tankstellen, Kioske und Restaurant und Schnellrestaurants, die häufig sehr ausgedehnte Öffnungszeiten haben. Im Gegensatz zu den deutschen Autohöfen hat man hier in der Regel aber weniger Lkw-Verkehr, dafür aber schon mal Ladestationen für Elektrofahrzeuge.

Früh lohnt sich
Nun geht es endlich los, Ihr seid ausgeschlafen, habt gefrühstückt und freut Euch auf einen unvergleichlichen Tag mit dem Sound von Rolls-Royce-Merlin Motoren. Das Imperial War Museum öffnet am Samstag und Sonntag um 9 Uhr vormittags, die Parkplätze sind ab 8 Uhr geöffnet. Alle Parkplätze sind sehr nahegelegen, teilweise sogar direkt auf dem Flugplatzgelände, so dass Ihr Eure Picknikdecke vor Ihrem Fahrzeug ausbreiten und der Airshow folgen können. Ich empfehle auch, spätestens um 9 Uhr dort zu sein. Und zwar ganz einfach aus dem Grund, dass es noch sehr viel zu sehen gibt, bis um 14 Uhr die Flying Legends Airshow mit einem Massenstart von 10 bis 15 Supermarine Spitfires beginnt. Schaut Euch vorher in aller Ruhe die am Flugprogramm teilnehmenden Maschinen direkt an der Flightline an. Bis 12 Uhr ist diese geöffnet, und die zusätzlichen 5 Pfund solltet Ihr auf alle Fälle investieren. Hier kommt man bis auf wenige Meter an die Flugzeuge heran und kann nach Herzenslust fotografieren. Macht Euch keine Gedanken, wenn Euch dabei einer der Ordner vor die Linse läuft, ganz im Gegenteil. Ihr werdet es sogar mögen, denn die Herrschaften haben nicht wie in Deutschland üblich gelbe Warnwesten mit einem großen Ordnerschriftzug an, sondern sind zeitgenössisch als Pilot, Mechaniker oder Krankenschwester gekleidet.



Vintage Village
Danach solltet Ihr Euch auf alle Fälle noch mindestens zwei bis drei Stunden Zeit für die Hangars des Museums nehmen. Eine Großzahl sehr interessanter Exponate, hauptsächlich britischer Flugzeuge, sind hier zu sehen. Das geht von der Vulcan über die Concorde, zum Harrier oder der Comet. Auch im Außengelände sind einige klassische Airliner zu sehen, die auch betreten werden können. Und vergesst das American Air Museum nicht. Auf dem Weg dorthin, Ihr werdet an diesem Tag einige Kilometer laufen, kommt Ihr am Vintage Village vorbei. Auf diesem freien Platz, an dem übrigens der 1968 für einen Film gesprengte Hangar stand, gibt es viele Unterhaltungsmöglichkeiten, z.B. zeitgenössische Musik der Manhattan Dolls, oder Stan und Oli in ihrem Ford Modell T. Auch die Modellflieger haben hier eine große Fläche, auf der sie ihre Modelle dem staunenden Publikum zeigen.

Der Sound der Merlins
Um 14 Uhr ist es dann soweit. Ihr werdet es hören, die Rolls-Royce-Merlin- und Griffon-Motoren der Spitfires werden angelassen und die Maschinen starten in Dreierformationen in den britischen Himmel. Bis zu 15 Spitfire von der Mark I bis zur Mark XVIII lassen die Erde erbeben. Die Piloten schonen ihre bis zu 80 Jahre alten, aber in Topzustand befindlichen Maschinen dabei nicht. Es wird nicht in 500 Meter Höhe mit einem Abstand von weiteren 500 Metern geflogen, sodass man nur kleine Punkte sieht, sondern so wie es sich für Warbirds gehört: Tiefflüge in Formation, Rollen, Loopings und Turns, genau das was wir Fans sehen wollen, bekommen wir hier geboten.
So geht es dann Schlag auf Schlag weiter: Mustangs, Corsairs, See Furys, Messerschmitts und die fantastische Boeing B-17 „Sally B“ sorgen dafür, dass man aus dem Gänsehautfeeling nicht mehr herauskommt. Der Höhepunkt ist dann gegen 18 Uhr, wenn alle Maschinen noch einmal gleichzeitig in der Luft sind. Der „Balbo“, der Massenüberflug ist akustisch wie optisch das Beste, was sich ein Flugzeugfan wünschen kann. Als Abschluss, bevor Ihr Euch auf den Weg zu Eurem Hotel macht, empfehle ich noch einen weiteren Besuch im Vintage Village: Die Manhattan Dolls singen, ebenfalls zeitgenössisch gekleidet, zum Abschluss Songs aus den 1940er Jahren.



Old Warden – Shuttleworth Collection
Der erste Tag war sicherlich sehr anstrengend und Ihr seid von den ganzen Eindrücken noch immer fasziniert. Daher lassen wir den zweiten Tag doch etwas ruhiger angehen, aber ganz ohne historische Flugzeuge geht es natürlich nicht. Die Shuttleworth Collection am Flugplatz Old Warden ist ein kleines, aber sehr feines Flugzeugmuseum, nur wenige Meilen entfernt. Luftfahrtpionier Richard Shuttleworth gründete seine Sammlung, die auch viele Automobile umfasst, bereits 1928. Uns interessieren natürlich in erster Linie die Flugzeuge, die ebenfalls fast alle in flugfähigem Zustand sind und mehrmals im Jahr in der Luft gezeigt werden. Von dem ältesten noch fliegenden Flugzeug der Welt, einer Bleriot XI aus dem Jahre 1909 bis hin zum Rennflugzeug de Havilland DH.88 Comet „Grosvenor House", reicht die Spannweite dieses Museums. Auch hier wurde ein Film gedreht, den jeder Flugzeugfan kennt: „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ aus dem Jahre 1965. Einige der im Film verwendeten Flugzeuge (Nachbauten), z.B. eine Bristol Boxkite, sind hier ausgestellt und immer noch flugfertig. Sehr sehenswert ist auch die Restaurationswerkstatt des Museums, in dem zur Zeit eine Supermarine Spitfire LF Mk.VC komplett restauriert wird.
Neben den Flugzeugfans werden auch die Liebhaber klassischer Gärten in Old Warden nicht enttäuscht. Direkt neben dem Hangar erstreckt sich der Swiss Garden, ein wunderschöner Garten in dem nach zwei anstrengenden Tagen voller Flugzeuge noch etwas Ruhe gefunden werden kann, bevor es zurück geht nach Deutschland.



Zeitlicher Vorschlag
Wenn ich hier Euer Interesse an einer Reise nach England geweckt haben sollte, oder wenn Ihr diesen Gedanken schon länger hattet und das Ganze 2017 auch einmal umsetzen möchtet habe ich Euch - basierend auf meinen Erfahrungen der letzten Jahre - einen Vorschlag:.

- Freitag, 7. Juli 2017: Anreise nach Duxford, evtl. Übernahme Mietwagen, Übernachtung im Hotel
- Samstag, 8.Juli 2017: zwischen 8 und 19 Uhr Flying Legends Airshow, dann Rückfahrt und Übernachtung im Hotel
- Sonntag, 9. Juli 2017: Shuttleworth Collection in Old Warden und Rückfahrt/Rückflug

Da die Flying Legends Airshow am Samstag und am Sonntag identisch gezeigt wird, kann der Ablauf natürlich auch angepasst werden, sollte es z.B. am Samstag regnen. Ich hoffe, ich konnte Euch einen Besuch der Flying Legends und der Shuttleworth Collection ein wenig schmackhaft machen, und es würde mich freuen, wenn Ihr ein unvergessliches Wochenende erlebt und danach den wunderbaren Sound der Motoren noch tagelang im Ohr habt.

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