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FMT Blog

Dienstag, 15.10.2019 von Ralph Müller, Fotos: Ralph und Marianne Müller SZD 56 Diana von Leomotion/Baudis

Kein Modell wird in den Foren so kontrovers diskutiert wie die Diana. Die meisten Foristi finden die Polin einfach nur schön, einige finden sie zu dürr. Gemeint ist der lange, superschlanke Rumpf. Eines ist aber klar: Diese hier kommt von Baudis und ist qualitativ derzeit nicht zu toppen. Den Einbau der LDS-Anlenkung von Baudis beschreiben wir detailliert in der FMT 11/2019.

Hinreißend
Alles andere ist Geschmackssache, der Autor jedenfalls war beim ersten Augenkontakt vollauf begeistert. Auch, weil hier ein begeisternd gefertigtes Flugzeugmodell angeboten wird, ausgestattet mit einem Füllhorn an Funktionen und Offerten: dynamischer, fetziger und auch sportlicher. Und trotzdem ist das ein Scale-Segler, aber was soll man da machen, wenn schon das Original so daherkommt?
Nicht nur die gelieferten Hauptbestandteile begeistern (es ist alles bestens verarbeitet und vorbereitet), sondern auch das Zubehör ist ein Fest für die Augen. Wo bei den anderen das Wohlfühlprogramm endet, fängt Baudis erst an. Die LDS-Anlenkungen mit ihren Alu-Ruderhörnern sind ein Alleinstellungsmerkmal, ihre nur minimal über das Ruder überstehenden Augen ein sinnlicher Akzent des Gesamtkunstwerks Tragfläche.
Der Rumpf braucht sich da aber keineswegs zu verstecken! Er kommt mit eingebautem Einziehfahrwerk und ausgebautem Cockpit, die Kabinenhaube ist mit ihrem Rahmen absolut passgenau verklebt, der Haubenrand lackiert. Selbst der mit derlei Dingen bestens vertraute Berichterstatter schnalzt da mit der Zunge. Das noch besser zu machen, ist nicht möglich. Hier wurde Perfektion auf die Spitze getrieben –Kindergeburtstag und Wohlfühlprogramm in einem, die Kundschaft wird es zu schätzen wissen. Aber auch die feine Rumpfnaht wohlwollend zur Kenntnis nehmen.
Das gilt auch für den gesamten Rumpf, stocksteif, aber keinesfalls zu schwer. Er ist innen komplett schwarz, Carbongewebe findet sich aber erst ab der Nasenleiste der Profilanformung nach hinten, davor ist Glasgewebe mit schwarz eingefärbtem Harz eingelegt worden. Das sieht gut aus und ist 2,4-Giga-freundlich. Überhaupt geht der Rumpfausbau flott voran, wenngleich das fertig eingebaute Einziehfahrwerk gleich mal wieder heraus muss – anders ist das benötigte Servo nämlich nicht an seinen Arbeitsplatz zu verfrachten.

Die RC-Ausstattung
Bei einem so großen und teuren Modell ist beste Technik selbstverständlich, da haben Billigkomponenten nichts zu suchen. Und ein redundantes Empfangssystem ist ebenfalls dringend anzuraten, denn auch ein LiPo-Akku oder ein Empfänger kann ausfallen. Wenn jeweils zwei davon an Bord sind, halbiert sich dieses Horrorszenario, weil der gleichzeitige Ausfall jeweils zwei gleicher Komponenten so unwahrscheinlich ist wie ein Lottogewinn, selbigen abzuholen und beim Verlassen des Gebäudes vom Blitz erschlagen zu werden. Im Testmodell sind folgende Komponenten verbaut: 2 x MKS HV 6110 an den Höhenruderblättern, 6 x Futaba HV S 3173 SVi in den Flächen, 1 x FOX HV 180/30 am Einziehfahrwerk, 1 x Futaba S 3174 am Seitenruder, 1 x KST DS 215 MG an der Schleppkupplung.
Als redundantes System dient eine Jeti Central Box 200, ihr zur Seite gestellt sind zwei Jeti Duplex Rsat2, mit Strom versorgt wird alles aus zwei Zweizellern mit jeweils 2.500 mAh Kapazität. Ein- und ausgeschaltet wird vom Sender aus über den Jeti RC-Switch, im Modell ist also kein mechanischer Schalter verbaut. Safety first!

Sieben Kraftzwerge und ein Herkules fürs Einziehfahrwerk.

Speziell angelenkt

Der Diana liegen spezielle LDS-Anlenkungen bei, jeweils seitenrichtig in Klarsichtbeuteln verpackt. Das ist wichtig und richtig, weil jede Aluschubstange – so eine Art Zwitterwesen und einem Pleuel nicht unähnlich – eine andere Form aufweist. Das gilt auch für die Ruderhörner aus gleichem Material, die daher unbedingt an der dafür vorgesehenen Ruderklappe einzubauen sind. Damit nichts schiefgehen kann, sind die Beutel beschriftet, für welches Ruder der jeweilige Inhalt zuständig ist. Der Einbau dieser Einheiten ist so komplex, dass wir das Thema extra behandeln, nämlich in der FMT 11/2019. Denn: Eine Bauanleitung im eigentlichen Sinn gibt es nicht. Zwar findet man im Netz einiges über die Diana 2, ein Baubericht, der solche Dinge zeigt, war aber nicht zu entdecken.
Der Logik folgend, fangen wir mit dem äußeren Querruder an. Warum? Nun, jedes Servo erhält sein eigenes Verlängerungskabel, das in jeweils richtiger Länge beiliegt, und da ist es am einfachsten, von außen nach innen diese Kabel einzuziehen. Der Klarsichtbeutel für das linke äußere Querruder darf seinen Inhalt als Erster in ein Behältnis spucken. Das ist wichtig, zu schnell geht sonst eines der Kleinteile verloren. Besonders wichtig machen sich hier gerne die winzigen Stahlstifte der Alu-Ruderhörner, haben nichts Besseres zu tun, als sich in die hinterste Werkstattecke zu verabschieden. Das gilt es zu verhindern! Ersatz ist nicht dabei. Also aufpassen.
Es muss alles so vorbereitet sein. Und noch etwas: Der Einbau dauert, ist der mit Abstand größte Bauabschnitt des Modells. Auch ist nicht zu vermeiden, dass die kurzen Sicherungsstifte mehrfach aus den Augen der Ruderhörner raus- und wieder reinmüssen. Ist das Servo mit seinem Rahmen verschraubt – die LDS-Anlenkung sitzt auf dem Vielzahn-Abtrieb, am anderen Ende der Schubstange ist nichts, Ruderhorn also entfernt – gelingt das Einfädeln in den Servoschacht nur mit um 45 Grad geschwenkter Einheit. Und das auch nur, wenn der Durchbruch in der Oberschale der Fläche an relevanter Stelle bereits geschaffen wurde. Denn da muss die Schubstange durch.


Fertig montiert und klar zum Einbau: die LDS-Anlenkung von Baudis. Siehe dazu auch den Baubericht in der FMT 11/2019.

Flächensicherung an der Diana
In diesem Punkt scheiden sich sicherlich die Geister. Aber was die Flächensicherung betrifft, sucht man das dafür nötige Material vergebens, es ist nichts dabei. Was nicht nur beim Autor zu der Annahme führt, dass die Flächen am Rumpf über Klebeband gesichert werden sollen. Dagegen ist nichts einzuwenden, hält seit Jahren an anderen Modellen ja auch und verhindert obendrein Druckausgleich. Im vorliegenden Finanzfall war mir das aber zu „windig“, eine lösbare Verbindung musste her. Aber wie? Bei meiner SZD 55 von Wistmodell ist die über eine Rändelschraube und Gewinde in der Wurzelrippe realisiert – fertig drin. Bei der Diana sollte das doch auch gehen, nur dass da die Rändelschraube zur -mutter wird.
Der Grund hierfür liegt in einer Probebohrung in der Wurzelrippe, die ans Werkstattlicht bringt, dass hinter dem Laminat Holz verbaut ist. Zwar nicht gerade dick, aber es müsste reichen, um ein Gewinde einschneiden zu können. Gesagt, getan, eine M5-Schraube ihres Kopfs berauben und diesen Gewindebolzen probehalber eingedreht. Was jetzt folgte, war keine so gute Idee und sorgte dafür, dass dies der teuerste M5-Bolzen dieser Welt werden sollte.
Wieder herausgedreht, wurde mit einer Spritze reichlich Harz eingefüllt, 5 ml, um genau zu sein, etwas eingedicktes Material ins Holzgewinde gedrückt, der Bolzen eingedreht und die Flächenhälfte, mit der Wurzelrippe auf einem Korkklotz stehend, an die Wand gelehnt. Keine gute Idee, wie sich schnell zeigen sollte, weil das eingedickte Harz das Herauslaufen der flüssigen Masse nicht verhindern konnte. Also alles sauber abwischen, am Bolzen so gut es eben geht, der ist ja noch nicht fest, und auf eine Unterlage legen und härten lassen. Also bei der anderen Flächenhälfte muss das anders gehen.
Und der Gang ins Werkzeugfachgeschäft tags darauf wurde auch nötig, weil es nicht möglich war, alles Epoxid vom Bolzen gänzlich abzuwischen, das war jetzt hart und das Gewinde musste nachgeschnitten werden. Da erste Versuche mit einer Edelstahl-Mutter scheiterten, wechselten 12 Euro für ein Schneideisen der Marke M5 den Besitzer. Nun gut, jetzt besitze ich halt eines. Das Nachschneiden gelang, die schraubbare Flächensicherung dieser Flächenhälfte funktioniert. Auf der anderen Seite wurde, aus Erfahrung klug, anders verfahren.
Die geschnittene Gewindebohrung ist zusätzlich angesenkt, nur wenig, es ist nicht viel Fleisch vorhanden, der Bolzen nicht ganz bis zum angezeichneten Maß eingedreht worden, etwas Sekundenkleber-Gel angegeben, eine Umdrehung weiter hineingedreht und erst mal in Ruhe lassen. Gel braucht seine Zeit, bis es hart ist. Knapp über dem Bolzen jetzt ein 2-mm-Loch bohren, mit der mit einer Kanüle bewehrten Spritze Harz einfüllen, Gewebeband über das Loch kleben, Fläche wieder senkrecht an die Wand stellen und härten lassen. Und auch diesmal ist ein bisschen Harz rausgelaufen. Das ist dem Gewebeband in die Schuhe zu schieben, weil es saugt. Also besser herkömmlichen Tesafilm benutzen.
Sollte diese Aufgabenstellung noch mal auf mich zukommen, würde M4 verbaut, das reicht und in der dünnen Sperrholzrippe wäre wohl ein Gewindegang mehr drin. Und auf keinen Fall kurzen Härter verwenden, weil der in dieser Menge schon zum Kochen neigt.

Spezialfall Höhenruder
Das Höhenleitwerk kommt im Lieferzustand mit durchgehendem Ruderblatt, wobei Letzteres von zwei Servos bedient wird. Jeder dieser Kraftzwerge hat drei Kilogramm Zugkraft. Aha, insgesamt also sechs Kilo. Von wegen, das kann man leider nicht addieren, es bleibt also bei den drei Kilo. Weswegen wir das Ruder mittig trennen, sollte eines unserer Servos ausfallen, bleibt in den meisten Fällen das Modell noch steuerbar, kann eine Notlandung sein Leben retten.
Ist der Trennschnitt mit der Diamant-Trennscheibe gemacht, sitzen die Servos an ihren Plätzen, geht es darum, die insgesamt vier GFK-Ruderhörner einzubauen und ordentlich zu verharzen, was wegen ihrer Widerhakenform auch gut gelingt. Da die ganze Angelegenheit auf der Leitwerksoberseite zu liegen kommt, geht das deutlich einfacher als bei den Flächen. Unsichtbar machen das dann zwei toll gebaute Abdeckungen aus GFK, unter der vorderen verschwinden dann auch die Kabel, die in den Rumpf hineingehen und nach vorn zur Empfangsanlage gehen.
Und obwohl hier ein Selbststart-fähiges Modell auf dem Rad seines gedämpften Einziehfahrwerks steht, ist eine Schleppkupplung eingebaut, denn wenn ein Schlepper am Platz ist, erfolgt der erste Start stromsparend. Nicht sparen sollte man an der Kapazität der Empfängerakkus und des gesamten RC-Equipments.


Im eingeklebten Zustand ergibt sich eine bombensichere Verbindung.

Sensibelchen
Auch wenn sie noch so robust gebaut ist, auf Wölbklappenausschläge reagiert die Schöne äußerst sensibel. In der Thermikstellung laufen alle Flächenklappen zwei Millimeter nach unten, das reicht, um den Auftrieb merkbar zu erhöhen. Auf der anderen Seite ihrer Befindlichkeiten, in der Speedstellung, genügt ein Millimeter Ausschlag nach oben, um sie doch noch biestig werden zu lassen. Los geht die tolle Fahrt! Beim Testmodell werden in dieser Flugphase alle Ruderklappen von den Querrudern auf voreingestellte Werte mitgenommen. Die inneren Wölbklappen nur minimal, fünf Millimeter nach oben, die mittleren etwa 8 Millimeter, die Querruder machen natürlich den vollen Weg, sind richtig differenziert, die Wölbklappen zu 100 Prozent, laufen also nur nach oben. Das alles treibt die Rollrate in Richtung Vier-Meter-Zweckmodell. Halleluja!
Bei zu großen Höhenruderausschlägen wird die Schöne zur Kurvenzicke, mehr als maximal acht Millimeter will sie nicht! Sind die – am Testmodell sind es gar nur sieben – und 15 Prozent Expo eingestellt, ist sie wieder ganz brav. Nun wirkt sich aber ein reduzierter Gesamtausschlag auf alle Flugzustands-Einstellungen aus. Daher ist es nicht verwunderlich, dass bei Butterfly sagenhafte 40 Prozent Tiefe zugemischt werden müssen, was am Ruder einen Ausschlag von drei Millimetern ergibt. Das passt, damit bleibt die Diana neutral, wenn die Querruder nicht mitbremsen. Was sie nicht dürfen, sie stehen im Profilstrak, so bleibt die geforderte Wendigkeit um die Längsachse erhalten.

Auf zum Kurventwist
Mit diesem Wissen als Rüstzeug geben sich nach dem ersten F-Schlepp Kurven und Kreise die Hand. In der Flugphase „normal“ laufen nur die äußeren Querruder, wird mehr Quirligkeit um die Längsachse gewünscht, können per Schalterklick ihre inneren Partner zugeschaltet werden. Hossa, jetzt ist was los! Das brauchen wir aber nur bei ruppigeren Wetterlagen, ansonsten genügen die Querruder allein, um sauber steuern zu können. Die Wölbklappen machen Pause, verharren profilbündig.
Spaßschalter nach vorne, los geht das Himmelsballett. Mit lediglich um einen Millimeter nach oben stehenden Flächenklappen und einem halben Millimeter Tiefzumix zeigt die Polin, wofür sie gebaut wurde: für den sportlichen Kurvenrausch. Und diesen Kurvenslalom versüßen so angenehme Dinge, wie sie nur eine 6-Klappenfläche bieten kann: unterschiedliche Ausschläge der Ruderklappen über die ganze Spannweite. Da kommen auch mehrfach gepunktete Rollen so zackig wie mit einem wesentlich kleineren Zweckmodell. Speichelfluss garantiert!
Zurück in den Genussmodus, Flächenklappen zwei Millimeter nach unten. So entern wir die Thermik, von der ist allerdings kaum was zu spüren, und es spricht für die schöne Polin, dass sie auch diese Übung perfekt beherrscht. Kein Steigen, kein Sinken, sagt jedenfalls das Vario. Aber ein Nullschieber ist ja auch Thermik. Und nein, die 9,2 Kilogramm Fluggewicht sind nicht zu viel, sondern ein sehr guter Kompromiss zwischen Thermikleistung und Durchzug.
Keine Kompromisse in Sachen Butterfly-Stellung: Die inneren Wölbklappen müssen so weit es geht nach unten fahren, die mittleren maximalen Weg nach oben haben, sonst bremst das nicht richtig. Die äußeren Querruder spielen nicht mit, verharren im Strak und stellen so die geforderte Wendigkeit um die Längsachse sicher.
Doch all das hindert unsere Diana nicht dran, reichlich lange ausrollen zu wollen. So hoppelt die Polenmaid unseren Platz entlang und ich stehe machtlos daneben. So kann das nicht bleiben, eine vernünftige Radbremse muss her. Entweder die Trommelbremse von PAF oder die Blockbremse von Fema, Letztere wird das Leichtrad aber wohl in kürzester Zeit herunterrubbeln, was dann einen Boxenstopp mit Radwechsel in Richtung Vollgummi nötig macht. Mal sehen, Stoff für ein Upgrade ist das aber allemal.

Eigenstartfähig
Höchste Zeit, über das zu berichten, weswegen ich mir unter anderem die schöne Unbiestige zugelegt habe: um von einer Schleppmaschine unabhängig zu sein und gleichzeitig mich nicht mit einer biestigen Zicke, die andauernd in der Anrollphase auf die Schnauze gehen will, herumärgern und unnötig Geld für ständig neue Propellerblätter ausgeben zu müssen. Das habe ich hinter mir, sowohl mit Klapptriebwerk als auch mit Nasenantrieb.
Bei der Diana ist alles anders. Sie wurde von vorneherein auf ein Einziehfahrwerk gestellt, das deutlich weiter vorne platziert ist und viel weiter als üblich herauskommt, ausfährt, was der Bodenfreiheit äußerst zuträglich ist. Auf Asphaltpisten gestattet das gar die Montage von Propellerblättern mit 17 Zoll Durchmesser. Wie porentief geil ist das denn? So steht sie also mit hoher Anstellung zur Piste und zum ersten Selbststart bereit. Da die Antriebsleistung bei den vorherigen Flügen überzeugen konnte, bestehen bezüglich Rollphase keinerlei Bedenken, unsere 60 Meter lange Asphaltpiste reicht allemal. Anrollen, ein Helfer, der auf den ersten Metern eine der Flächen mit der Hand führt, ist von Vorteil. Der kann seine Tätigkeit ob der Beschleunigung so früh einstellen, dass er völlig verdutzt dreinschaut. Der Pilot aber auch, nix Wackeldackel, kein Hin- und Hergeeiere um die Längsachse. Klar, dass in dieser Phase alle Flächenklappen mit den Querrudern mitlaufen, nur so ist ausreichende Wirkung bei noch niedriger Geschwindigkeit gewährleistet. Doch die nimmt schnell zu, und das Pistenende ist noch lange nicht erreicht, als das Rad den Asphalt verlässt. Durch die gegebene Anstellung ist auch nur leicht zu ziehen, Höhenruder langsam nachlassen und meine rassige Polin geht in die Luft. Na also, wer sagt denn, dass der Nasenantrieb out sei? Was die möglichen Steigwinkel angeht, übe ich mich in Demut – weil ich sie nicht messen kann – und behaupte aus Erfahrung: Lieber etwas flacher und dafür mit mehr Geschwindigkeit steigen ist effektiver als sie an die Latte zu hängen.

Höhe über Zeit
Nun ist es recht interessant zu wissen, in welcher Zeit welche Ausgangshöhe zu erreichen ist. Dazu nutzen wir natürlich die Telemetrie unserer Anlage. Da es sich um zwei unterschiedliche Ansagen handelt, habe ich das so gelöst, dass auf dem Triggerschalter als Erstes die Höhenansage erfolgt, dann zwei weitere, die im Moment nicht so interessant sind. Mit einem anderen, separaten Zweistufen-Schalter können die Zeiten abgerufen werden. Mein Sender sagt da immer nur Zeit, da aber die erste Zeit immer die Motorlaufzeit ist, die zweite die Gesamtflugzeit angibt, ist im Moment nur die erste Ansage von Interesse.
Beispiel: Der Selbststart braucht die meiste Zeit, um, sagen wir mal auf 150 Meter zu steigen, weil hier die Rollphase mitspielt, Zeit verschlingt. Wird der Motor im Flug wieder eingeschaltet, um erneut zu steigen, werden wir in kürzerer Zeit auf die gleiche Ausgangshöhe kommen. Also, anrollen, starten, steigen, in 30 Sekunden auf 150 Meter. Nach dem Abgleiten erneutes Einschalten des Triebwerks in 10 Metern Höhe, dann bringt unser Schweizerkracher die Polin in 22 Sekunden auf besagte 150 Meter.

Mein Fazit
Die Baudis Diana beschert einem schier atemlose Highspeed-Flüge mit extrem hohen Begehrlichkeitsfakor, wenn der Pilot das will. Denn die schneidige Polin kann auch anders. Wer das „Gas“ ein bisschen rausnimmt, erlebt ein manierliches Großmodell, das sich ohne Zicken durchs Kreisflugkarussell zirkeln lässt. Sie betört mit spielerischem Handling und einem wandlungsfähigen Charakter, der sämtliche Nuancen zwischen gutmütig und temperamentvoll beherrscht – das macht sie auch im Gebirge zum Freudenspender erster Güte. Dazu kommt ein Elektropaket, das Spaß und Steigflugsicherheit gleichermaßen erhöht und unabhängig macht. Für die Festplatte unter der Schildmütze ein Erlebnis für die Ewigkeit!
Da werden selbst Großsegler-Traditionalisten, die mit solchen Geräten eher wenig am Hut haben, lieber klassisch motorlos und mit langsamen Oldies unterwegs sind, kaum cool bleiben können und ihre finanzielle Liquidität überprüfen. Denn bei dem vollen Testpunktekonto könnte ihr ambitionierter Preis schnell für ein leeres Bankkonto sorgen.

Technische Daten
Spannweite: 5.000 mm
Länge: 2.300 mm
Profil: F3B, Dirk Pflug. 10% auf 8%
Fluggewicht: 9.100 g
Flächeninhalt: 193 dm²
Flächenbelastung: ca. 90 g/dm²
Motor: Leomotion 4038-2700
Regler: Phoenix Edge Lite 120
Propeller: RFM 16 x 13 Zoll
Akku: Fullymax 6s, 4.500 mAh
Strom: 103 A
Drehzahl: 8.000 1/min
Hersteller/Vertrieb: Baudis/Leomotion
Bezug: https://www.leomotion.com
Preis Standardversion: ab 2.800 Euro

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