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Donnerstag, 12.03.2020 Abgehoben

Die ersten Heli-Flüge

Ein Helikopter, auch gern und völlig korrekt Drehflügler genannt, erhebt sich in die Luft, wenn der sich drehende Rotor so viel Auftrieb erzeugt, dass er das Eigengewicht des Helis aufhebt bzw. übersteigt. Dazu sind die Rotorblätter erstens vorn schräg nach oben gestellt – Anstellwinkel/Pitch genannt – und zweitens meist mit einem Profil, ähnlich einer Flugzeugtragfläche, versehen. Entweder wird die Steigleistung eines Modell-Helis über die Drehzahl geregelt, oder es wird bei fixer Drehzahl der Anstellwinkel verändert. Ein Heli ist also entweder drehzahl- oder pitchgesteuert.

 

Single-Rotor-Helikopter

Single-Rotor-Helis haben eine einzelne Rotorebene, die, wenn der Rotor sich dreht, nicht nur Auftrieb, sondern auch ein Drehmoment erzeugt. Um dem entgegen zu wirken, haben solche Helikopter einen Heckrotor, mit dem man dann auch gleich die Drehung und somit die Flugrichtung steuern kann. Der zur Steuerung eingesetzte Heckrotor wird entweder über eine Drehzahländerung oder über eine Änderung der Anstellung der Heckrotor-Blätter als Steuerorgan verwendet.

In Single-Rotor-Modellen ist deshalb ein Regler für den Hauptmotor und ein zweiter für den Heckmotor installiert. Wird das Heck über einen verstellbaren Propeller gesteuert, kann der Heckrotor vom Hauptmotor mitgedreht werden – das geht entweder über eine starre Getriebewelle mit Kegelzahnrädern oder einen flexiblen Zahnriemen. Die Hecksteuerung, auch Gierbewegung genannt, übernimmt dann ein Servo.

Wenn Sie die ersten Flüge in einer Halle machen, beachten Sie das Thema Sicht besonders. Unruhiger Hintergrund und andere Modelle in der Luft irritieren sehr leicht. Fliegen Sie deshalb anfangs möglichst im 10-m-Umkreis.

 

Feinheiten

Sie dürften es bereits bemerkt haben: nichts tun, wenn es kritisch wird, geht zwar beim Flächenflieger, aber nicht beim fliegenden Heli. So muss das Gas immer so hoch stehen bleiben, dass unser Drehflügler nicht aus der Luft fällt. Und wenn doch, geht zumindest auf weichem Boden selten was kaputt. Je kleiner und leichter unser Erst-Heli, je öfter wird er Abstürze schadlos überstehen. In der Halle ist es also gar nicht so ungeschickt, auf einer Matte die ersten Start-Lande-Übungen zu machen, draußen bei Windstille ist Gras ein gesundes Polster. Und dennoch: Überfordern Sie sich nicht, fliegen Sie anfangs nicht mit der Bewegung mehrerer Achsen und bleiben Sie in der Nähe des Startplatzes. Gerade ein kleiner Helikopter entschwindet rasch aus dem Bereich, in dem wir seine Fluglage und die Bewegungsrichtung gut sehen und darauf gezielt einwirken können.

Was übrigens zuerst kaputt geht, sind in der Regel die Rotorblätter, die sehr dünn sind. Einem Stuhlbein oder dem Kirschbaum haben sie nichts entgegenzusetzen. Defekte Blätter bitte austauschen, auch wenn nur ein kleines Stück abgeplatzt ist, die sorgen nämlich für einen sehr unruhigen Lauf. Nette Anbieter von Helikoptern für Einsteiger legen einen Satz Ersatzblätter bei! Ansonsten Helis nur von den Anbietern kaufen, die auch Ersatzteile liefern.

 

Rundflug

Wenn wir das Thema Erstflug samt den ersten Versuchen mit einzelnen Steuerachsen erfolgreich hinter uns gebracht haben, kommen wir zum ersten richtigen Flug. Starten wir im Freien, so stellen wir unseren Helikopter mit der Nase in den Wind, ansonsten ist die Richtung unerheblich. Nur auf uns zu ist nicht unbedingt ratsam. Die Trimmung (setzt den Regler elektronisch auf null Wert, bzw. passt die Einstellungen an) aus unserem Erstflug führte zu einem Abheben, ohne dass sich der Heli in irgendeine Richtung, also nur nach oben, bewegt. Das ist nicht immer gut, weil der leiseste Windhauch ihn dann eventuell nach links oder rechts kippen oder gar nach hinten abheben lässt.

Deshalb trimmen wir den Heli vor dem Start etwas nach vorn, um ihm eine Vorzugsabheberichtung zu vorzugeben, auf die wir uns einstellen können.

Nach dem Abheben, was jetzt mit geringer Vorwärtsfahrt passiert, beginnen wir in der üblichen Sicherheitshöhe von etwa 1,5 m über dem Boden ohne weitere Beschleunigung durch gleichzeitige und gleichsinnige Betätigung des Roll- und Gier-Steuerknüppels einen langsamen Kreis mit etwas Schräglage nach innen zu fliegen. Wird die Sache zu schnell, dann kurz die Nase nach oben ziehen, schon ist die Fahrt wieder raus. Gelingt diese Übung vor uns problemlos, dann fliegen wir den Kreis um uns herum.

Zum Thema Kurvenflug noch ein Hinweis: eine Wende, die nur mit dem Heck (Gier) gesteuert wird, sieht wenig elegant aus. Hier sollte besser mit einer Rollbewegung nachgeholfen werden, wobei wir den Heli gleichsinnig mit Gier- und Roll-Hebel in die gewünschte Richtung steuern. Klingt einfach, verlangt aber viel Übung, da die richtige Mischung aus Gier und Roll von der Fluggeschwindigkeit und der gewünschten Kreisgröße abhängig ist.

Noch schwieriger wird es, wenn eine saubere Acht geflogen werden soll, in deren Mittelpunkt die beiden Knüppel sauber von einer zur anderen Seite bewegt werden müssen. Und wenn das funktioniert, dann machen wir uns an eine weitere Konzentrationsübung: Nasenschweben um uns herum. Dazu wird der Heli stets im Schwebeflug gehalten und durch Roll- und Gierbewegung so um uns selbst herumgesteuert, dass die Helinase die ganze Zeit auf uns zeigt. Das ist eigentlich nur deshalb schwierig, weil uns links und rechts vertauscht erscheinen. Aber da müssen wir durch! Wenn Sie es einmal um sich herum geschafft haben, gleich umgekehrt noch einmal. Übung macht den Meister.

 

Die ersten Flugübungen können auch ganz gefahrlos mit einem Flugsimulator am PC erfolgen.

 

Single-Rotor-Helis gibt es in verschiedenen Größen – für den Einstieg eignen sich Helis mit einem Rotorkreisdurchmesser bis etwa 500 mm.

 

Vorbildgetreue Helikopter sehen schön aus. Sie sind aber technisch aufwendiger und daher erst dann zu empfehlen, wenn die ersten Flugübungen beherrscht werden.

 

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