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Montag, 21.06.2021 Homeoffice die Zweite

Jugendwart des VMC Grenzflieger e.V. Stefan Fehmer berichtet über eine Saison, in der Flugtreffen ausfielen und Baukurse im Homeoffice über Online-Meetings abgehalten wurden.


Die Vereinsjugend des VMC Grenzfliegers e.V. in Zeiten der Pandemie

Winter. Für die meisten Modellbauer die Bausaison in der heimischen Hobby-Keller. In der Jugendarbeit die Zeit der Bastelkurse für Fortgeschrittene und Einsteiger in der Vereinswerkstatt. Normalerweise…

Spätestens Anfang Oktober 2020 war jedoch absehbar, dass wir in diesem Winter keine Betreuung für die Jugendlichen in der Vereinswerkstatt anbieten können. Der Grund ist naheliegend: die Corona-Pandemie. Dennoch hatten wir zwei Neueinsteiger und zahlreiche Projekte der Fortgeschrittenen, die irgendwie betreut und weitergeführt werden wollten. Wie so oft gibt es auch hier kein Patentrezept, denn es kommt immer auf den Einzelnen und seinen Möglichkeiten zuhause an.

Das Angebot des VMC Grenzflieger e.V. für alle, die etwas machen wollten, war: Holt eure Sachen aus der Werkstatt ab und meldet euch, wenn ihr Hilfe braucht! Und was im Homeoffice funktioniert, kann auch beim Basteln helfen: Messenger-Dienste, Videokonferenzen oder auch der altmodische Anruf. Aber ganz ohne die Hilfe der Eltern geht es natürlich auch nicht, weil gerade die Jüngeren oft noch nicht ganz formulieren können, was genau das Problem ist. Wie Jugendarbeit im Modellbau aber dennoch funktionieren kann, erzählen die Jugendlichen am besten selbst.

John, 13 Jahre

John

Ich bin auf das Hobby Modellbau durch einen Freund gekommen. Er hat mich im letzten Sommer eingeladen, einmal mit auf den Flugplatz zu kommen. Dort hatte ich auch direkt schon die Möglichkeit, ein Flugzeug unter Aufsicht eines Fluglehrers zu fliegen. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich direkt beschlossen habe, selbst mit dem Modellbau und -fliegen anzufangen.

Alles startete dann mit dem Bau meines ersten Modellflugzeuges: der Funcub NG. Doch durch Corona hatten wir keine Möglichkeit, das Flugzeug im Bastelraum zu bauen. Deshalb beschlossen mein Vater und ich, es selbst bei uns zuhause zu bauen. Das war an sich kein großes Problem, da man – vom Werkzeug und den Teilen für den Flieger abgesehen – nur einen Tisch mit ausreichendem Platz und einer geraden Fläche brauchte. Das Werkzeug, das wir nicht parat hatten, haben wir dann nachbestellt.

Da der Flieger aus Hartschaum besteht, nahmen wir einfach noch eine Decke als Unterlage, um keine Kratzer am Modell zu verursachen. Vor dem Bau sind wir dann nochmal die Teile-Liste durchgegangen, um sicherzustellen, dass alle Teile da sind, die wir benötigen. Dann fingen wir an, Schritt für Schritt alles nach Anleitung zusammenzubauen. Das hat an sich ganz gut geklappt.

Modell John

Wenn wir Fragen oder Probleme beim Zusammenbau hatten, haben wir uns immer an Stefan, dem Jugendleiter unseres Vereins, gewandt. Er konnte uns dann immer helfen und hat uns auch Tipps gegeben, wie wir bestimmte Sachen am besten Löten und Zusammenbauen könnten. Ansonsten gab es kaum Probleme beim Aufbau, außer dass wir manchmal die eine oder andere Schraube verloren haben oder etwas falsch zusammengesetzt haben.

Willem, 12 Jahre

Zum Modellflug gekommen bin ich über einen Schulfreund, der schon seit 2 Jahren dabei ist. Ich fand das interessant und habe gefragt, ob ich mal mitkommen kann.

Willem

Beim Jugendfliegen durfte ich dann mit einem Betreuer zusammen selbst ein paar Runden fliegen und das machte viel Spaß.

Zu Weihnachten habe ich eine Funcub NG geschenkt bekommen: mein erstes, eigenes Modellflugzeug. Ich habe mich mega gefreut, doch dann hatten wir das Problem, dass wir vom Verein nicht zusammen basteln konnten.

Modell Willem

Also habe ich zu Hause mit Hilfe meines Vaters damit gestartet. Der Zusammenbau hat eigentlich ganz gut funktioniert, aber das Löten war neu für mich. Am Anfang hat es sehr lange gedauert, aber nach einer Zeit ging es ziemlich gut. Die großen Aufkleber konnten wir nur zu zweit anbringen, weil sich sehr schnell Falten gebildet haben. Beim Funktionscheck der Servos hat mir mein Nachbar geholfen, der sehr viel Erfahrung mit Modellflugzeugen hat. Letztendlich hat es mir sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich schon tierisch aufs Fliegen.

Tim, 11 Jahre

Mein Name ist Tim Albers und ich bin 11 Jahre alt. Im Winter 2019 habe ich mit dem Modellbau angefangen. Der Jugendwart Stefan Fehmer erklärte uns die Regeln im Verein VMC Grenzflieger. Gebaut haben wir zuerst eine Multiplex FunCub.

Tim

Das Bauen der FunCub ging bis Ende Januar 2020 und das Wort Lockdown war uns unbekannt. Das änderte sich im März 2020 schlagartig. Kontakte zu meinen Freunden waren nicht möglich und ich wusste auch nicht, ob ich im Sommer fliegen lernen kann. Zum Glück wurden die Corona Maßnahmen im Sommer 2020 gelockert und wir durften fliegen. Die Jugendbetreuer des Vereins brachten mir das Fliegen mit der FunCub bei, sodass ich jetzt allein fliegen kann.

Tim

Dann kam der Winter und der Lockdown begann von vorne. Der winterliche Bastel-kurs musste abgesagt werden, also habe ich leichte Bastelarbeiten an meinen Flugzeugen – der FunCub und einem EasyGlider – selbst gemacht. Bei der FunCub musste das Fahrwerk repariert werden. Es hat bei meinen ersten Landungen sehr gelitten. Beim EasyGlider habe ich den Motor und alle Schrauben kontrolliert. Manche waren schon locker und mussten festgeschraubt werden. Auch der Motor sitzt jetzt wieder richtig fest. Dann bekam ich ein Angebot über einen Solius, mein Lieblingsflugzeug. Das Modell war gebraucht und schon fertig gebaut, ich musste nur noch den Empfänger einbauen. Jetzt stellen wir den Sender noch so ein, dass alle Ruder auf dem richtigen Kanal und in die richtige Richtung ausschlagen.

Tim

Jetzt freue ich mich noch mehr auf den Sommer. Wenn es mir langweilig ist, nehme ich mir meinen Sender und schließe ihn am Computer an. So kann ich am Simulator fliegen und es ist fast wie echt. Aber so gut der Simulator auch ist, ich freue mich schon darauf im Sommer mit meinen Freunden auf dem echten Modellflugplatz und mit echten Flugzeugen zu fliegen. Echte Freunde im Verein sind doch viel besser als ein Simulator zu Hause. Ich wünsche allen Holm und Rippenbruch und vielleicht sehen wir uns im Sommer auf dem Flugplatz.

Was lernen wir daraus?

Der Griff in die Phrasenkiste passt auch hier durchaus: Wo ein Wille, da ein Weg. Natürlich muss man immer noch sehr genau hinschauen, welcher Jugendliche welche Möglichkeiten hat. Gerade bei unseren beiden Neueinsteigern John und Willem bin ich persönlich wirklich begeistert, denn beide waren im ersten Anfängerkurs, bei dem wir nicht in Präsenz basteln konnten. Natürlich waren die Eltern eingespannt und es klingelte immer wieder mal das „Modellbautelefon“. Zudem wurden Skizzen und Fotos hin und her geschickt, aber am Ende sind die Modelle nun flugfertig. Sogar das – besonders für Einsteiger nicht immer ganz triviale – Programmieren der Sender klappt mit ein wenig Erklärung und Telefonsupport sehr viel besser als erwartet.

VMC Grenzflieger

Der VMC Grenzflieger e.V. vor der Corona-Pandemie in der Vereins-Werkstatt.

 

Autor: Stefan Fehmer
Beitrag aus FMT 06/2021

 

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