Montag, 20.04.2026 Schleppprogramm mit Jugendlichen
Für die Jugendgruppe der FMSG Ertingen begann das Basteljahr 2025 mit einer spannenden Idee, die ihren Ursprung auf den Lilienthal Cup in Seekirch zurückführen kann. Dort war die Gruppe wie gewohnt in großer Zahl vertreten, und während die Jugendlichen ihre Lilienthal 40 flogen, entstand gemeinsam mit der Firma aero-naut ein besonderer Gedanke: Man könnte doch ein Schleppprogramm mit mehreren Sporty- und Lilienthal 40 RC-Modellen auf der Faszination Modellbau Friedrichshafen präsentieren!
Zwölf Modelle sollten es sein – sechs Schleppmaschinen und sechs Lilienthals. Im Vereinsbestand befand sich bereits jeweils ein Exemplar mit entsprechender Ausrüstung. Damit blieb immer noch ein straffes Programm von insgesamt zehn Modellen, die komplett neu aufgebaut werden mussten. Der tatsächliche Baubeginn konnte jedoch erst rund sechs Wochen vor Messestart erfolgen, sodass die Zeitplanung äußerst knapp ausfiel.

Holme in die Tragfläche eines Lilienthal-Gleiters geklebt. Das Projekt hat viele Jugendliche handwerklich vorangebracht.
Kurz vor Knapp
Trotz der engen Terminlage stürzte sich die Jugendgruppe voller Energie in das Projekt. In den Werkstattabenden herrschte geschäftiges Treiben: Rümpfe wurden verklebt, Flächen aufgebaut, Bespannpapier aufgeklebt und Elektronik installiert. Einige Jugendliche kamen zusätzlich an Wochenenden, andere legten zuhause kleinere Arbeitsschritte nach. Das Bauen wurde zu einer echten Gruppenleistung. Während die geübteren Jugendlichen bei kniffligen Arbeitsschritten unterstützten, wuchsen insbesondere die Neulinge über sich hinaus und konnten nach kurzer Zeit eigenständige Bauabschnitte übernehmen. Die Spannung stieg besonders in der letzten Woche: Das zwölfte und letzte Modell wurde tatsächlich erst am Abend vor der Messe fertig gestellt – und erhielt seinen Erstflug direkt während der Vorführung. Ein Moment, der allen Beteiligten noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Das Seitenleitwerk wird bei einem der fünf gebauten Sportys sorgfältig angepasst und angeklebt.
Schwieriges Training
Sobald die ersten Modelle flugfertig waren, begann der praktische Teil der Vorbereitung. Mit den beiden bereits vorhandenen Maschinen sowie den ersten Neubauten konnten die Jugendlichen das F-Schlepp-Fliegen üben. Für einige war es das erste Mal, an einem Schlepp teilzunehmen – sowohl als Piloten des Schleppers als auch am Segler. Doch trotz der anfänglichen Aufregung fanden alle schnell in die Abläufe hinein. Der Steigflug der Gespanne aus Sporty/Shorty und Lilienthal 40 ist eher gemächlich, dafür aber sehr gleichmäßig. Ein idealer Einstieg für Jugendliche, die das Zusammenspiel zweier Piloten und das Verhalten am Seil erst kennenlernen müssen. Was den Trainingsbetrieb jedoch erschwerte, war das Wetter: Die Wochen vor der Messe waren geprägt von Wind und Regen. Größere Gruppenflüge ließen sich kaum zuverlässig planen. Letztlich konnten wir dennoch zwei gemeinsame Trainingstage finden, an denen alle Piloten das Schleppen intensiv üben konnten. Diese beiden Tage reichten aus, um Sicherheit zu gewinnen und ein Gefühl für das Projekt entstehen zu lassen.

Wer viel baut, muss sich auch stärken: Es gab immer mal wieder einen gemeinsamen Döner zum Mittagessen.
Enttäuschung am Messewochenende
Mit großer Vorfreude reiste die Jugendgruppe am Samstag zur Faszination Modellbau 2025. Das Projekt sollte im Rahmen der Flugshow „Stars des Jahres“ präsentiert werden. Die Modelle wurden vorbereitet, Akkus geladen, Raketenmotoren eingebaut und die Zünder bereit gemacht. Doch erneut machte uns die Realität einen Strich durch die ursprüngliche Planung: Das Gras der Startbahn war schlicht zu hoch, um die leichten Lilienthal 40 zuverlässig im F-Schlepp starten zu können. Unter diesen Bedingungen hätten die Modelle zu viel Rollwiderstand aufgebaut und wären kaum sauber vom Boden weggekommen. Nur zwei Sportys, die zu Testzwecken mit einer größeren Luftschraube ausgerüstet waren, verfügten über genügend Leistungsreserve, um einen Schleppstart trotz des hohen Rasens sicher durchzuführen. So konnten immerhin zwei Schleppgespanne wie geplant starten und ihren eleganten Steigflug über der Flightline zeigen.

Zehn Modelle in sechs Wochen –das Vorhaben könnte man beinahe als „Serienfertigung“ bezeichnen.
Raketenstart als Alternative
Für die übrigen Modelle wurde flexibel umgeplant. Alle weiteren Sportys starteten solo, sodass auch diese Maschinen ihren Flug zeigen konnten. Die Lilienthal 40 dagegen konnten dank der eingebauten Raketenantriebe problemlos und sicher aus der Hand gestartet werden. Die kurze, aber kraftvolle Raketenphase brachte die Modelle zügig auf Höhe, bevor sie in ihren typischen, weiten Gleitflug übergingen. Gerade dieser Programmpunkt erwies sich als echter Hingucker: Viele Zuschauer waren überrascht, wie dynamisch ein klassischer Holzbaukasten wie der Lilienthal 40 wirken kann, wenn er mit moderner RC-Technik und einem Zusatzantrieb kombiniert wird.
Am Sonntag zeigte sich das Wetter erneut von seiner unkooperativenen Seite – diesmal in Form von anhaltendem Regen, der keinerlei Flugaktivität zuließ. Zwar fiel damit die geplante zweite Show aus, doch die Jugendlichen konnten stolz auf das zurückblicken, was sie in den Wochen zuvor geleistet hatten. Sie hatten zehn Modelle in sechs Wochen gebaut, Erstflüge unter Zeitdruck gemeistert, zwei gemeinsame Trainingstage trotz schlechtem Wetter geschafft, einen erfolgreichen Auftritt mit zwei Schleppgespannen hinter sich gebracht und sichere Raketenstarts aller Lilienthals erreicht. Auf alle Fälle war das ein Projekt, welches die gesamte Gruppe fachlich und handwerklich vorangebracht hat.

Große Aufregung: Der erste Testflug im Schleppgespann steht nur kurz bevor.
Fazit zum Schluss
Die Faszination Modellbau 2025 war für unsere Jugendgruppe ein intensives, aufregendes und lehrreiches Projekt. Die Jugendlichen haben nicht nur Modelle gebaut, sondern Zeitmanagement, Teamarbeit, Flugkoordination und flexibles Reagieren auf äußere Bedingungen erlebt. Bei aller Anstrengung waren das Leuchten in den Augen beim Messeauftritt und der Stolz über das gemeinsame Ergebnis die beste Bestätigung dafür, dass sich jede Minute gelohnt hat. Und eines steht jetzt schon fest: Dieses Projekt war nicht das letzte große Vorhaben unserer Jugendgruppe – sondern erst der Anfang.

Beitrag von Philipp Weinl
Ausgabe: FMT04/2026