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Donnerstag, 05.03.2020 Ein Fertigmodell für den Erstflug vorbereiten

Darauf kommt es an!

Der „Virus Modellflug“ hat uns gepackt – ein Flugmodell wurde angeschafft. Logisch, im Vorfeld haben wir uns schlau gemacht was für einen Einsteiger das Richtige ist und uns für ein Modell in „Ready to fly-Ausstattung“ entschieden. Das Modell ist komplett ausgestattet mit allem, was für den Betrieb notwendig ist und das Beste – alles soll schon fertig eingebaut sein. Da kann es ja gleich losgehen! Doch dazu ein gut gemeinter Tipp: Lassen wir das Ganze etwas „relaxt“ angehen.

Nach der euphorischen Erstbesichtigung des Schachtelinhaltes sollte der ungehemmte Tatendrang zunächst ein wenig gebremst und die Bau- und Betriebsanleitung zur Hand genommen werden. Darin erfahren wir, was möglicherweise noch beschafft werden muss, zum Beispiel die Batterien für den Sender oder den Antriebsakku. Anschließend überprüfen wir den Inhalt anhand der Stückliste auf Vollständigkeit, um gegebenenfalls Reklamationen anzumelden. Zudem erhalten wir Hinweise zum Betrieb der Fernsteuerung und ein paar Grundlagen für das Fliegen mit einem Modellflugzeug.

RTF = Ready to fly (fertig zum Fliegen) – So werden viele Modelle angeboten. Dann sollte auch alles dabei sein, was benötigt wird. Manchmal fehlen die Batterien für den Sender, da diese sich über längere Zeit selbst entladen würden. Und ein RTF-Modell sollte auch flugfertig gebaut sein. Doch leider stimmt das nicht immer. Wer auf Nummer sicher gehen will, dass wirklich alles fertig ist, lässt sich das Modell von seinem Fachhändler zeigen und erklären. In aller Regel sind jedoch die Leitwerke (bezeichnet alle Bauteile die zur Steuerung dienen) nicht am Rumpf montiert. Der Grund hierfür liegt im Bestreben des Herstellers nach einer möglichst kleinen Verpackung. Bei einigen Modellen werden die Leitwerke verklebt, bei anderen einfach angeschraubt. Die Fertigstellung wird uns aber vor kein Problem stellen. Manchmal müssen auch andere Kleinigkeiten erledigt werden. Wir geben dazu Tipps.

 

Klebstoff

Bei der Auswahl des Klebstoffs orientieren wir uns an den Empfehlungen der Bauanleitung. Zunächst prüfen wir aber die Verträglichkeit des Schaummaterials, indem an einer unauffälligen Stelle, zum Beispiel im Rumpfausschnitt, ein kleiner Tropfen Sekundenkleber aufgebracht wird und beobachten was geschieht. Wird das Schaumaterial „teigig“ oder bildet sich gar ein Loch, so ist der genutzte Sekundenkleber für den Schaumstoff ungeeignet und es ist ein anderes Produkt auszuwählen.

 

Ruderhörner

Als vorbereitende Maßnahme komplettieren wir die Ruderhörner mit den Klemmstücken. Mittels des Klemmstücks wird später das Ruderhorn bzw. die Ruderklappe mit dem Anlenkgestänge zum Servo hin verbunden.

Das Klemmstück wird in die Bohrung im Ruderhorn eingesetzt und durch die Mutter gehalten. Die Mutter wird dabei nur so fest angezogen, dass sich das Klemmstück spielfrei und ohne zu wackeln noch leicht drehen lässt. Kleine Unterlegscheiben zwischen Klemmstück und Ruderhorn und zwischen Ruderhorn und Mutter erleichtern das Einstellen.

Damit sich die Mutter nicht mehr lösen kann, wird diese mit Schraubensicherungslack oder einem Tröpfchen Sekundenkleber gesichert.

Nun können die Ruderhörner in den Ruderklappen eingeklebt werden. Dazu zwei Tropfen Sekundenkleber in den Aufnahmeschlitz tröpfeln …

… und dann das Ruderhorn einstecken.

 

Leitwerke montieren

Zuerst stecken wir die Tragflächen an den Rumpf. Sie dienen als Bezugspunkt zum Ausrichten der Leitwerke am Rumpf.

 

Zunächst prüfen wir den korrekten Sitz des Höhenleitwerks und stecken dieses probehalber ohne Klebstoff in die Aufnahme am Rumpfheck, gegebenenfalls sichern wir es mit Stecknadeln gegen herabfallen.

 

Nun peilen wir über das Modell von vorne und versuchen die Tragfläche mit dem Höhenleitwerk deckungsgleich zu bringen, d.h. die äußeren Spitzen des Höhenleitwerks sollen links und rechts den gleichen Abstand zur Tragfläche haben.

 

Verläuft diese Prüfung zur Zufriedenheit, so wird das Höhenleitwerk (horizontale Fläche des Leitwerks am Heck eines Flugzeuges) wieder abgenommen, die Auflagefläche am Rumpf dünn mit Sekundenkleber beträufelt und das Höhenleitwerk aufgesetzt. Danach sofort wie bereits beschrieben den korrekten Sitz noch einmal überprüfen.

 

Jetzt wird der Sitz des Seitenleitwerks überprüft. Dazu dieses probehalber ohne Klebstoff in die Aufnahme stecken. Das Seitenleitwerk (ist die senkrechte Leitwerkfläche) muss rechtwinklig zum Höhenleitwerk ausgerichtet sein, hierzu einen Winkel benutzen. Da das Seitenleitwerk nach oben hin konisch zuläuft, muss der Abstand von der Spitze des Leitwerks zum Schenkel des Winkels auf beiden Seiten gleich groß sein. Ist alles in Ordnung, kann das Seitenleitwerk mit dem Rumpf verklebt werden.

 

Eine andere Möglichkeit der Höhenleitwerksbefestigung: Bei diesem Modell wird das Leitwerk einfach seitlich in einen vorbereiteten Schlitz gesteckt

 

… und mit Klebestreifen gegen Herausrutschen gesichert – fertig!

 

Aber auch eine Schraubbefestigung wird bei manchen Modellen angewendet. So kann das Höhenleitwerk auch wieder leicht demontiert werden, was die Transportfreundlichkeit erhöht. Die Überprüfungen zum korrekten Sitz sind aber auch in diesen Fällen sehr wichtig.

 

Einbau des Empfängers und des Reglers

Vorzugsweise erfolgt deren Festlegung mit Hilfe von selbstklebendem Klettband. Jenes besteht aus einem Haken- und einem Flauschband.

 

Das Flauschband wird auf den Empfänger, das Hakenband an geeigneter Stelle im Rumpf aufgeklebt. Danach wird der Empfänger einfach auf das Hakenband aufgedrückt, beide Bänder verhaken sich und halten so den Empfänger in Position. Mit dem Regler verfahren wir in derselben Art und Weise.

Ist der Empfänger eingebaut, muss noch dessen Antenne so verlegt werden, dass sie nicht mit den sich bewegenden Teilen der Servos in Berührung kommt. Die Antenne wird am besten an der Rumpfinnenseite mit einem Stück Klebeband befestigt.

 

Wir brauchen Strom!

Nämlich zur Versorgung der Empfangsanlage und für den Motor. Beides liefert uns der Antriebsakku. Bevor der Akku angesteckt wird, ist zuvor immer der Sender einzuschalten und der Gasknüppel in „Stellung aus“ zu bringen. Beim Anschluss des Akkus an den Regler achten wir auf die richtige Polarität der Steckkontakte, das rote Kabel des Akkus (Plus) muss an das rote des Reglers, das schwarze Kabel des Akkus (Minus) an das schwarze des Reglers

Meist sind die Steckverbindungen verpolungssicher, so dass sie gar nicht verkehrt herum zusammen zu stecken sind. Eine Tonfolge – hier hat jeder Regler-Hersteller seine eigene Komposition – signalisiert die Betriebsbereitschaft des Reglers. Über das sogenannte BEC (Battery Eliminator Circuit) des Reglers werden der Empfänger und die Servos mit Strom versorgt. Eine aufleuchtende LED zeigt die Betriebsbereitschaft des Empfängers an.

 

Servos anschließen

Die Servos müssen an den entsprechenden Ausgängen des Empfängers angesteckt werden. Welches Servo welchem Ausgang zugeordnet wird, ist der Bedienungsanleitung des Modells bzw. der Fernsteuer-Anlage zu entnehmen. Die Belegung ist je nach Hersteller unterschiedlich. Wichtig dabei ist, dass bei Betätigung des Steuerknüppels am Sender das der Funktion (Ruder) zugeordnete Servo anläuft. Zur Überprüfung wird der Sender eingeschaltet, der Gashebel auf Stellung „Motor aus“ gebracht und die Trimmschieber (setzt den Regler elektronisch auf null Wert bzw. passt die Einstellungen an) der Steuerknüppel genau auf „Mitte“ gestellt

 

Zur Inbetriebnahme der Empfangsanlage wird der Antriebsakku am Regler angesteckt. Damit könnte aber auch der Motor anlaufen, weshalb wir deswegen aus Sicherheitsgründen die Luftschraube am Motor noch nicht montiert haben. Ist alles richtig angeschlossen, bewegen sich die Servos in ihre Neutralposition (Mittelstellung). Die Anlenkdrähte werden in die Servohebel eingehängt und in die Klemmstücke am Ruderhorn eingeführt

 

Danach werden die Ruder von Hand in Neutralstellung gebracht. Dabei kann man sich gut an der Hinterkante der Tragfläche bzw. der Leitwerke orientieren

 

Ist das jeweilige Ruder eingestellt, wird die Klemmschraube des Klemmstückes fest angezogen

Danach noch einmal die Neutralstellung überprüfen. Die Trimmschieber am Sender sind nur für Korrekturen während des Fluges vorgesehen. Demnach wäre es absolut falsch, bei der Grundeinstellung der Ruder die Trimmhebel zum Einstellen der Ruder-Neutralstellung zu „missbrauchen“, da dadurch die Trimmmöglichkeiten im Flug verringert oder gar unmöglich gemacht würden.

 

Ruderausschläge

Haben wir die Tests zur Neutralstellung der Ruder absolviert, prüfen wir die Laufrichtung der Servos und damit die Richtigkeit der Ruderausschläge. Die Ruder müssen dabei wie folgt ausschlagen (Modell von hinten betrachtet):

  • Seitenruder rechts/links das Ruder geht nach rechts/links
  • Höhenruder der Steuerknüppel wird nach hinten gezogen (Richtung Pilot), das Ruder geht nach oben
  • Tiefenruder der Steuerknüppel wird nach vorne gedrückt (vom Piloten weg), das Ruder geht nach unten
  • Querruder links linkes Querruder geht nach oben, rechtes Querruder nach unten
  • Querruder rechts rechtes Querruder geht nach oben, linkes Querruder nach unten

 

Läuft ein Servo bzw. Ruder verkehrt herum, so wird dessen Drehrichtung am Sender durch Umstellen des betreffenden Umschalters geändert.

Danach ist noch einmal die Neutralstellung des Ruders zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.

 

Die Größe der Ruderausschläge beeinflusst das Steuerverhalten des Modells ganz erheblich. Sind die Ausschläge zu klein, so ist die Reaktion auf die Steuerbefehle nur mäßig. Sind die Ausschläge zu groß, reagiert das Modell sehr hektisch und kann im Extremfall nicht mehr fliegbar sein. Die passende Größe der Ruderausschläge entnehmen wir der Betriebsanleitung des Modells.

Die Ruderausschläge  werden an der Hinterkante des Ruders an dessen größter Tiefe gemessen.

Das Einstellen der Größe der Ruderausschläge geschieht durch die Wahl der unterschiedlichen Einhängebohrungen im Servohebel und/oder am Ruderhorn.

 

Je weiter außen der Anlenkdraht am Servohebel, bzw. je weiter innen am Ruderhorn eingehängt wird, umso größer wird der Ruderausschlag.

 

Motor und Luftschraube

Der Motor bzw. dessen Luftschraube muss richtig herum drehen. Wir schalten jetzt den Sender an, bringen den Gashebel in die Stellung „Aus“ und verbinden die Anschlusskabel des Akkus mit denen des Reglers. Natürlich achten wir dabei darauf, dass sich keine Teile – und dazu gehören auch die Hände! – im Drehkreis der Luftschraube befinden. Für das erste Anlaufen des Motors stellen wir uns hinter das Modell und halten dieses gut fest

 

Zunächst bringen wir den „Gashebel“ in etwa „Halbgas-Position“. Wenn der Motor in die richtige Richtung dreht, würden wir jetzt einen Luftzug spüren. Spüren wir das nicht läuft der Motor verkehrt herum, der Luftstrahl würde vor der Luftschraube spürbar sein.

Sind die drei Kabel vom Regler zum Motor jeweils mit einer Steckverbindung versehen, müssen wir einfach zwei davon (egal welche) vertauschen. Sind die Kabel zwischen Regler und Motor verlötet, ist es ratsam, den Fachhändler aufzusuchen, da zur Änderung der Drehrichtung am Motor Lötarbeiten vorgenommen werden müssen.

Auf keinen Fall darf der Akku verkehrt gepolt am Regler angeschlossen werden, sonst droht die sofortige Zerstörung des Reglers!.

Läuft der Motor richtig herum, so steht einem Vollgas-Test nichts im Weg. Und das bitte wörtlich nehmen. Also unbedingt darauf achten, dass sich keine Gegenstände im Drehkreis der Luftschraube befinden und auch keine losen Teile (Plastiktütchen o.ä.) angesaugt werden können.

 

Den richtigen Schwerpunkt einstellen

Die mit wichtigste Einstellung an einem Flugmodell ist die korrekte Schwerpunktlage. Die exakte Position entnehmen wir der Bedienungsanleitung des Modells. Das Maß für den Schwerpunkt wird von der Nasenleiste (= Vorderkante) des Tragflügels aus zur Flächenmitte hin abgetragen. Auf der Unterseite der Tragfläche zeichnen wir uns dort unmittelbar neben dem Rumpf eine dünne Linie.

Um den Schwerpunkt später „fühlen“ zu können, kann auf der Markierung eine Stecknadel eingedrückt werden. Das fertige Modell wird mit allen Zubehörteilen (auch Akku und Luftschraube!) an diesem Punkt mit den Fingerkuppen beiderseits des Rumpfes (Stecknadelkopf) unterstützt 

 

Bei richtiger Schwerpunktlage pendelt sich das Modell mit leicht nach unten hängender Rumpfspitze aus. Es wäre nun Zufall, wenn der Schwerpunkt sofort stimmen würde. Senkt sich das Heck, so muss Gewicht in die Nase verlagert werden. Senkt sich die Nase zu stark, muss Gewicht nach hinten verschoben werden. Grundsätzlich erfolgt das Auswiegen über das Verschieben des Flugakkus. Erst wenn dies ausgereizt ist und sich der Akku nicht mehr weiter verschieben lässt, werden kleine Zusatzgewichte angebracht.

Auf keinen Fall darf mit einer nicht korrekten Schwerpunktlage gestartet werden, ein Absturz mit der Möglichkeit einer Beschädigung des Modells wäre dabei die Folge! Wenn die Lage des Akkus im Rumpf gegeben ist, wird der Akku mittels Klettband festgelegt.

 

 

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